Sorge um Gesundheit Frankreich will Handys an Schulen verbieten

Dass Handy-Strahlung die Gesundheit gefährdet, ist wissenschaftlich nicht erwiesen. Doch Frankreichs Politikern reicht die bloße Möglichkeit: Weil die Sorge in der Bevölkerung wachse, will das Parlament Mobiltelefone aus Kindergärten und Schulen verbannen.

Handys an Schulen: Frankreich reicht die Möglichkeit einer Gefahr für ein Verbot
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Handys an Schulen: Frankreich reicht die Möglichkeit einer Gefahr für ein Verbot


In Frankreich soll Kindern aus Sorge um deren Gesundheit künftig das Nutzen von Mobiltelefonen in der Schule verboten werden. Die zweite Parlamentskammer, der Senat, erweiterte am Mittwoch das Umweltschutzgesetz um einen entsprechenden Passus, der für Kindergärten, in der Grundschule und der Mittelstufe gelten soll. Der Senat beschloss zudem ein Verbot von Handy-Werbung, die sich an Kinder unter 14 richtet.

Die Abgeordneten hoben hervor, in der Bevölkerung gebe es wachsende Sorge um mögliche negative Auswirkungen elektromagnetischer Strahlung auf die Gesundheit. Der Senat will auch Arbeitnehmer, die täglich Mobiltelefone verwenden müssen, besser schützen; so sollen obligatorische Freisprech-Einrichtungen verhindern, dass das Gehirn den elektromagnetischen Strahlungen zu stark ausgesetzt ist. Die Gesetzesnovelle muss noch von der ersten Parlamentskammer, der Nationalversammlung, abgesegnet werden.

Tatsächlich ist über die Auswirkungen von Handy-Strahlung auf Kinder und Jugendliche bisher wenig bekannt. Forscher und Krebsärzte aus Europa und den USA riefen im vergangenen Jahr dazu auf, Kinder unter zwölf Jahren generell nicht mit Handys telefonieren zu lassen, da die Auswirkungen der Strahlung auf den kindlichen Körper und insbesondere das Gehirn zu wenig erforscht seien.

"Wir haben keine Hinweise für ein erhöhtes Risiko gefunden"

Allgemein sind schädliche Auswirkungen von Handy-Strahlung auf die Gesundheit wissenschaftlich nicht belegt. So konnte das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) in einer großangelegte Studie kein erhöhtes Krebsrisiko für Handynutzer finden. Auch der Schlaf oder die Gesundheit im Allgemeinen werde nicht beeinträchtigt.

Zwischen 2002 und 2008 hatten 50 Forschungsgruppen im Auftrag des BfS die Gesundheitsgefahr untersucht. Kritisiert worden war, dass die Hälfte der Kosten von 17 Millionen Euro von Mobilfunk-Netzbetreibern getragen wurden; das BfS hatte allerdings versichert, das Programm habe unter der Schirmherrschaft der Behörde unabhängig ablaufen können.

"Das zentrale Ergebnis ist: Wir haben keine Hinweise gefunden, dass es erhöhte Risiken für die Gesundheit durch Handy-Strahlung gibt", sagte Thomas Jung, Abteilungsleiter Strahlenwirkung und Strahlenschutz am BfS, bei der Präsentation der Studie im Juni 2008.

Verbote wegen Gewaltvideos und Mobbing in Bayern und Japan

Auch die bisher größte Einzelstudie, für die Daten von 420.000 Dänen über zum Teil mehr als zehn Jahre ausgewertet wurden, blieb ohne Befund. Verunsicherung unter Handynutzern entstand vor allem durch gefälschte Studien: So kam heraus, dass für zwei Studien, die einen Zusammenhang zwischen Erbgutschäden und Mobiltelefonieren gefunden haben wollten, reihenweise Daten erfunden worden waren.

Auch manche Berichte der Medien trugen zur Sorge bei. "Handys können Krebs auslösen" hieß es etwa im vergangenen Jahr nach einer internationalen Studie. Dabei hatten die Autoren selbst in ihrem Aufsatz geschrieben: "Wir haben keine Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für regelmäßige Mobiltelefonierer gefunden."

In Deutschland wird ein Handy-Verbot an Schulen immer wieder diskutiert, allerdings weniger aus gesundheitlichen Gründen, sondern weil manche Schüler Gewalt- und Pornovideos per Handy verschicken. Bayern hatte aus diesem Grund im Jahr 2006 per Gesetz ein Handy-Verbot an Schulen verhängt: Seither müssen Schüler ihre Handys im Schulgebäude und auf dem Schulgelände ausschalten.

Japan verkündete im Januar, Handys an Schulen zu verbieten, nachdem das Mobbing per SMS unter Schülern massiv zugenommen hatte.

bim/AFP/AP

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