Abschreiben bei Prüfungen Irak schaltet Internet während Examen ab - landesweit

Was tun, damit in Prüfungen nicht mehr per Smartphone gespickt wird? Die irakische Regierung greift zu radikalen Mitteln.

Netzkabel: Stecker raus
AP

Netzkabel: Stecker raus


Es ist ein stetes Wettrüsten: Wer in einer Prüfung nicht weiter weiß, will spicken; wer jemanden prüft, will das verhindern. Klassenarbeiten zum Beispiel werden auf eigenem Schulpapier geschrieben, damit niemand Lösungen mitbringt, jeder sitzt an einem Einzeltisch, damit es keinen Nachbarn gibt, der abschreiben kann - und so weiter und so fort.

Mit Smartphones in Schülerhänden ist die Sache schwieriger geworden: Gelingt es den Prüflingen, unentdeckt einen Suchbegriff zu googeln, erleichtert das eine Prüfung ungemein. Aber während in Deutschland noch gestritten wird, ob Lehrer die Handys einer ganzen Klasse für die Dauer einer Prüfung einziehen dürfen, scheint der Irak einen viel wirksameren Weg gefunden zu haben: Der Staat schaltet einfach für die Dauer der Zentralexamen das Internet im ganzen Land aus.

Das meldet DYN Research, ein Unternehmen, das auf auf die Analyse von Netzausfällen spezialisiert ist. Bereits im vergangenen Jahr hat es den Verdacht geäußert. Nachdem sich das Muster in der laufenden Prüfungsperiode wiederholt hat, sieht sich die Firma bestätigt.

An drei Tagen, für je drei Stunden

Am Montag twitterte das Unternehmen, dass erneut an drei Tagen in Folge das Netz im Irak für je drei Stunden ausgefallen ist - immer zu Zeiten, in denen Prüfungen abgehalten werden:

Genauso sah es vergangenen August auch aus. Damals war man bei Dyn Research noch selbst skeptisch: Kann das sein? Für rund 600.000 Schüler womöglich Millionen Menschen vom Netz abschneiden und den Datenaustausch der Wirtschaft unterbinden? Andererseits liegt die Hemmschwelle im Irak niedrig, ins Internet einzugreifen, wenn auch meist aus politischen Gründen.

Offenbar war der Netzausfall diesmal sogar kommerziellen Internetanbietern angekündigt worden. "The Verge" zufolge sind zumindest EarthLink und andere Firmen vorab vom Kommunikationsministerium informiert worden, dass das Internet am 15. Mai von 5 Uhr bis 8 Uhr morgens nicht funktionieren werde. Die Internetaktivisten von SMEX veröffentlichten eine Mail des Ministeriums im Wortlaut, die angeblich an einen Internetanbieter geschickt wurde.

Zunächst äußerte sich kein Vertreter des Irak dazu öffentlich. Am Dienstag schließlich hat Hadeel al-Ameri, eine Sprecherin des Erziehungsministeriums, das Vorgehen gegenüber NBC bestätigt.

mamk



© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.