Langzeitstudie Schwache Schüler gehen in starken Klassen unter

Kinder, die von besseren Mitschülern umgeben sind, lassen sich schneller entmutigen als Schüler in leistungsschwachen Klassen. Die Folgen sind noch 50 Jahre später spürbar.

Mädchen in Klassenzimmer (Symbolbild)
Getty Images

Mädchen in Klassenzimmer (Symbolbild)


Starke Schüler ziehen schwache Schüler nicht automatisch mit - im Gegenteil: Wer selbst nicht so gut im Unterricht ist, lässt sich von den guten Noten seiner Klassenkameraden eher verunsichern.

Das haben Bildungsforscher Ulrich Trautwein und seine Kollegen von der Universität Tübingen zusammen mit Forschern der University of Houston und der University of Illinois herausgefunden.

Der Effekt habe sich bereits in anderen Studien gezeigt, sagte Trautwein dem SPIEGEL. Neu sei allerdings, dass er auch 50 Jahre später noch messbar sei: Wer als Kind auf eine Schule mit sehr leistungsstarken Schülern ging und selbst eher durchschnittliche Noten hatte, verdiente später weniger und arbeitete in weniger angesehenen Berufen als jemand, der auf einer Schule mit schwächeren Schülern war.

Die Forscher werteten Daten einer Langzeitstudie in den USA aus. Rund 380.000 Schülerinnen und Schüler von High Schools nahmen im Jahr 1960 an standardisierten Tests teil. Etwa 85.000 konnten nach elf Jahren und 2.000 von ihnen nach 50 Jahren erneut befragt werden.

Der ständige Vergleich mit besseren Mitschülern setzte einigen Schülern dabei offenbar nachhaltig zu. "Das sind dramatische Erfahrungen, die sich ins Gedächtnis einzubrennen scheinen", sagte Trautwein. Diese "seelischen Wunden" in der Kindheit führten dazu, dass junge Menschen ein geringeres Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten entwickelten - mit langfristigen Folgen. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift "Psychological Science" veröffentlicht.

lov



insgesamt 161 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
fatherted98 17.10.2018
1. in Zeiten...
...in denen man noch nicht mal genug Lehrer hat um einen Regelunterricht durchzuführen, in denen man auf Teufel komm raus die Integration von Behinderten Schülern in Regelklassen vorantreibt (unter der vor allem die dann nicht geförderten und ausgegrenzten Behinderten Schüler leiden), ist es wohl ziemlich naiv zu glauben das sich auch nur einer um leistungsschwächere Schüler kümmern wird. Dazu bräuchte es Klassenstärken von 10 - 15 Schülern, möglichst mit zwei Lehrkräften pro Klasse.
staubmantel 17.10.2018
2.
"Schwache Schüler gehen in starken Klassen unter".... Ach nein, wer hätte das gedacht? Das ist seit Jahren bekannt, nur die Gesamtschulbefürworter wollen das nicht wahr haben, da es nicht in ihre Ideologie paßt.
salomon17 17.10.2018
3. Inklusion?
Das spräche massiv gegen den schulpolitischen Kurs, der in Deutschland zur Zeit gefahren wird (weg vom gegliederten Schulsystem, hin zur Einheitsschule). Wurde auch untersucht, wie gute Schüler in schwachen Klassen untergehen? Das ist nämlich nach meiner Erfahrung auch der Fall.
Leser161 17.10.2018
4. Verständlich
Verständlich, wer will schon immer korrigiert werden, dann geht man lieber auf Tauchstation. Diese Erkenntnisse sprechen meines Erachtens jedoch gegen Inklusion von lernbenachteiligten Schülern und die Abschaffung der Hauptschule. Wir sollten weg von Judge-a-book-by-the-cover (Inklusion=Gut, Hautptschüler=Arbeitsmarktungeeignet)
phthalo 17.10.2018
5. Wer hätte das gedacht?
Ich bin Lehrer und kann das bestätigen - auch ohne Studie. Daher sind Gemeinschaftsschulen auch großer Unsinn! Ach ja. Die Lehrer sollen gegensteuern und die schwachen Schüler gezielt fördern. So wird es während des Referendariats gelehrt und so auch gehandelt. Zumindest, bis das Ref vorbei ist. Danach ist dann Schluss damit, weil es aus Zeitgründen utopisch ist, so zu unterrichten. Da bekommt jeder Schüler den gleichen Arbeitszettel und wer dann stiller ist, weil er es nicht versteht, der bekommt dann die schlechteren Noten.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.