Ernährung In der Schulmensa gibt es zu viel Fleisch

Zu viel Zucker, Fett und Fleisch - und zu wenig Gemüse: Laut einer Studie ist die Verpflegung in deutschen Schulen mangelhaft. Kurze Mittagspausen würden die Kinder zudem zwingen, das Essen herunterzuschlingen.

Schulmensa (Archivbild): Erhebliche Qualitätsmängel
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Schulmensa (Archivbild): Erhebliche Qualitätsmängel


Berlin - Rund die Hälfte der untersuchten Speisepläne enthält offenbar zu wenig Gemüse. "Nach wie vor kommt Fleisch noch zu häufig in den Gerichten vor", heißt es in einer Studie der Hamburger Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) für das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, die am Dienstag auf dem "Bundeskongress Schulverpflegung" in Berlin vorgestellt werden soll und aus der die "Welt" zitiert.

Kritiker warnen beim Schulessen schon länger vor zu billigen Produkten, Fertigsoßen und zu viel Fleisch. Kindern solle gerade in den Schulen eine gesunde Ernährungsweise vermittelt werden, heißt es bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Übergewicht bei Kindern solle vermieden werden.

In den meisten Schulen sind laut der HAW-Erhebung außerdem die Pausen zu kurz, um das Mittagessen einzunehmen, heißt es in dem Bericht weiter. Nur in 39 von 100 Schulen dauere die Mittagspause 46 Minuten und mehr, wie es die DGE empfiehlt. Auch die Vielfalt der Speisen sei nicht ausreichend, heißt es in der Studie. Nur in 16 Prozent der Grundschulen und 27 Prozent der weiterführenden Schulen gibt es demnach mehr als zwei Menüs.

Die Hamburger Hochschule für Angewandte Wissenschaften befragte bundesweit mehr als 1500 Schulleitungen, 212 Schulträger und mehr als 12.000 Schüler im Primar- und Sekundarbereich.

Minister Schmidt fordert "Ernährungs-TÜV"

Angesichts der Mängel fordert Bundesernährungsminister Christian Schmidt (CSU) verbindliche Qualitätsstandards und einen "Ernährungs-TÜV". Beim Schulessen stehe es in Deutschland noch nicht überall zum Besten, sagte Schmidt im Deutschlandradio Kultur. Grundsätzlich sei es möglich, auch mit wenig Geld schmackhaftes und gutes Schulessen zuzubereiten, so Schmidt. Dies sei aber eine Frage der Organisation.

"Mit viel solider Arbeit und mit einem guten Management lässt sich da sehr, sehr, sehr viel verbessern", sagte der Minister. Er regte an, stärker auf regionale und lokale Anbieter zu setzen und die Schulverpflegung nicht allein durch groößere Caterer liefern zu lassen.

Die Verbraucherorganisation Foodwatch fordert, bei Anbietern von Schulverpflegung alle Ergebnisse amtlicher Lebensmittelkontrollen öffentlich zu machen. Es sei ein Unding, dass Lehrer und Eltern nicht darauf zugreifen könnten, um den vertrauenswürdigsten Lieferanten für das Schulessen der Kinder zu ermitteln, sagte der stellvertretende Foodwatch-Geschäftsführer Matthias Wolfschmidt.

Immer mehr Schüler auf Mensas angewiesen

Derzeit verbringen rund 1,4 Millionen Schüler den ganzen Tag in der Schule. Im Osten ist der Anteil deutlich höher als im Westen. Der Anteil der Ganztagsschulen liegt in Sachsen bei 78 Prozent, in Baden-Württemberg dagegen nur bei 18 Prozent. Da die Tendenz bundesweit steige, komme der Schulverpflegung eine immer größere Bedeutung zu, heißt es der "Welt" zufolge in der Studie.

Die befragten Schüler selbst sehen ihre Schulverpflegung weniger kritisch. Mehr als die Hälfte der Grundschüler finden das Schulessen sehr gut (16,1 Prozent) und gut (37,4 Prozent), schreibt die Zeitung. Auf den weiterführenden Schulen sinke dagegen die Zufriedenheit auf 8,7 Prozent (sehr gut) und 37,2 Prozent (gut).

ssu/lgr/AFP/dpa

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WernerT 25.11.2014
1. 46 Minuten Mittag - selbst der Gesetzgeber sieht nur 30 Minuten vor
Wenn die Essensausgabe gut funktioniert, dann ist das kein Problem, wenn natürlich die Schüler 45 Minuten anstehen, müssen sie schlingen. Sonst reichen 20 Minuten für ein übliches Mittagessen völlig aus, können die Autoren selbst ausprobieren.
Niederbayer 25.11.2014
2. Angebot und Nachfrage
Keiner will Essen wegwerfen, also bieten Schulkantinen an was auch gekauft wird und da stehen bei vielen Schülern Pizza und Currywurst höher im Kurs als Blumenkohl und grüne Bohnen. Wenn man sich die doch sehr speckige Schülerin auf dem Beitragsfoto ansieht, wird aber auch sofort klar, das die Ernährungsprobleme zu Hause beginnen. Nur da lernen Kinder was gesunde Ernährung ist. Zudem ist fast niemand bereit für gesundes Essen in der Schule auch einen gesunden Preis zu bezahlen. Wenn ich aber erwarte für einen Discountbeitrag ein hochwertiges Angebot aus Bioanbau zu bekommen, dann habe ich vom Leben relativ wenig Ahnung.
wiealle 25.11.2014
3. Wie nach dem Krieg...
Die Gerichte stammen oft aus der Zeit, als Kinder vor allem "groß und kräftig" werden sollten: Nudeln mit Wurstgulasch, Currywurst, Schnitzel mit Bratensauce. Und das vegetarische Angebot zerkocht, frittiert, versalzen. Dazu kommt, dass frisches Essen überhaupt nicht im Angebot ist, sondern 5 Stunden alter Fraß aus der Aluverpackung. Unsere essen wieder daheim warm und in der Schule Brote.
fatherted98 25.11.2014
4. tja...
....30 Minuten Pause...davon steht man 10 Minuten in der Schlange...muss vielleicht auch noch auf "Nachschub" warten, wenn das Gericht gerade "aus" ist...bleiben so um die 15 Minuten um das Essen zu "inhalieren"....Gemütlichkeit sieht anders aus...immerhin...in unserer Schule müssen Kinder die aus Familien kommen die das Essen nicht bezahlen können/wollen nicht den anderen beim essen zuschauen....das wäre dann das Diätmodell.
ketzer2000 25.11.2014
5. Es ist eben so
Man bekommt, was man bezahlt. Wenn die Verpflegung halt nur 2-3 € kosten darf, dann gibt es hat nur "Fraß", der ernährungsphysiologisch den Ansprüchen einer DGE nicht genügt. Dann kommt ein zentraler Catering Service wie SODEXHO ins Spiel, der günstig auch schon mal chinesische Erdbeeren verarbeitet. Und - wenn die DGE es ernst meinen würde und ggf. sogar Einfluss hätte, dann würde so manche Fertigpackung im Supermarkt aus dem Regal fliegen.
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