Teenager mit Kindern Mutter mit 14 - und was kommt dann?

Sie wurden mit 14 schwanger, jetzt sind Lisa, Fabienne, Laura und Steffi volljährig. Ein neuer Kinofilm zeigt, wie die jungen Mütter ihren Alltag bewältigen.

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Kinostar/ 14P

Lisa aus Marburg war 13, als sie sich in Medo verliebte, Medo war 12. Sie versuchten noch, den Fötus durch Tritte und Schläge in den Bauch loszuwerden, erzählt Lisa mit sanfter Stimme. Bist du schwanger oder ist das ein Tumor, fragte ihre Mutter irgendwann. Da war Lisa schon im fünften Monat.

Wie werde ich es los, ohne dass es jemand mitkriegt?, dachte sich Steffi. Vielleicht löst es sich von selbst, hoffte sie. Da war sie 14. Und schwanger. Ihre Mutter rastete aus, drohte, Steffi in ein Heim zu stecken, wenn sie nicht abtreibt.

Und da sind Fabienne und Laura. Auch sie wurden mit 14 schwanger, alle drängten Fabienne zu einer Abtreibung, doch als sie den Termin gemacht hatte, verließ sie, wie sie sagt, die Kraft. Laura merkte ebenfalls: In der Theorie hätte sie abgetrieben, doch in der Situation?

Heute sind die Mädchen volljährig. Der Kinofilm "ACHTZEHN - Wagnis Leben" zeigt den Alltag der Teenager-Mütter rund um ihren 18. Geburtstag, hin- und hergerissen zwischen Vernunft und Emotionen, zwischen Abhängigkeit von anderen und Ausbildung, zwischen Familienleben und Freiheitswünschen. Die Dokumentation der Filmemacherin Cornelia Grünberg ist die Fortsetzung von "VIERZEHN - Erwachsen in 9 Monaten". Seit sechs Jahren begleitet Grünberg die vier Mädchen und ihre Kinder, weitere Filme sollen folgen.

Lisa lebt mittlerweile mit ihren Eltern und Geschwistern auf Hawaii und hat drei Kinder. Die Beziehungen zu den beiden Vätern sind kaputtgegangen, einen neuen Freund hat sie nicht, doch ihre Sehnsucht ist groß.

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Ging es in dem ersten Film noch um die Ungläubigkeit, von einem Mal ohne Kondom schwanger geworden zu sein, um die Angst vor der Reaktion der anderen und um die Vorfreude, die Geburt und die ersten Schritte als Mutter und junge Familie, beschreibt "ACHTZEHN - Wagnis Leben" das Leben von Kindern, die erwachsen werden und dabei schon selbst ein Kind haben. Die sehr häufig sehr überfordert sind. Und die merken, dass man Wohnorte wechseln, Ausbildungen abbrechen, Beziehungen beenden kann. Dass ein Kind aber bleibt.

Da der Film auf Off-Kommentare verzichtet, wird der Zuschauer mitten in den Alltag der jungen Frauen hineinkatapultiert: Manche Szenen sind erschütternd, die O-Ton-Erzählungen oft verzweifelt, die mit Musik unterlegten Bilderreihen können traurig machen. Doch sie sind auch, immer wieder, hoffnungsvoll. Sie hätte häufig vergessen, dass da eine Kamera ist, sagt Fabienne heute. Aus zwei Gründen habe sie mitgemacht: "Damit das Bild, wonach junge Mütter zwangsläufig assi sind, aus den Köpfen verschwindet, und damit mein Sohn später sehen kann, wie alles damals wirklich war."

Wenn Fabienne, die häufig ihre Haarfarben wechselt und früher ein "böses Mädchen" war, feiern ging, fürchtete sie Strafen vom Jugendamt. Heute lebt sie ruhiger, macht eine Ausbildung und hat einen neuen Freund.

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Keine der jungen Frauen ist noch mit dem Vater des Kindes zusammen. Wenn Medo zum Geburtstag von Leyla, 4, anruft, erkennt seine Tochter ihn nicht. Fabienne hat einen neuen Freund, zu dem ihr Sohn längst Papa sagt. Steffi ist eifersüchtig, dass Jason sich so sehr auf die Besuche beim Papa freut. Und Laura streitet sich vor Gericht erbittert mit dem Vater und dessen Mutter um Umgangs- und Besuchszeiten ihrer Tochter.

Die Angst, jemand könnte ihnen ihre Kinder wegnehmen, kennen alle Mädchen. Das größte Geschenk zum 18. Geburtstag: Das Sorgerecht für die Kinder.

Heute lebt Steffi mit ihrem Sohn Jason in einer eigenen Wohnung. Lange musste sie dafür kämpfen: Ihre eigene Mutter ließ Steffi eine Zeit lang nicht zu ihrem Sohn.

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Lederjacken, Piercings, Ballerinas, Leggings, blondierte Haare: Die vier sehen aus wie andere Teenager. Und wie alle anderen Teenager suchen sie nach ihrem Platz im Leben. Doch fürs Abi zu lernen, ist schwierig, wenn um zehn Uhr abends Stella Luna im Schlafanzug in der Tür steht und nicht schlafen kann. Sie frage sich dann, ob sie sich ihre Zukunft verbaut habe, sagt Laura. "Dann wird man schnell aggressiv." Laura weint, kämpft mit Panikattacken, immer wieder sagt sie: "Ich kann das nicht, ich schaffe das nicht."

Laura zieht nach der Trennung vom Vater ihres Kindes zunächst wieder bei ihren Eltern ein. Alleinerziehend und ausgelaugt versucht sie, ihr Abi zu packen.

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Doch am Ende kann sie, schafft sie es. Das Abitur. Ihre Tochter abends in den Arm zu nehmen, sie, die als Kind selbst zu wenig Zärtlichkeit bekommen habe. Sie studiert jetzt und hat einen neuen Freund. Ein Kind will Laura von ihm aber nicht, nicht noch einmal von einem Mann, den sie kennt. Wenn überhaupt, kommt für die 19-Jährige nur eine Samenspende infrage, "weil mir das einfach zu riskant ist, noch einmal in meinem Leben um ein Kind kämpfen zu müssen".

"ACHTZEHN - Wagnis Leben" läuft ab dem 2. Oktober 2014 in deutschen Kinos.

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 49 Beiträge
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rudolf_mendt 01.10.2014
1. Grace Under Pressure
Weiß nicht, ob das alles so klug ist.
tommit 01.10.2014
2. Deutschland braucht keine Kinder
wir lösen das alles mit Geld oder unserem Intellekt.... Und natürlich dem demokratisch, mehrheitlich begründete Führungsanspruch, den wir erst mal haben wenn wir TTIP und TISA unterzeichnet haben... Der Sieg der Emanzipation besteht übrigens in der Cryogenetik für 60 jährige Wunsch-Karrieremütter..... Denn unter 20 tragen sich die Beerdigungskosten der Eltern doch viel leichter... Ich bin ja dafür dass man dort wo es nicht stört einfach liegenlässt.. da kann man viel Geld sparen.. einfach Platsch... Tritt sich schon fest SO sind wir: Die fortschrittlichen kapitalistischen, markkonformen Individuen.. das Beste was wir uns vorstellen können.. Was alle anderen natürlich er- und anerkennen müssen... und wenn nicht.. raufen sich einige im Forum den Intelligenzbewuchs...
abby_thur 01.10.2014
3. Bemitleidenswert
In so jungen Jahren schon soviel mitgemacht haben zu müssen. Und soviel verpasst zu haben. ich möchte da nicht tauschen.
Sleeper_in_Metropolis 01.10.2014
4.
---Zitat--- Aus zwei Gründen habe sie mitgemacht: "Damit das Bild, wonach junge Mütter zwangsläufig assi sind, aus den Köpfen verschwindet... ---Zitatende--- Naja, so wie ich nach dem Artikel die allermeisten dieser Jungmütter einschätze, belegt der Film eher, das (so) junge Mütter meist "assi" sind. Schwangere Minderjährige findet man nunmal nicht zufällig gehäuft in den unteren sozialen Schichten
stefansaa 01.10.2014
5.
Zitat von Sleeper_in_MetropolisNaja, so wie ich nach dem Artikel die allermeisten dieser Jungmütter einschätze, belegt der Film eher, das (so) junge Mütter meist "assi" sind. Schwangere Minderjährige findet man nunmal nicht zufällig gehäuft in den unteren sozialen Schichten
Sie finden diese auch in oberen sozialen Schichten, nur sind dort die Eltern entweder konsequenter im Bezug auf Abtreibung oder konsequenter in der Unterstützung, so dass das ganze deutlich ruhiger und entspannter abläuft. Im übrigen werden die finanziellen Anreize für junge Menschen in einer solchen Situation eher auf Gehör im unteren sozialen Milieu aufhorchen lassen. Achja und im Bezug auf "assi" kann ich Ihnen nur ans Herz legen, sich mal mit dem Begriff der Asozialität zu befassen. Dieser trifft viel häufiger auf die oberen 10.000 als auf die Unterschicht zu...
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