Aufstand gegen Schul-Sponsor Spenden für einen guten ... Namen

Ein US-Milliardär will seiner ehemaligen High School 25 Millionen Dollar spenden - unter einer Bedingung: Die Schule soll nach ihm benannt werden. Nun rebellieren die Einwohner der Stadt.

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Stephen Schwarzman hat in Yale Psychologie, Soziologie, Anthropologie und Biologie studiert, danach machte er an der Harvard Business School einen MBA. Er arbeitete als Investmentbanker, machte Karriere bei Lehman Brothers, gründete schließlich sein eigenes Unternehmen und verdiente viel Geld an der Wall Street. Sein Vermögen wird auf zwölf Milliarden Dollar geschätzt.

Doch an seinem Erfolg haben nicht nur die Hochschulen und Firmen einen Anteil, sondern sicher auch die Abington Senior High School in der Nähe von Philadelphia. Dort machte Schwarzman im Jahr 1965 seinen Schulabschluss. Und weil der Unternehmer seinen damaligen Lehrern offenbar sehr dankbar ist, verkündete er an seinem 71. Geburtstag im Februar stolz, er wolle der Schule 25 Millionen Dollar spenden.

Es sei die größte Summe, die jemals an eine öffentliche Schule gespendet wurde, heißt es auf der Seite von Schwarzmans Unternehmen Blackstone. Dort steht auch, Schwarzman sei ein aktiver Philanthrop, der sich sehr für die Bildung einsetze. Vor drei Jahren habe er der Yale-Universität bereits 150 Millionen Dollar gespendet, um das Schwarzman-Center zu gründen.

Zwei Jahre zuvor hat er ein Stipendienprogramm an der Tsinghua Universität in Peking ins Leben gerufen: das Schwarzman-Stipendium. Und im Jahr 2007 ließ der Geschäftsmann der New Yorker Bibliothek 100 Millionen Dollar zukommen und das Gebäude an der Fifth Avenue nach ihm benennen.

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Krumme Geschäfte?: Namensdeals an Hochschulen

Stephen Schwarzman möchte offenbar sicherstellen, dass die Gesellschaft seinen Namen so schnell nicht vergisst. So ist es auch bei der Abington Senior High School. Diese soll nämlich im Gegenzug für die 25 Millionen Dollar, die Schwarzman spenden will, umbenannt werden und in Zukunft so heißen wie der Geldgeber: Abington Schwarzman High School. Doch das ist nicht alles: In der Schule soll an prominenter Stelle ein Porträt von Schwarzman zu sehen sein. Ein Anbau soll nach seinen Zwillingsbrüdern Mark und Warren benannt werden, und Schwarzman möchte über das neue Schullogo mitentscheiden können, wie die "New York Times" berichtet.

Der Direktor der Schule willigte ein, denn mit so viel Geld könnte die Schule renoviert, jedem Schüler ein Laptop finanziert und Programmierkurse für alle Klassen angeboten werden. Doch weder der Direktor noch Stephen Schwarzman haben offenbar mit der Bevölkerung von Abington gerechnet - beziehungsweise mit deren Frust.

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Die Leute fühlen sich veralbert, sie reden von einer feindlichen "Wall-Street-Übernahme", sie schrieben böse Mails und haben sogar eine Onlinepetition ins Leben gerufen, damit die Abington Senior High School weiter Abington Senior High School heißen darf. Bereits im Jahr 2004 war ein Football-Stadion in der Stadt nach Schwarzman benannt worden. Damals hatte der Unternehmer 400.000 Dollar dafür lockergemacht.

In den USA sind solche Namensdeals üblich - führten in den vergangenen Jahren aber immer wieder zu Streitereien. Vor vier Jahren hatte ein Chef der Citygroup eine Spende von 20 Millionen Dollar an das Paul Smiths College in New York zurückgezogen, weil einige Alumni gegen die Umbenennung vorgingen. Auch in Beverly Hills gab es Ärger als ein Immobilienmakler für eine Spende von 21.750 Dollar das Atrium einer Grundschule nach sich benennen ließ.

Einen ersten Erfolg haben Abingtons Bürger bereits mit ihrer Petition erreicht: Die Schule soll den Namen behalten - "nur" ein neues Wissenschafts- und Technologiezentrum soll nun nach Schwarzman benannt werden. Der Milliardär willigte ein - aber nur unter einer Bedingung: Im neuen "Schwarzman Center for Science and Technology" sollen Gedenktafeln oder Fotos von ihm angebracht werden.

insgesamt 26 Beiträge
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dasfred 18.04.2018
1. Die Ablehnung ist lächerlich
Ständig wird Geld für unterfinanzierte Schulen gefordert, wohlwissend, dass der amerikanische Staat so gut wie pleite ist. Da kommt ein ehemaliger Schüler, der es zu Geld gebracht hat, will eine Riesensumme spenden und möchte sich damit in Erinnerung halten. Für die Schüler allemal besser, aber Berufs Bedenken Träger müssen alles vermiesen. Spenden nur noch anonym anzunehmen wird wohl kaum nicht oft das Interesse des Spenders wecken. Außerdem geht es ja nicht darum, dass sich hier ein Konzern eine Werbefläche errichtet.
C.Rainers 18.04.2018
2. Das sind Typen
die ihr meist mit zweifelhaften Mittel erworbenes Vermögen einsetzen wollen um ihr Gewissen zu beruhigen und zusätzlich noch ihr unterentwickeltes Ego aufpolieren wollen. Wären sie Philantropen die altruistisch handeln, würde es ja keiner erfahren. Und nebenbei minimieren sie noch ihre Steuerlast
C.Rainers 18.04.2018
3. Noch eins
Würden solche Typen sich nach ihrer finanziellen Leistungskraft an der Finanzierung von Staaten beteiligen , hätten die Staaten genug Geld um Schulen auszustatten
Onkel Drops 18.04.2018
4. warum den Namen ändern?
Gedenktafel: an dieser Schule hat Herr Schwarzman den Grundstein seiner Bildung genossen und damit andere dieses weiterhin können/werden wurde der Schule xxx Geld gespendet. eine Spende ist ja kein Kauf ( scheinbar wird das dauernd vergessen!!!) dann kann man eventuell neue Gebäude nach ihm benennen an der Schule, aber den Namen der ganzen Schule ändern? Nein da verstehe ich die Bürger vollkommen. das große Unternehmen in meiner Stadt spendet auch laufend in Schulen,Vereine und der Stadt. da wird das große Stadttor als Bronzestatue für einen Kreisverkehr gespendet, die Rückseite zeigt das Bürohaus der Firma( klein ) mit kleinem Logo aber unauffällig dezent. Herr Schwarzman würde da ehr sich aufstellen lassen denke ich. naja der Chef der Firma geht bei heißem Wetter auch mal eben 30 Eisbecher aus der Eisdiele holen und verteilt es persönlich dann an die Arbeiter ( Hallenmeister gehen leer aus, " Eis gibts für Arbeiter, wir sitzenden haben ja ne Klimaanlage!" ) . so zieht er von Halle zu Halle und man liebt ihn...
titoandres 18.04.2018
5. @dasfred
Natürlich sind Spenden für unterfinanzierte Schulen ein Segen, wenn man mal davon absieht, dass der Staat dazu neigt, sich mit der Finanzierung von Bildungseinrichtungen zurückhalten, wenn sie durch Spenden (mit-)finanziert werden. Sie verkennen aber, was das für ein Symbol bedeutet. Anstatt dass die Schulen nach Persönlichkeiten benannt werden, die die Landeskultur bereichert haben, verkauft die Schule ihren Namen an einen reichen Börsenmakler. Das signalisiert den jungen Menschen, dass man Ruf und Anerkennung einfach kaufen kann. Das führt die das Ideal der Bildung ad absurdum und macht auch Bildung zur Ware. Denn Spender können somit die Aufnahme der eigenen Verwandschaft einfach kaufen, wie etwa Trumps Schweigersohn, der nach einer Millionenspende seines Vaters in Harvard aufgenommen wurde, obwohl er ein mittelmäßiger Schüler gewesen sein soll.
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