Lokalposse in Großbritannien Sorry, diese Schule ist zu weiß

Ihre Schule könnte besser sein, hätten die Kinder mehr Kontakt zu anderen Ethnien. Unter anderem mit dieser Begründung hat die englische Aufsichtsbehörde einer Grundschule die Bestnoten verwehrt - was einige Eltern empört.

Webseite der Middle Rasen Primary School: Eine gute Schule, keine hervorragende Schule
Middle Rasen Primary School

Webseite der Middle Rasen Primary School: Eine gute Schule, keine hervorragende Schule


In der Grafschaft Lincolnshire in England ist die Elternschaft einer kleinen Grundschule ziemlich sauer. An der malerischen Middle Rasen Primary School hat kürzlich eine Schulinspektion stattgefunden. Doch der Schule wurde die Bestnote verwehrt. Begründung: Zu viele weißhäutige Kinder besuchten die Schule.

Die Schulaufsichtsbehörde Ofsted ("Office of Standards in Education") bescheinigte der Grundschule in der ländlichen Gegend in der Nähe von Nottingham zwar, in pädagogischer Hinsicht eine gute Schule zu sein, berichtet die englische Tageszeitung "The Telegraph". Die Bestnote wollte die Behörde dafür allein aber doch nicht vergeben. Ein Grund neben teils zu hohen und teils zu niedrigen Anforderungen und Schwächen beim Personal: Den Schülern fehle ein direkter Eindruck von der Diversität Großbritanniens. Einige wütende Eltern verstanden das offenbar als Kritik an einer zu wenig multikulturellen Schülerschaft.

Die Ofsted-Behörde setzt damit ein Zeichen: Nachdem in Birmingham einige Schulen durch konservative Muslime unterwandert worden waren, sind Schulen in England nun angehalten, grundlegende britische Werte im Lehrplan zu verankern - allem voran gegenseitigen Respekt und Toleranz gegenüber anderen Glaubensrichtungen. Eine Reform, die wenig Sinn ergeben, monieren Kritiker im "Telegraph". Eine christliche Grundschule dürfe nicht kritisiert werden, nur weil sie nicht regelmäßig Imame zu Vorträgen einlade.

"Einfach nicht genug Kinder"

Die Middle Rasen Primary School mit ihren 104 Schülern gehört zu zwei Dörfern, die insgesamt etwa 1300 Einwohner zählen. In der Beschreibung der Schule hält Ofsted, die meisten Schüler seien Briten weißer Hautfarbe. Nur wenige gehörten anderen ethnischen Gruppen an, und kein Kind habe eine andere Muttersprache als Englisch. "Die Schule sollte das Verständnis der Kinder für kulturelle Vielfalt mehr fördern. Sie sollten die Möglichkeit haben, Mitschülern mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen zu begegnen", steht in dem Ofsted-Bericht.

"Ich protestiere gegen diese Regeln zur Gleichberechtigung", zitiert der "Telegraph" einen konservativen Abgeordneten aus Lincolnshire. "So viel politische Korrektheit ist verrückt. Multikulturalität ist in dieser Gegend irrelevant. Hier gibt es nur wenige ethnische Minderheiten, die alle gut integriert in unserer Gemeinschaft leben."

Für eine kleine Landschule sei es nicht einfach, diesen Standards zu genügen. "Wir haben einfach nicht genug Kinder aus anderen Kulturen", beschwerte sich eine Mutter beim "Telegraph". Ein Vater ist empört: "Eine britische Schule wird bestraft, weil sie zu britisch ist? Das macht doch keinen Sinn."

Die Middle Rasen Grundschule versucht nun, eine Partnerschule in einem städtischen Umfeld zu finden und regelmäßige Besuche zu arrangieren. Statt Schulausflügen in den Zoo solle nun auch der Besuch einer Moschee auf dem Programm stehen, kündigte die Schulleiterin an.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels stand, die Schule sei herabgestuft worden. Das war nicht richtig. Vielmehr wurde sie im aktuellen Bericht besser bewertet als zwei Jahre zuvor. Die fehlenden multikulturellen Kontakte waren einer von drei Kritikpunkten an der insgesamt als gut bewerteten Dorfschule.

cpa



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 65 Beiträge
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Bondurant 20.11.2014
1. Und ist es auch Wahnsinn
so hat es doch Methode: denn es gebe kaum dunkelhäutige Schüler oder solche asiatischer Herkunft. Dieser Umstand schränke die Entwicklung der Schüler ein, weil sie die "Vielfältigkeit der britischen Gesellschaft nicht aus erster Hand erfahren können", zitiert das Blatt aus der Evaluation. Man muss bedenken, dass auch die Eltern derartig eingeschränkt sind, denn offenbar leben nicht "genug" dunkelhäutige Menschen in den betroffenen Ortschaften. Werden jetzt Menschen aus London dorthin zwangsweise umgesiedelt, auch wenn sie lieber in London blieben, damit sich das ändert und sie ihren sozial erwünschten Beitrag zur Vielfalt auch in der Provinz leisten?
Speculum Legere 20.11.2014
2. Schüler einfärben
Gott sei Dank ! Wir in Deutschland sind nicht alleine mit diesem Multikultiwahnsinn. Es gib Ihn auch in England.Hirnrissige Politiker oder Behörden die den Menschen aufindoktrinieren wollen, wie wir mit anderen Volksgruppen zu leben haben. Die Engländer werden mir noch Sympathisch.
ralf_si 20.11.2014
3.
"Für eine kleine Landschule sei es nicht einfach, diesen Standards zu genügen. 'Wir haben einfach nicht genug Kinder aus anderen Kulturen'," Die sollen auf die Note pfeifen und dankbar sein. Ich sehe es doch bei meinem Neffen und Kindern von Bekannten. Mein Neffe hat das große Glück in einer Schule mit geringem Migrantenanteil zu sein. Der Lernerfolg, das Lernumfeld, die fehlende über das übliche Maß hinausgehende Gewalt unter Schülern sind einfach grandios. Dagegen sind die Schulen, bei denen der Migrantenanteil bei 40% oder darüber liegen einfach furchtbar.
münchen_giesing 20.11.2014
4. Krank
Diese politisch korrekte Gesellschaft ist komplett krank. Jedoch muss ich mit Respekt feststellen: Der Weg durch die Instanzen der Linken hat funktioniert. Sie sitzen an vielen Schalthebeln und können Ihre komplett irrsinnige Ideologie ausleben... Die Mehrheit der Bevölkerung will das sicherlich nicht.
NoTarget 20.11.2014
5. Na was nun?
Wenn man keine Unterschiede zwischen den Menschen macht, kann man der Schule auch nicht vorwerfen, wenn Menschen bestimmter Herkunft unterrepräsentiert sind. Es sei denn, man macht Unterschiede zwischen den Menschen...
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