Schwedische Sprache Nicht Mann, nicht Frau, sondern "hen"

Schwedens Schüler müssen umdenken: 13.000 neue Wörter gibt es im Standardwörterbuch. Eins davon erfährt besonders viel Aufmerksamkeit: hen - ein geschlechtsneutrales Personalpronomen.

Schülerinnen in Schweden: Ab April gibt es in dem skandinavischen Land offiziell ein geschlechtsneutrales Personalpronomen
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Schülerinnen in Schweden: Ab April gibt es in dem skandinavischen Land offiziell ein geschlechtsneutrales Personalpronomen


Das "Svenska Akademiens ordlista" (SAOL), das Standardwörterbuch der schwedischen Sprache, ist ein Nachschlagewerk mit Tradition: 1874 wurde die erste Ausgabe veröffentlicht, seit 1889 ist das SAOL die offizielle Sprachvorgabe für Schulen und Hochschulen im Land. Aktuell bereitet die Schwedische Akademie die neueste Ausgabe vor, die im April erscheinen soll - und sorgt mit einem neuen Wort für Diskussionen.

"Hen" ergänzt als Personalpronomen zukünftig "han" (er) und "hon" (sie) - als Bezeichnung für eine Person, die weder eindeutig männlich noch weiblich ist. Erfunden wurde das Wort bereits in den Sechzigerjahren als Gegenentwurf zur seinerzeit fast komplett männlich geprägten Sprache. "Hen" sollte das Schwedische vereinfachen und gleichzeitig verhindern, dass Sprecher nur in den Kategorien männlich und weiblich dachten.

Richtig durchgesetzt hatte sich das geschlechtsneutrale Personalpronomen bisher jedoch nicht - bis es vor rund 15 Jahren von schwedischen Transgender-Aktivisten wiederentdeckt wurde. Mittlerweile taucht "hen" immer öfter in Medientexten, offiziellen Schriftstücken und sogar Gerichtsurteilen auf - eine Entwicklung, auf die die Schwedische Akademie reagiert.

"Für diejenigen, die das Pronomen nutzen, bedeutet die Aufnahme ins SAOL ganz eindeutig eine Stärkung", sagt Sture Berg, einer der verantwortlichen Wörterbuch-Redakteure. Wie schnell sich die Neuerung auch in Schulen und Universitäten durchsetzt, ist noch offen. Doch schon in der Vergangenheit hatte die schwedische Öffentlichkeit immer wieder über Genderfragen in der Sprache diskutiert - zuletzt etwa, als die erst 15-jährige Henrietta Berner durchsetze, dass der Schwedische Fußballverband sein Regelwerk sprachlich überarbeitet. Darin war bislang nur vom Schiedsrichter zu lesen - einschließlich der Pronomen er, ihm, seins.

him/AFP

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insgesamt 26 Beiträge
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Seite 1
Korken 25.03.2015
1. Ohje...
In Deutschland sind diese allgegenwärtigen Doppelanreden a la Männer und Männerinnen, Frauen und , ahja. Nun, sie sind oft genauso dämlich und langatmig. Da ist das Schwedische mit etwas komplett neuen vielleicht sogar praktischer. Anstatt Liebe Kollegen und Kolleginnen, sorry, andersrum, jaja, anstatt Liebe Kolleginnen und Kollegen sagt man einfach Liebe Kollegi. und weiter gehts.
Blutkoete 25.03.2015
2. Insbesondere ...
... aus konservativer Sicht muss man das ja begrüßen, da sich manche Trennung bei den Wörtern, die wir heute für normal halten, erst später vollzogen hat. http://www.qwantz.com/index.php?comic=551
Leser222 25.03.2015
3. lustig
Die meisten Schweden sprechen ja sehr gutes Englisch und haben bestimmt ihren Spass an "hen". Jetzt wissen wir auch endlich, was zuerst da war: das Ei.
bonngoldbaer 25.03.2015
4.
Nichts neues. Ich benutze schon seit Jahren "es", wenn ich von bestimmten ArbeitskollegInnen spreche. Und natürlich auch den Familiennamen mit sächlichem Artikel.
Das Pferd 25.03.2015
5.
"Für diejenigen, die das Pronomen nutzen, bedeutet die Aufnahme ins SAOL ganz eindeutig eine Stärkung" Ich benutzte ja auch Pronomen, gibt es eine deutsche Behörde, die mich dabei stärken könnte? Die Stärkung der Pronomennutzer( inen*nInnen...) solte uns allen ein Anliegen sein, so wichtig wie die Pflege der phallischen Binnenmajuskel.
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