Entscheidung in der Schweiz Muslimische Schüler müssen Lehrerin die Hand geben

Im Schweizer Kanton Basel-Landschaft darf künftig kein Schüler mehr aus religiösen Gründen seinen Lehrern den Handschlag verweigern. Bei Missachtung drohen den Eltern empfindliche Strafen.

Die beiden Handschlag-Verweigerer
Matthias Willi

Die beiden Handschlag-Verweigerer


Seit Wochen diskutieren die Schweizer darüber, ob zwei muslimische Schüler ihrer Lehrerin die Hand geben müssen oder nicht. Nun hat die zuständige Schulbehörde reagiert und den Handschlag für alle Schüler zur Pflicht erklärt.

Die 14 und 15 Jahre alten Brüder aus Syrien, die im kleinen Ort Therwil in der Nähe von Basel die Schule besuchen, hatten den Handschlag aus religiösen Gründen verweigert. Dabei ist dieser an vielen Schweizer Schulen Tradition.

Um zu vermeiden, dass die Situation eskaliert, hatte der Schulleiter den Jungen gestattet, die Lehrerin nicht mit Handschlag begrüßen und verabschieden zu müssen. Diese Entscheidung hatte im April zu zahlreichen Protesten geführt. Politiker, Lehrer und Muslime kritisierten das Vorgehen des Schulleiters. Saïda Keller-Messahli, die Präsidentin des Forums für einen Fortschrittlichen Islam, sagte damals: "Diesen Forderungen nachzugeben, bedeutet, dem politischen Islam Tür und Tor zu öffnen. Das dürfen wir nicht zulassen. Wir leben hier nicht in Saudi-Arabien!"

Die Schulleitung ist erleichtert

Nach einer rechtlichen Prüfung ist nun klar: Im Schweizer Kanton Basel-Landschaft darf kein Schüler mehr aus religiösen Gründen seinen Lehrern den Handschlag verweigern. Bei Missachtung müssen die Eltern künftig mit Sanktionen rechnen. Ein Bußgeld könne bis zu 5000 Franken (ca. 4500 Euro) hoch sein, berichtet die Schweizer Boulevardzeitung "Blick". Auch seien Strafen für Schüler geplant.

Die Schulleitung in Therwil ist erleichtert, dass nun Klarheit herrscht, heißt es in einer Mitteilung der Schule. Sie werde die Zwischenlösung mit den Schülern nun aufheben und habe "diesen Entscheid der Familie bereits mitgeteilt".

Die zwei Brüder hatten ihre Handschlag-Verweigerung damit begründet, dass sie dem weiblichen Geschlecht Respekt zollen wollen. "Niemand kann uns zwingen, Hände zu berühren", sagten sie im April der "Sonntagszeitung". Sie wollten nicht provozieren, sondern lediglich ihren Glauben leben: "Wir haben ja auch unsere eigene Kultur. Die können wir nicht einfach löschen, so wie man das etwa mit einer Festplatte tun kann." Die Jungen fühlten sich von Medien und Politikern schlecht behandelt. Ihr Fall werde benutzt, um Stimmung gegen Muslime zu machen.

Mehrere Medien hatten darüber berichtet, dass die Brüder in einem streng religiösen Umfeld aufgewachsen sind. Der Vater arbeitet als Imam in der König-Faysal-Moschee, von der es heißt, sie sei fundamentalistisch. Auch die Jugendanwaltschaft hatte sich in den Fall eingeschaltet, weil die Brüder Propagandamaterial der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) auf ihrer Facebookseite verbreitet haben sollen.

kha/dpa



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