Streit um Evolutionstheorie US-Richter untersagt Alternativ-Unterricht

Im Streit um die Evolutionstheorie in den USA hat ein Gericht in Pennsylvania den Religiös-Konservativen eine herbe Niederlage bereitet. Die Lehre vom "Intelligent Design" an Schulen zu unterrichten, sei verfassungswidrig. Ein Rückschlag auch für Präsident Bush.


Washington - Die Schulbehörde von Dover in Pennsylvania hatte angeordnet, dass die Lehre vom "Intelligent Design" im Biologieunterricht der öffentlichen Schulen als Alternative zur von Charles Darwin begründeten Evolutionstheorie gelehrt werden müsse. Dies widerspreche der Verfassung, urteilte nun der zuständige Richter John Jones in Harrisburg.

Acht Familien hatten die Schulbehörde verklagt, weil ihren Kindern vor der Vermittlung der Darwinschen Evolutionstheorie erklärt werde, eine höhere Macht habe das Leben auf der Erde geschaffen. Die Eltern sahen darin einen Verstoß der Trennung von Kirche und Staat. Richter John Jones erklärte in der Urteilsbegründung, es sei erstaunlich, dass mehrere Mitglieder des Schulrats stolz ihren Glauben in der Öffentlichkeit verkündeten, sich aber nicht scheuten, zu lügen.

Die Kläger hatten angeführt, das "Intelligent Design" sei nur eine neue Verpackung für den Kreationismus, also eine wörtliche Auslegung der biblischen Schöpfungsgeschichte. Diese darf nach der Entscheidung mehrerer Gerichte an öffentlichen Schulen in den USA nicht anstatt der wissenschaftlichen Erklärung der Erdgeschichte unterrichtet werden. Die Befürworter erklärten dagegen, ihnen gehe es nur um eine Verbesserung des naturwissenschaftlichen Unterrichts.

Das Konzept vom "Intelligenten Design" (ID)findet seit einigen Jahren in den USA wachsende Verbreitung. Im Unterschied zum traditionellen Kreationismus, der das biblische Buch Genesis wörtlich nimmt, leugnen die ID-Anhänger nicht, dass sich die Erde über mehr als vier Milliarden Jahre hinweg entwickelt hat. Sie deutet die komplexen Strukturen der Natur jedoch als Beleg dafür, dass eine übergeordnete Intelligenz dahinter stecken müsse.

In zahlreichen US-Bezirken gibt es heftige Auseinandersetzungen darüber, ob das "Intelligent Design" neben der Evolutionstheorie in die Lehrpläne aufgenommen werden soll. Kritiker der Theorie meinen, dass sie nur ein Deckmantel sei, um religiöse Überzeugungen in die naturwissenschaftlichen Fächer einzuschleusen. Zwei führende Wissenschaftsorganisationen in den USA - die National Academy of Sciences und die American Association for the Advancement of Science - kamen zu dem Schluss, dass es keinerlei wissenschaftliche Basis für die Theorie gebe.

In den landesweit geführten Streit hatte sich auch US-Präsident George W. Bush eingeschaltet und die Schulen aufgefordert, beide Konzepte zu vermitteln. Bush gilt als bekennender Unterstützer der Religiös-Konservativen.



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