Lesen lernen So können Eltern ihren Kindern helfen

Mehr Schüler als zuvor können am Ende der Grundschulzeit nicht richtig lesen. Dabei können auch Eltern viel tun, damit ihre Kinder gern ein Buch in die Hand nehmen. Sieben Tipps.

Mutter mit Tochter (Archivbild)
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Mutter mit Tochter (Archivbild)


Viele Eltern können oder wollen es nicht glauben, aber fast jedes fünfte Kind im Alter von zehn Jahren in Deutschland kann nicht richtig lesen. Viele Schüler werden damit erhebliche Probleme in der weiterführenden Schule bekommen, heißt es in der aktuellen Iglu-Lesestudie, die am Dienstag vorgestellt wurde.

Wie gut Grundschulkinder lesen können, hängt dabei auch stark von ihrem Elternhaus ab: Je mehr Bücher eine Familie zu Hause hat, umso leichter fällt es den Kindern. Diese sozial bedingten Leistungsunterschiede haben seit 2001 sogar noch zugenommen - offenbar schaffen es Grundschulen nicht, mit ihrer Arbeit für mehr Bildungsgerechtigkeit zu sorgen.

"Lesen lernen ist ein hochkomplexer Vorgang", sagt Stephanie Jentgens, die bei der Akademie der Kulturellen Bildung in Remscheid den Fachbereich Literatur leitet. Leseanfänger müssen erst einmal die Verknüpfung von Laut und Buchstabe hinbekommen, dann die Laute zu einem Wort zusammensetzen. Und schließlich geht es darum, die Bedeutung des Wortes, des Satzes und des ganzen Textes zu erfassen. Für viele Kinder ist dieser Weg alles andere als einfach.

Wie können Eltern ihre Kinder beim Lesen lernen unterstützen?

  • Geduld haben und keinen Druck aufbauen: Lesen sollte Spaß machen und nicht zum Zwang werden. Jentgens empfiehlt daher vor allem: ruhig angehen lassen. Interessieren sich Kinder schon im Kindergarten für Buchstaben, können Eltern das unterstützen. Gezielt darauf hinarbeiten sollten sie aber nicht.
  • Spielerisch üben: Mit Erstklässlern, die das Alphabet lernen, das Buchstabieren zu üben, funktioniert auch spielerisch im Alltag. Wenn die Kinder Buchstaben entdecken, können Eltern beim Entziffern unterstützen. Zum Beispiel die Schrift auf der Milchpackung beim Frühstück.
  • Vorlesen: Wer als Kind regelmäßig etwas vorgelesen bekommt, hat später in der Schule weniger Probleme mit dem Lesen. Die Stiftung Lesen rät daher: früh, viel und lange vorlesen - auch dann, wenn Kinder schon selbst lesen können. Denn Anfänger schaffen nur sehr einfache Texte, für spannende und lustige Geschichten brauchen sie einen Vorleser. Rund 30 Prozent aller Kinder wird in den ersten Lebensjahren nie oder nur sehr selten vorgelesen. Dabei lieben Kinder es, etwas vorgelesen zu bekommen: In einer Umfrage der Stiftung aus dem Jahr 2016 sagten 91 Prozent der befragten Fünf- bis Zehnjährigen, dass ihnen das immer oder fast immer gefällt.
  • Väter sollten vorlesen: Zu oft bleibt das Vorlesen an den Müttern hängen, auch in Kita oder Schule übernehmen das meistens Frauen. Kinder könnten deshalb den Eindruck bekommen, dass Lesen nur etwas für Mädchen ist, warnt Christine Kranz von der Stiftung Lesen. Umgekehrt kann ein vorlesender Papa ein wichtiges Rollenvorbild für Jungs sein.
  • Abwechselnd lesen: Es gibt Bücher, die Erwachsene und Kinder im Wechsel lesen können - mit einzelnen Passagen, die extra groß gedruckt sind. So kann ein Kind erstens selbst Lesen üben, zweitens aber trotzdem in eine längere Geschichte abtauchen.
  • Kinder wählen lassen: Was gelesen wird, entscheiden die Kinder - und nicht die Eltern. Denn auch mit Comics oder Sachbüchern lässt sich Lesen lernen, erklärt Kranz. Eltern sollten allerdings darauf achten, dass der Schwierigkeitsgrad zum Kind passt. Leseanfänger brauchen zum Beispiel große Schrift, einfache Wörter und viele Bilder, die beim Verstehen der Geschichte helfen.
  • Ein kleiner Trick, um Kinder zum Lesen zu verführen: Ein fesselndes Vorlesebuch mit kurzen Kapiteln auswählen und aufhören, wenn es am spannendsten ist. "Der Moment, wo das Kind selbst weiterliest, weil es unbedingt wissen will, wie es weitergeht, ist ganz kostbar", sagt Jentgens. Damit sei der Anfang zum heimlichen Schmökern unter der Bettdecke gemacht.

lgr/Ann-Kathrin Marr, dpa



insgesamt 69 Beiträge
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Seite 1
vox veritas 05.12.2017
1.
Toll, erst wird die Schule mit Experimentalunterricht kaputt reformiert und dann dürfen die Eltern den Schaden in Eigenarbeit reparieren.
bandelier 05.12.2017
2. Es ist wahrscheinlich sehr einfach, ein Kind
zum Lesen zu motivieren: durch Vorlesen. Bücher eröffnen Welten, die aufregend sind und die natürliche Neugier des Kindes befriedigen. Und der Fernseher bleibt aus. Unsere Kinder waren glücklicherweise zu beschäftigt, um noch Zeit für den Fernseher zu haben, und ich bin dankbar, dass sie auch ihren Kindern, meinen Enkeln, extrem viel vorgelesen haben, was für diese viel spannender war als das TV-Programm. Die Älteren studieren sehr erfolgreich, die Kleinen in der Grundschule lesen extrem schnell und behalten fast jedes Wort. Vom Nikolaus haben sie sich wieder Bücher gewünscht. Ihre Welt und ihr Wissen sind inzwischen beeindruckend. Und es war so einfach und dabei so schön. Für mich als Oma ist es wunderbar, ein Kind im Arm zu halten und ihm vorzulesen (obwohl es selbst schon sehr gut liest), und es macht mich traurig, wenn Eltern ihre Kinder vor demn Fernseher parken, um Ruhe zu haben. Sie sind sich offenbar nicht bewusst, wieviel Schaden sie damit anrichten
Phil2302 05.12.2017
3. Ich dachte ich bin ein böser Helikopterpapa
Wenn ich meine Kinder zu Hause unterstütze? Ansonsten nichts neues im Artikel, natürlich werden wir unseren Kindern viel vorlesen. Hier haben wir übrigens schon wieder den Grund, warum die Herkunft wichtig für den Bildungserfolg ist. Wir haben nämlich auch Freunde, wo die Kinder schon mit 12 Monaten vom Fernseher unterhalten werden. Nun raten sie mal, ob diese Eltern auch einen akademischen Hintergrund haben. Nur, wie will man das ändern? Jeder darf ja sein Kind so erziehen wie er will. Also werden wir weiter damit leben müssen, dass weniger Kinder lesen können als früher.
MeinungVonMir 05.12.2017
4. Lesekompetenz....
Zitat von vox veritasToll, erst wird die Schule mit Experimentalunterricht kaputt reformiert und dann dürfen die Eltern den Schaden in Eigenarbeit reparieren.
Hätten Sie den Artikel gelesen und verstanden, hätten Sie den Kommentar vermutlich nicht geschrieben.... Insofern "Quod erat demonstrandum"
andreasclevert 05.12.2017
5. Verblüfft
Ich habe gerade auf den Rechner geschaut und mich vergewissert, dass wir das Jahr 2017 und nicht das Jahr 1917 schreiben. Muss allen Ernstes heute noch darauf aufmerksam gemacht werden, dass Papa wie Mama vorlesen sollen, weil das Lesen sonst als Mädchendingsdabumgs abgetan werden könnte? Ich nehme das der Stiftung Lesen gerne ab, aber ich bin doch verblüfft.
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