Schüler unter Druck Jedes dritte Kind ist von der Schule gestresst

Kaum Zeit für Freunde, zu wenige Ruhephasen: Kinder empfinden Schule oft als schwere Belastung - ein Drittel fühlt sich regelmäßig gestresst, zeigt eine neue Studie. Und selbst ihre Freizeit können viele nicht ungestört genießen.

Schüler in Deutschland: Ein Drittel klagt über regelmäßigen Druck
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Schüler in Deutschland: Ein Drittel klagt über regelmäßigen Druck


Schule ist für Kinder in Deutschland der Stressfaktor Nummer eins: Jeder dritte Schüler fühlt sich regelmäßig von Lehrern, Unterricht oder Hausaufgaben gestresst. Das zeigt das neue "Kinderbarometer", eine seit 2007 jährlich durchgeführte Umfrage.

Nur 15 Prozent der bundesweit 11.000 befragten Schüler zwischen neun und 14 Jahren benannten dagegen häufigen Druck durch ihre Eltern als Stressfaktor. Freunde als Stressauslöser werden sogar nur von sechs Prozent genannt. Die Forscher fanden heraus, dass in der Schule und im Umgang mit den Eltern die Anspannung mit fortschreitendem Alter zunimmt.

Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:

  • Laut "Kinderbarometer" findet jedes zweite Kind nach eigener Einschätzung in der Schule zu wenig Zeit, um mit Freunden zu reden.

  • Mehr als die Hälfte der Kinder meint, die Schule biete ihnen zu wenig Phasen zum Ausruhen.

  • Zu wenig Gelegenheit zum Spielen beklagen 46 Prozent der Kinder.

  • Ein knappes Drittel braucht mehr Zeit, um alleine zu lernen.

  • Jedes fünfte Kind hat auch außerhalb der Schule zu wenig Zeit, um einfach mal ungestört machen zu können, was es will.

"Dass sich unsere Kinder im Freundeskreis und in der Familie, aber weniger in der Schule wohlfühlen, ist ein konstanter Befund aus den Erhebungen der letzten Jahre, obwohl sich im schulischen Kontext nichts Wesentliches verändert hat", kommentiert Wassilios E. Fthenakis, Bildungsforscher an der Freien Universität Bozen, die Ergebnisse und fordert deshalb "erweiterte Partizipationsmöglichkeiten", also mehr Mitwirkung in der Schule.

Wenn die Stressursachen in dauerhafter Überforderung liegen, sei es sinnvoll, nach mehr Entspannungsmöglichkeiten für das Kind im Alltag zu suchen. Häufen sich Alarmzeichen wie Gereiztheit, Unruhe oder psychosomatische Beschwerden, müsse auch über ärztlichen Rat nachgedacht werden. Immer wieder hatten Ärzte in der Vergangenheit vor einer zunehmenden Überforderung von Schülern gewarnt, etwa durch die Verkürzung der Schulzeit.

Für die bundesweite Umfrage waren 11.000 Kindern zwischen 9 und 14 Jahren interviewt worden. Zu Wort kamen Schüler aus den Klassen vier bis sieben aller Schulformen. Sie wurden unter anderem nach Belastungen und Ausgleichsmöglichkeiten im Alltag und nach der "Ich-Zeit", also Zeit für sich selbst, gefragt. Auftraggeber des "Kinderbarometers" ist die Bausparkasse LBS.

Erst kürzlich war eine Umfrage für die Zeitschrift "Eltern" veröffentlicht worden, wonach auch viele Eltern in Deutschland sich bei der Erziehung ihrer Kinder enorm unter Stress setzen. Die Gründe dafür lägen vor allem an den hohen Ansprüchen der Eltern an sich selbst. Auch gut ein Drittel der Kinder findet demnach, dass die Eltern gestresst sind, "weil sie immer alles perfekt machen wollen".

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him/dpa



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insgesamt 54 Beiträge
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Seite 1
syssifus 28.01.2015
1. Lernprozess
Später im Arbeitsleben, werden sie lernen was echter Stress ist.
hummel1 28.01.2015
2. Damals wie heute!
Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass eine Umfrage ( wäre damals undenkbar gewesen ) zum Thema Streß in der Schule und der zur Verfügung stehenden freien Zeit einen anderen Ausgang genommen hätte als es heute der Fall ist. Kinder zwischen 9 - 14 Jahren!
Plasmabruzzler 28.01.2015
3.
Was für ein sinnfreier Beitrag. Mich wundert nur, dass es so wenige sind, die sich gestresst fühlen. Ich kenne niemanden, der sich durch Schule nicht gestresst fühlte. Stress macht man sich im übrigen selbst und es ist Teil des Reifungsprozesses, damit umzugehen.
kladderadatsch 28.01.2015
4. Reformiert endlich das G8
Wer von seinen Kindern erwartet, dass sie den gleichen Stoff in 8 anstatt in 9 Jahren lernen, geht davon aus, dass sie eine Klasse überspringen können. Dieses System erzeugt nur Stress und siebt die Falschen aus. Geplant war G8 ursprünglich nur mit einer entsprechenden Reduzierung der Lehrinhalte. Das haben die Politiker aber nicht hinbekommen und so das Leben der Kinder kaputtgemacht.
malhinterfragt 28.01.2015
5. Ganztagswahn und Bildungspanik
Hoffentlich geht hiervon ein Impuls aus, diesen unsäglichen und kinderverachtenden Wahn der Ganztagsverschulung endlich endlich zu beenden. Kinder brauchen Freiraum, Freizeit, Freigeist, Freiheit und nicht Ganztagsbevormundung, Ganztagsüberwachung, Ganztagsverwahrung... Hört endlich auf mit der kinderfeindlichen Bildungspanik!
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