Hartz IV Mehr als eine Million Kinder beziehen Stütze für Schulbedarf

Mehr Kinder als noch vor einem Jahr haben 2018 staatliche Hilfen für die Anschaffung von Schulbedarf bekommen. Hartz-IV-Haushalte bekommen dafür pauschal 100 Euro jährlich.

Unterricht an Grundschule in Neumünster
DPA

Unterricht an Grundschule in Neumünster


Mehr als eine Million Kinder ist einem Zeitungsbericht zufolge beim Schulbedarf auf staatliche Unterstützung angewiesen. Zuletzt erhielten genau 1.006.163 Schüler diese Leistung nach dem Bildungs- und Teilhabepaket. Das waren gut 5000 Kinder mehr als ein Jahr zuvor, wie die "Passauer Neue Presse" berichtet. Die Zeitung bezieht sich dabei auf eine Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken im Bundestag.

Die Leistung für den Schulbedarf beträgt für Kinder aus Hartz-IV-Haushalten pauschal 100 Euro jährlich. 70 Euro werden mit dem Schuljahresstart ausgezahlt, so auch zum Beginn des Schuljahres 2018/2019, weitere 30 Euro zum Beginn des zweiten Halbjahrs, also jeweils im Februar. Die Schülerzahlen in dem Bericht stammen von Februar 2018, die Zahlen für August liegen nach Angaben der Zeitung noch nicht vor.

Bei der Zahl der Leistungsempfänger steht Nordrhein-Westfalen demnach mit 300.000 Schulkindern an der Spitze. In Niedersachsen waren es 117.000, in Berlin 98.000, in Baden-Württemberg 89.000 und in Bayern 80.000 Schülerinnen und Schüler.

Linke-Bildungspolitikerin: "Hundert Euro reichen nicht"

"Insgesamt hundert Euro für den Schulbedarf pro Jahr reichen nicht aus, um die anfallenden Kosten zu decken", kritisierte die Linken-Politikerin Sabine Zimmermann in der "PNP". Sie forderte, den vor zehn Jahren festgelegten Pauschalbetrag anzuheben. Von gleichen Chancen für Kinder aus ärmeren Familien könne nach derzeitiger Rechtslage "keine Rede sein", sagte Zimmermann.

Das Bildungs- und Teilhabepaket war 2011 unter der damaligen Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) eingeführt worden. Es sieht einen Zuschuss für Familien vor, die schon Sozialhilfe, Wohn- oder Arbeitslosengeld beziehen. Allerdings werden Zuschüsse für Schulessen, Nachhilfe, Musikunterricht oder Vereinssport nur von gut einem Viertel der Berechtigten genutzt.

Laut Bundesagentur für Arbeit leben knapp zwei Millionen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren in Hartz-IV-Haushalten, das sind fast 15 Prozent. Mehr als jedes fünfte Kind lebt mit Eltern, die weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens aller Haushalte verdienen.

Wie es ist, wenn Familien das Geld für Klassenfahrten, Theaterkurse, Bücher oder Stifte nicht aufbringen können, haben sieben Betroffene in eindrücklichen Worten dem SPIEGEL erzählt.

Video über Kinderarmut: Hungrig in die Schule

SPIEGEL TV

oka/AFP/dpa

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insgesamt 114 Beiträge
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imthecheese 27.08.2018
1. ein Armutszeugnis
...in einem der reichsten Länder der Erde! Jeden Tag kommen Kinder ohne Frühstück in unsere Schule. Das ist für sie Normalität. Die Ausflüge müssen umständlich beantragt werden (meist von uns Lehrkräften) und für Nachhilfe für diese armen Würstchen muss ICH mich noch vor einem Sachbearbeiter vom Amt rechtfertigen („Aber das Kind hat ja eine 4...da können wir nichts bewilligen. Erst wenn es sitzenbleibt!“). Eine Zumutung und Frechheit!!! Und an alle, die hier leider viel zu oft auf uns Lehrer schimpfen (soooo viel Ferien!) und ihre AFD-Parolen verbreiten: einfach mal ausprobieren und 2 Tage mit Hartz-4 oder in einer Flüchtlingsunterkunft leben. Oder einen Lehrer begleiten und mal 1 Stunde unterrichten statt einfach Dummes Zeug zu reden! Und mal über das Geld von S Klatten, K. Albrecht, D Zetsche, K Winterkotn oder die Steuererklärungen von U Hoeneß (der ja SO viel für unser Land getan hat), F Beckenbauer oder S Vettel nachdenken!
imthecheese 27.08.2018
2. kleine Matheaufgabe
die Steuerschulden von Uli H betrugen (nach Zinsen weil laaaange nicht gezahlt) 43.000.000€ Ein Kind aua Hartz-V-Elternhaus erhält 100€/Jahr für Schulbedarf. 1.000.000 Kinder sind im Leistungsbezug. Wievielen Kindern hätte der Uli die Hefte und Bücher spendieren können???
Socialmen 27.08.2018
3. Traurig aber...
...Wahr, dass immer mehr Kinder in Armut leben. Kinder sind unsere Zukunft, aber diese Kinder erleben Armut, weil die rein für die Wirtschaft Instrumentalisierte soziale Grundsicherung viel zu gering bemessen ist, und deren Regularien es verhindert, dass z.B. das Kindergeld oder Mietbeihilfe bei Hartz 4 voll angerechnet wird? Okay, nicht jedes Kind was Arm ist, lebt bei Hartz 4 Empfängern, sondern die Eltern Verdienen zu wenig, weil die wirtschaft sich schon lange aus der sozialen Marktwirtschaft und dem Sozialstaat verabschiedet hat, und schlechte Löhne zahlt. Diese Situation ist dem exsessiven Jahrzehnten langen Neoliberalismus geschuldet, die uns suggerieren wollten, das sozial ist, was arbeit schafft, vergassen aber dabei, dass vernünftige Löhne ebenso dazu gehören,wie ein sicherer Arbeitsplatz. Die Notwendigkeit eines über die Finanztransaktionssteuer finanziertes bedinungsloses Basis - Geld verstärkt sich bei mir immer mehr, um Armut egal ob Kinder oder Altersarmut in den Griff zu bekommen!
wasistlosnix 27.08.2018
4. Zukünftige Facharbeiter
So gehen wir mit unsereren zukünftigen Facharbeitern um, ach so die holen wir dann aus dem Ausland.
zeisig 27.08.2018
5. Positive Meldung.
Das ist doch mal eine positive Meldung: Der Staat unterstützt, es gibt finazielle Unterstützung für Bedürftige. Man muß allerdings schon aufs Amt gehen und diese Leistung beantragen . Von selbst kommt das Geld nicht aufs Konto.
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