Seltsame Unterrichtsmethode Lehrer bespritzen "Unberührbare" mit Kuh-Urin

Mit dem Slogan "Incredible India" wirbt die indische Regierung für ihr Land, und so manches ist dort tatsächlich unglaublich: Lehrer haben Schüler aus einer niederen hinduistischen Kaste mit dem Urin von Kühen bespritzt, um sie auf diese Weise reinzuwaschen.


Neu-Delhi - Indische Lehrer haben Schüler, die einer niederen hinduistischen Kaste angehören, mit dem Urin von Kühen bespritzt, um sie so reinzuwaschen und das Böse von ihnen zu vertreiben. Die Prozedur habe der aus einer oberen Kaste stammende neue Schulleiter in einem Dorf im westindischen Bundesstaat Maharashtra angeordnet, berichteten indische Zeitungen heute.

Indische Kuh auf dem Bürgersteig: Urin als Mittel zur Reinigung und gegen Krankheiten
Getty Images

Indische Kuh auf dem Bürgersteig: Urin als Mittel zur Reinigung und gegen Krankheiten

Lehrer der Schule hätten nach Darstellung der Betroffenen umgehend Kuh-Urin in den Klassenräume sowie auf die Jugendlichen gespritzt. Der "Times of India" zufolge waren sie vom Schulleiter angewiesen worden, die Gesichter der Schüler sowie deren Unterrichtsmaterial zu befeuchten.

Als die Lehrer mit der Prozedur begannen, saßen die Schüler gerade in einer Prüfung. "Die Lehrer sagten uns, wir würden danach besser lernen können", sagte ein Junge dem Fernsehsender CNN-IBN. Sie hätten sich sehr erniedrigt gefühlt.

Inzwischen hat die Polizei die Ermittlungen aufgenommen.

Kühe gelten im Hinduismus als heilige Tiere. Militante Hindus sehen Kuh-Urin als heiliges Mittel an. Ihrer Meinung nach soll er selbst zur Bekämpfung von Krankheiten, darunter auch Krebs, helfen. Obwohl das Kastensystem offiziell abgeschafft ist, werden in Indien die Angehörigen niederer Kasten oder außerhalb des Kastensystems stehende Menschen nach wie vor vielerorts als "Unberührbare" diskriminiert. Insgesamt zählen rund 160 Millionen der 1,2 Milliarden Inder zu den sogenannten Dalits.

kaz/dpa/AP



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.