Sommerurlaub Warum sechs Wochen Ferien für Lehrer fair sind

30 Urlaubstage am Stück, davon können die meisten Angestellten nur träumen. Für Lehrer wird dieser Traum jeden Sommer wahr. Arne Ulbricht ist sich dieses Privilegs bewusst, findet aber auch: Das ist angemessen so.

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"Doofe Sprüche hört man als Lehrer ständig. Aber an einen erinnere ich mich besonders gut, weil er mir vor einigen Jahren während einer Jugendherbergsfamilienfreizeit noch während der Vorstellungsrunde entgegengeschleudert wurde:

"Du bist Lehrer? Na toll. Wenn ich wieder arbeiten muss, dann hast du noch vier Wochen Ferien!"

Ich stockte und dachte: So ein Scheiß... wie soll ich denn nun reagieren?

Zum Autor
  • Daniel Schmitt
    Arne Ulbricht, Jahrgang 1972, unterrichtet an einem Berufskolleg in Nordrhein-Westfalen Französisch und Geschichte. Der Lehrer ist Autor mehrerer Bücher. Zuletzt erschienen "Mama ist auf Dienstreise" und "Maupassant".
  • arneulbricht.de

Zunächst unterdrückte ich den Impuls, mich zu rechtfertigen. Ich hätte von meinem Kollegen erzählen können, der für knapp 40 Prüfungen ein Dutzend Themen hatte stellen und die Prüfungen auch alle abnehmen müssen. Oder davon, dass Anfang des Schuljahres ein Schüler in meiner Klasse einen tödlichen Verkehrsunfall gehabt hatte und ich deshalb nicht nur als Lehrer, sondern auch durchgehend als Seelsorger gefragt war.

Im Lehrerberuf passiert ständig Unvorhersehbares. Allein die Erkrankung eines Kollegen kann dazu führen, dass man einen Kurs übernehmen muss und sich die wöchentliche Arbeitszeit von einem Tag auf den anderen erheblich verlängert.

Aber hätte ich dergleichen erzählt, hätte es nicht nur wie eine Rechtfertigung geklungen, es wäre auch als Beleidigtes-Leberwurst-Verhalten rübergekommen mit dem Subtext: Die Sommerferien reichen in meinem megaharten Stressberuf nicht mal, um die tausend Überstunden abzubummeln, also lass mich in Ruhe!

Für die einen ist es der Jahresurlaub, für uns sind es die Sommerferien

Dann fragte ich mich: Sind die Sommerferien nicht wirklich ungewöhnlich lang? Und war ich nicht deshalb ohne meine Frau in der Jugendherberge, weil sie nur 30 Urlaubstage im Jahr hat? Ihr Jahresurlaub entspricht exakt der Länge unserer Sommerferien.

Noch ein anderer Vater der Runde war allein mit seinen Kindern unterwegs. Er habe die ersten drei Wochen der Sommerferien Urlaub genommen, seine Frau die zweiten drei Wochen, sagte er. Das fand und finde ich: krass! Von solchen Betreuungsdramen werden Lehrer mit schulpflichtigen Kindern verschont.

Je mehr ich darüber nachdachte, desto mehr verstand ich den zornigen Neidanfall meines Gegenübers. Der Vater guckte mich noch immer grimmig an. Er wartete auf eine Reaktion. Also antwortete ich: "Weißt du, die Sommerferien sind der Wahnsinn. Sie sind unser Bonus, denn Bonuszahlungen für gute Arbeit bekommen wir ja nicht. Ich freue mich jedes Jahr wieder auf diese sechs Wochen, und ich genieße sie in vollen Zügen."

Nachdem ich das gesagt hatte, lachte er und sagte: "Wow. Endlich mal einer, der dazu steht. Kann halt nicht jeder Lehrer sein."

Genau! Aber ich bin es. Und ich lasse mir durch nichts und niemanden meine Sommerferien vermiesen. Und das empfehle ich auch meinen vielen Tausend Kolleginnen und Kollegen. In diesem Sinne wünsche ich uns: Schöne, lange Ferien!"

insgesamt 410 Beiträge
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Seite 1
Pela1961 05.07.2018
1. Naja
Und dann noch die zwei Wochen Osterferien, Herbstferien, Weihnachtsferien............................Soviele Boni kriegt kaum einer in seinem Berufsleben. Trotzdem - es sei ihnen gegönnt. Der Beruf ist mit Sicherheit einer der schwierigsten, die man im Augenblick ergreifen kann und auch wenn ich in vielerlei Hinsicht der Meinung bin, dass Lehrer einen Hang zum Jammern auf hohem Niveau haben denke ich, dass ein GUTER (!) Lehrer jeden Cent seines Gehalts und jeden Tag seiner Ferien wert ist.
Alexander Del Large 05.07.2018
2. Bock zum Gärtner machen
Sehr schön. Da ist SPON inzwischen angekommen: Man lässt einen Lehrer urteilen über die Unsinnigkeit dieses Privilegs(natürlich werden dabei die weiteren Ferientermine nicht berücksichtigt, wie Weihnachtsfeier usw.) Warum sich ein gemeiner Angestellter mit nur höchsten 30 Tagen begnügen muß statt der insgesamt über 70 Tage bei Lehrern??? Was soll's
der_durden 05.07.2018
3.
Ich gönne das ja den Lehrern. Warum sollte ich auch nicht. Allerdings wäre es für viele Arbeitnehmer auch angemessen. Oder glaubt der Autor wirklich, dass jeder Arbeitnehmer Boni erhält? Jeder Arbeitnehmer seine Überstunden bezahlt bekommt? Kein Arbeitnehmer sozial gefordert wird und nur wenig Stress hat? Mich ganz und gar nicht, dass Lehrer lange Ferien haben (wobei ein Teil dieser Ferien ja auch zu Vorbereitung, Weiterbildung, etc. zu nutzen sind). Mich nervt es aber, wenn Lehrer versuchen das irgendwie mit der Abgrenzung zu anderen Arbeiten zu erklären. Als sei das Leben eines Arbeitnehmers ja irgendwie weniger belastend. Das ist wirklich weltfremd und ich glaube das ist es, was die meisten ärgert. Im Übrigen sei zu den Boni noch gesagt, dass ein Lehrer, so er verbeamtet ist, sich wohl kaum Sorgen um seinen Ruhestand machen muss. Das ist ein Luxus, der nicht mal allen leitenden Angestellten zu Teil wird. Da ist ein Bonus, den wohl die wenigstens bekommen, nichts, was das auch nur annähernd aufwiegen könnte. Also wirklich, diesen Beitrag hätte der Autor sich, jedenfalls in dieser Argumentationsfolge, sparen können.
xeldaranxor 05.07.2018
4. schwache Argumente
In meinen Augen schwache Argumente. Überstunden & Krankheitsvertretung muss auch in jedem anderen Job geleistet werden. Der einzige halbwegs gute Grund ist "was soll ein Lehrer sonst in der Zeit machen"? Es ist ja gerade der Sinn, dass Kinder nicht zu Schule kommen, auch nicht zu AGs oder ähnlichem. Lehrer in Deutschland sind sehr weinerlich. Viel beschweren, nie darauf schauen wie gut es ihnen geht. Ferien als Bonuszahlung? Eine Bonuszahlung ist erfolgsabhängig. Was passiert mit den Ferien der Lehrer wenn wir bei der Pisa-Studie schlecht abschneiden? Ach ja, gar nichts... Es ist einfach ein massive Reduktion der Arbeitszeit (für festangestellte Lehrer).
AntiGravEinheit 05.07.2018
5.
Hm, scheint in Nordrhein-Westfalen anders zu sein als hier und da in Bayern. Von wegen 6 Wochen Füße hochlegen ... an bestimmten Tagen gibt es auch in den Ferien eine Anwesenheitspflicht (die Tage bestimmt aber offenbar die Schule), an denen dann irgendwelche Dinge für das kommende Schuljahr vorbereitet werden (müssen). Wann man an den vorgegebenen Tagen nicht kann (weil man da eben weggefahren ist - soviel Zugeständnis gibt es immerhin), dann muß die Zeit anderweitig reingeholt werden.
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