Milliardenprogramm für Schulen Wie eine Ministerin das Grundgesetz austricksen will

Computer? Internet? Deutsche Schulen stehen in diesen Punkten katastrophal da. Diverse Initiativen der Regierung scheiterten an der föderalen Struktur im Bildungswesen. Jetzt hat Ministerin Wanka einen Plan.

Schüler mit Tablet
DPA

Schüler mit Tablet


Sollte es am Ende wirklich so einfach gehen? Der Bund will für die Ausstattung aller 40.000 Schulen in Deutschland mit Computern und WLAN bis 2021 fünf Milliarden Euro bereitstellen. Und dieses Mal ruft überraschenderweise niemand "Nein!"

Das haben die Vorgängerinnen von Bildungsministerin Johanna Wankas noch ganz anders erlebt. Sie hatten bereits 2000 und 2009 vorgeschlagen, jedem Schüler einen Laptop oder ein Tablet zu geben - und scheiterten. Seit Wanka am Wochenende ihren "DigitalPakt#D" ankündigte, gab es bisher keine Querschläger. Womöglich könnte also 2017 das größte Schulprogramm des Bundes seit der Ganztagsschulreform beginnen.

Details will Wanka am Mittwoch präsentieren. SPIEGEL ONLINE kennt bereits die wichtigsten Fakten. Hier ein Überblick.

Was bedeutet der "DigitalPakt#D"?

Der Bund wird das Geld für digitale Technologie in den Schulen zur Verfügung stellen. Dazu gehören Breitbandanschluss, WLAN in der Schule und digitale Endgeräte. Im Gegenzug erwartet die Ministerin auch von den Bundesländern etwas. "Sie sollen gute pädagogische Konzepte, Aus- und Fortbildung der Lehrerinnen und Lehrer sowie gemeinsame technische Standards garantieren", sagte Wanka zu SPIEGEL ONLINE. Ihren Plänen zufolge soll der der "DigitalPakt#D" ein lokal organisiertes Projekt für 40.000 Schulen sein, auch Privatschulen und Berufsschulen können mitmachen.

Beantragt werden die Milliarden von den Schulträgern - "um zu vermeiden, dass einzelne Schulen mit der Erstellung eines Medienentwicklungskonzepts überlastet werden". Ob die Schulen Notebooks oder Tablets anschaffen, wird also vor Ort entschieden. Vertreter der Wirtschaft begrüßten das. "Das Programm ist ein Fest für die Industrie", sagte ein IT-Manager.

Was soll die Digitalisierung der Schulen bringen?

Der Rückstand der deutschen Schulen beim Lernen mit Tablets, Wikis, Blogs und offenen Lernmaterialien ist groß. Nur 1,6 Prozent der deutschen Schüler können in der Schule jeden Tag Computer nutzen, fand die Computernutzungsstudie ICILS 2014 heraus. "Oftmals bildet Deutschland das Schlusslicht des internationalen Vergleichs", resümierten die Forscher - und verursachten damit einen Art zweiten Pisa-Schreck.

Das wichtigste Argument für eine Digitalisierung der Schulen befindet sich aber in den Hosentaschen der Schüler: Laut der jüngsten Jim-Befragung haben 90 Prozent der Jugendlichen Smartphones und mobiles Internet bei sich. Viele Schulen sind aber de facto offline, oft herrscht sogar noch Handyverbot. Die Bundesregierung lädt daher für Mitte November zu ihrem nationalen IT-Gipfel ein, bei dem Bildung der Schwerpunkt sein soll. Das Fünf-Milliarden-Programm dürfte so etwas wie Angela Merkels Mitgift für den Gipfel im Saarland sein.

Wie kriegt Wanka die Milliarden trotz Kooperationsverbots an die Schulen?

Das ist die größte Überraschung des Wanka-Vorschlags: "Es kann sofort zur Sache verhandelt werden, eine Grundgesetzänderung ist nicht nötig", frohlockte eine Sprecherin des Bildungsministeriums über den Kniff. Wankas Beamte haben nämlich den Artikel 91c in der Verfassung gefunden - der eine Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern in der Informationstechnik erlaubt. Selbst Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU), oberster Hüter des Bildungsföderalismus, hatte gegenüber SPIEGEL ONLINE daran nichts auszusetzen. "Was soll ich da jetzt rumdoktern, falls der 91c eine verfassungsrechtliche Grundlage bietet, wäre das ein gutes Beispiel für kooperativen Föderalismus", sagte Spaenle. "Dann machen wir selbstverständlich mit." Zur Sicherheit lässt Spaenle den Artikel 91c in seinem Haus aber erst auf Tauglichkeit prüfen.

Auch der Koalitionspartner SPD begrüßte das Programm. Es sei der richtige Ansatz des Bundes, digitales Lernen zu fördern, sagte die Koordinatorin für digitale Bildung der SPD-Fraktion, Saskia Esken. "Der Betrag von fünf Milliarden kann sich sehen lassen." Die SPD hat erst kürzlich ein Neun-Milliarden-Euro-Programm für die Schulen vorgeschlagen. Neben der Digitalisierung waren da auch noch die Sanierung der Schulen und ein neues Ganztagsprogramm enthalten. Hier sind noch Fingerhakeleien zu erwarten. Die CDU gibt sich gelassen. "Wankas Vorschlag deckt ab, was wir gemeinsam mit der SPD beschlossen haben", sagte der Digitalexperte der CDU-Fraktion, Sven Volmering.

Welche Probleme stehen noch bevor?

Das wichtigste heißt: Wie bekommt man jene Lehrer und Schulen mit an Bord, die keine Lust haben? "Das Problem sind nicht die Verwaltung und die Eltern, die ziehen mit", berichtet Maik Riecken, ein digitaler Schulentwickler aus Niedersachsen. "Die Hauptaufgabe besteht darin, die Lehrer und die Schulen zu begeistern - und ihnen zu zeigen, was alles möglich ist." In der Industrie denkt man ähnlich. Martin Rist von Hewlett Packard sagt: "Zunächst würde ich erst mal alle Lehrer mit eigenen Tablets oder Laptops ausstatten."

insgesamt 151 Beiträge
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Seite 1
fblars 12.10.2016
1. Laptops für Lehrer
Endlich, die meisten Schulen sind sowas von gestern, teilweise sind auf den Erdkundekarten noch dieDDR drauf. Aber jedem Lehrer ein Laptop, in welchem Jahrhundert leben sie denn? Wichtiger als die Hardware ist allerdings sowohl die Software als auch die Befähigung der Lehrer. Viele sind einfach komplett überfordert mehr als einfache Anwendungen zu nutzen und können auch den Unterricht nicht dem neuen Medium anpassen, so a la Hausaufgaben: Wikipedia, Seite 33, Aufgaben 1 a-c
Affenhirn 12.10.2016
2. verfehlte Schulpolitik seit Jahren
Schon die Einführung des Taschenrechners in Klasse 8 stellt ein Problem dar. Schüler verlernen jedes Zahlengefühl. In den ach so fortschrittlichen Ländern USA und Kanada wird sehr viel mehr noch ohne Taschenrechner gearbeitet. Da verlieren wir den Anschluss. Insbesondere der programmierbare Taschenrechner (GTR oder CAS) stellt ein Problem dar. Denn nach der Schule ist plötzlich Schluss damit und der Schüler kann auf einmal gar nichts mehr rechnen, weil ihm diese Hirnprothese fehlt. Hoffentlich wird bei den Computern besser nachgedacht. Am Ende lernen die Schüler sonst nur, wie man Microsoft-Produkte anwendet (MS-Office, also MS-Excel, MS-Word, MS-Powerpoint). Dafür bedarf es dann aber keines Unterrichts, da sind die Schüler schon von allein bei der Sache.
Flying Rain 12.10.2016
3. Das schlimme
Das schlimme wird am Ende sein das wohl gute Geräte vorhanden sind, sie aber keiner hernehmen will weil wohl ihrgendeine super-duper-tolle selbst zusammen gefrickelte Linux-Lösung drauf geknallt wird die völlig am den benötigten Eigenschaften vorbeischießt, vollkommen umständlich zu bedienen ist und zudem wohl auch noch zum Großteil nicht kompatibel zu den vorhandenen Geräten im Haushalt und später zu den Geräten im Berufsleben ist. Ich will da noch gar nicht an Lehrkräfte denken die alles was neu ist verteufeln. So nebenbei habe ich selbst gesehen wie reibungslos das ganze verlaufen kann als meine Schwester an einer Highschool in den USA für 12 Monate war und der Laptop im Unterricht viel genutztes Werkzeug war mitsamt eigenen Klassenordnern in Onlinespeichern und co etwa für Hausaufgaben. Das schlimme wird hier auch sein das man auf Teufel komm raus Anbieter wie Google meiden wollen wird (bietet für Schüler eine Top-Kombinan mit Email, Onlinespeichernusw usf.) aber dabei übersieht das es in Deutschland bis jetzt noch keiner geschafft hatt etwas ähnlich Reibungsloses zu schaffen bei dem ich kein IT-Profi sein muss um das alles zu verwalten. Selbst die tauglichen Alternativen welche sinpel und einfach zu nutzen sind sind nicht aus Schland. Naja erst mo das Geld bereitstellen und Tee trinken. Mich trifft es eh nicht mehr da ich meinen Techniker in zwei Jahren durch habe (Städtische Schule)
maxi.koch99 12.10.2016
4. Ich sehs schon kommen
Die Industrie wird gekonnt den Politikern Honig ums Maul schmieren und auf einmal sitzen alle Schüler mit Billiglaptops oder Tablets da, die in 2 Jahren nach Garantieablauf veraltet sind und abrauchen.
bloedel123 12.10.2016
5. Die Verblödung durch Internet vorantreiben
Für die Entwicklung eigener Gedanken ist nichts hinderlicher als ein Internetzugang. Aber wir haben ja schon mit Bologna-Prozess und G8-Abitur die Qualität der deutschen Ausbildung auf internationales Niveau zurückgedrängt, also weiter so. Die wirtschaftliche Überlegenheit Deutschlands macht uns sowieso nur unbeliebt. Am besten, wir glauben jeden Pisa-Quatsch und richten uns danach.
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