Schulessen Im Müll statt im Magen

Rund ein Viertel des Schulessens an Ganztagsschulen landet in der Tonne, wie eine neue Studie zeigt. Sie gibt auch Antworten auf die Frage: Was können Schulen dagegen tun?

Schulmensa in Baden-Württemberg
DPA

Schulmensa in Baden-Württemberg


Wo landet das Schulessen, im Magen oder im Müll? An elf Ganztagsschulen in Nordrhein-Westfalen haben Forscher wochenlang den Mensabetrieb beobachtet. Das Ergebnis: Rund 25 Prozent der Speisen wird nicht gegessen, sondern bleibt übrig oder kommt als sogenannter "Tellerrest" zurück.

"Hochgerechnet auf alle deutschen Ganztagsschulen entspricht dies rund 29.000 Tonnen Lebensmittelabfälle pro Jahr oder umgerechnet 22 Kilogramm pro Ganztagsschüler", schreiben die Forscher. Der Wertverlust dieser Lebensmittelabfälle belaufe sich auf rund 57,8 Millionen Euro.

Dabei handele es sich jedoch nur um Schätzungen, sagt Frank Waskow von der Verbraucherzentrale NRW, die an der Studie beteiligt war. Die Untersuchung an den elf Ganztagsschulen sei nicht repräsentativ, sondern gebe vor allem einen Einblick in die Mensaabläufe und mache deutlich, wie die Abfälle entstehen.

Gründe für die Abfallentstehung

Die Quote von rund einem Viertel nicht gegessener Speisen liegt im Mittelfeld älterer Untersuchungsergebnisse. "Je nach Studie werden 18 bis 46 Prozent der Lebensmittel und Speisen in der Schulverpflegung entsorgt", sagt Frank Waskow. Entsprechende Untersuchungen hatte es bereits in Finnland, Schweden, Großbritannien und auch in Deutschland gegeben.

Die neue Studie, die im Rahmen des Forschungsprojekts ReFoWas ("Reduce Food Waste") erstellt wurde, sollte vor allem die Gründe für die Verschwendung ermitteln - und Auswege zeigen. Eines der wichtigsten Ergebnisse: "Die Höhe der Lebensmittelabfälle hängt stark vom Standort und der Struktur der jeweiligen Schulen, Küchen und Caterer ab."

Schwierig werde es, wenn die Mitarbeiter keinen Überblick über Art, Menge und Wert der entstehenden Abfälle hätten. Denn dies sei die Voraussetzung, um den übriggebliebenen Anteil deutlich reduzieren zu können. "Auch die genaue Zahl der Verpflegungsteilnehmer ist nur selten bekannt, sodass in der Folge sicherheitshalber zu große Speisemengen produziert werden", schreiben die Forscher.

Mensen und Schulen müssen umdenken

Für Frank Waskow ist deshalb klar: "Wenn man die Abfälle spürbar reduzieren will, muss man die einzelnen Akteure mit ins Boot holen und schulspezifische Maßnahmen entwickeln."

  • So sollte die Essenszeit klar von der Freizeit der Schüler getrennt werden. Zeitlich und räumlich muss es eindeutige Unterschiede geben, für die Ausgabe der Mahlzeiten braucht man klare Spielregeln.
  • Die Pausen müssen lang genug sein, um in Ruhe essen zu können. 29 Prozent der Schüler berichteten von Pausenzeiten unter 30 Minuten, weitere 32 Prozent von unter 45 Minuten - anders gesagt: Für fast zwei Drittel ist das Mittagessen in der Mensa mit Stress verbunden. Die Folge: Die Schüler nehmen zu viel auf den Teller - oder lassen das Mittagessen gleich ganz ausfallen.
  • Die Schüler sollten Rückmeldungen über ihre Abfälle erhalten - indem sie diese selbst entsorgen, zusätzlich aber beispielsweise auch über ein "Abfallbarometer", das die Menge der Lebensmittelabfälle pro Tag anzeigt.

Zusätzlich empfehlen die Forscher organisatorische Maßnahmen: von Service-Schulungen der Mitarbeiter über einen gesteigerten Wohlfühlfaktor in der Mensa bis zu Weiterbildungen für die Köche. "Auch eine bessere Qualität der Speisen kann Lebensmittelabfälle reduzieren", sagt Frank Waskow.

In einer zweiten Phase der Studie werden jetzt vier ausgewählte Schulmensen über mehrere Wochen begleitet. Zusammen mit externen Köchen schauen die Forscher dann, welche Abläufe sich wie verbessern lassen, um Abfälle zu vermeiden - erste Ergebnisse sollen noch vor den Sommerferien vorliegen.

him

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insgesamt 55 Beiträge
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Seite 1
jung&jang 26.01.2017
1. Kleine Portionen ausgeben!
Im Gegenzug das " Nachschlag holen" bei den Beilagen und Saucen ermöglichen. Mindestens 45min Pausenzeit
ramuz 26.01.2017
2. Yeap!
"Auch eine bessere Qualität der Speisen kann Lebensmittelabfälle reduzieren", sagt Frank Waskow. Werft alle Caterer hochkant raus mit ihrem vorgekochtem Matschmüll, lasst den Koch/ die Köchin an der Schule und an den Schülern, und der Abfall geht auf Null. Schüler haben ein feines Gespür für Qualität udn auch für Müll, und wenn der nagendste Hunger - weswegen sie ein bisschen Müll in Kauf nehmen MÜSSEN - gestillt ist, weigern sie sich halt, den Sondermüll zu vernichten, den die Caterer eigentlich kostenpflichtig entsorgen zu müssen gewzungen werden sollten.
anchises 26.01.2017
3. Zuerst einmal sollten die diejenigen welche
die Verträge mit den Lieferanten unterzeichnen, deren Essen 14 Tage selbst zu sich nehmen. Das was in vielen Schulen als Mittagsspeisung angeboten wird taugt bestenfalls als Masse für Biogasanlagen. Ich habe selber Kinder und weiß wovon ich schreibe.
Msc 26.01.2017
4.
Wenn mir ein "superleckeres" Stück Fleisch auf den Teller geknallt wird, ich später sehe, dass da 5cm Fettrand dran sind, dann ist das vielleicht für einige superlecker, aber ich schneide es ab. Womöglich bleibt dann nur noch ein Fitzelchen tatsächliches Fleisch über, aber das ist es wert. Was für mich Abfall ist, mag ein anderer noch essen mögen. Trotzdem wird es als Abfall gewertet. Ich sehe auch zu große Portionen als Problem an, lieber kleiner und wer noch mehr will, muss sich das holen. Oder gleich Buffet. Aber da gibt es bestimmt Regelungen wieviel Kalorien, Vitamine etc. blabla täglich auf Schülertellern landen muss. Lächerlich. Als würden die sonst vor vollen Tellern verhungern.
Beinlausi 26.01.2017
5. Super Idee.
Zitat von ramuz"Auch eine bessere Qualität der Speisen kann Lebensmittelabfälle reduzieren", sagt Frank Waskow. Werft alle Caterer hochkant raus mit ihrem vorgekochtem Matschmüll, lasst den Koch/ die Köchin an der Schule und an den Schülern, und der Abfall geht auf Null. Schüler haben ein feines Gespür für Qualität udn auch für Müll, und wenn der nagendste Hunger - weswegen sie ein bisschen Müll in Kauf nehmen MÜSSEN - gestillt ist, weigern sie sich halt, den Sondermüll zu vernichten, den die Caterer eigentlich kostenpflichtig entsorgen zu müssen gewzungen werden sollten.
Wer bezahlt das? Ein Koch kostet Geld. Und meistens mehr als die (vom Budget der Schule bezahlbaren) Caterer. Das bezahlen dann die Eltern. Darum ist so etwas selten. Schüler haben hauptsächlich ein feines Gefühl für nicht wie alle Anderen sein (Prominenz) und Coolness. Und für Zucker, Fett und Geschmacksverstärker. Marken sind cooler als der Alltagskram. Auch die Dönerbude oder der Pizzaservice sind einfach nicht so wie alle. Wenn die Schüler nicht gezwungen werden, den Teller aufzuessen, bevor sie gehen dürfen (oder Nachtisch bekommen), werden sie es nicht tun. Es sei denn, man indoktriniert sie ("schafft ein Bewusstsein") im Klassenverband, dann wird der, der nicht aufisst, gemobbt. Ich sehe da keine Lösung, die den Preis pro Portion nicht um 0,50-1€ hebt. Und das ist viel.
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