Studie zu digitaler Bildung Lehrer nutzen Computer zu selten

Von wegen digitale Ödnis an Schulen: Die meisten Lehrer haben Zugang zu Computern und Laptops, zeigt eine Umfrage. Aber sie nutzen sie oft nicht.

Schüler mit Laptops in Berlin
Photothek via Getty Images

Schüler mit Laptops in Berlin


Deutsche Schulen sind schlecht ausgestattet mit Computern, Laptops, Internetzugang? Das stimmt oft. Doch manchmal liegt es nicht an der mangelnden Technik, wenn Schulen die Digitalisierung verschlafen - sondern an den eigenen Lehrern.

Der Verein "Initiative D21", der den digitalen Wandel der Gesellschaft unterstützen will, hat eineOnline-Befragung von rund 1400 Lehren und 1100 Schülern in Auftrag gegeben und die Ergebnisse am Dienstag veröffentlicht. Demnach sagten acht von zehn Lehrern, dass sie einen PC im Unterricht nutzen könnten, sechs von zehn verfügen über ein interaktives Whiteboard und gut jeder zweite über ein Notebook.

Allerdings bekommen viele Schüler davon gar nichts mit. Nur sieben von zehn Schüler wussten von einem Computer, der im Unterricht benutzt werden kann. Drei von zehn erwähnten ein Whiteboard und zwei von zehn ein Notebook. "Es ist anzunehmen, dass Schulen zwar grundsätzlich technisch ausgestattet sind, entsprechende Geräte aber nicht umfassend in den Schulalltag eingebunden werden", schreiben die Autoren der Studie.

Woran liegt es, dass Lehrer offenbar die digitalen Möglichkeiten nicht ausschöpfen, die ihnen ihre Schule bietet? "Die Rechner sind zu alt und zu langsam", wird eine Lehrkraft in dem Bericht zitiert. "Daher kann ich mich zum Beispiel auf die Interaktiven Whiteboards nicht verlassen und mache dann halt doch eine Folie."

Pro & Contra: Handys an Schulen - verbieten oder nutzen?

Gut vier von zehn Lehrern sind mit der technischen Ausstattung ihrer Schule unzufrieden, sie halten Geräte und Software für zu alt oder die Computerräume für zu klein. Immerhin gaben 96 Prozent der Lehrer an, dass es an ihrer Schule Internet gebe - doch das sei oft zu langsam.

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka hatte vor vier Wochen angekündigt, für die technische Ausstattung aller 40.000 Schulen in Deutschland mit Computern und WLAN bis 2021 fünf Milliarden Euro bereitzustellen. Digitale Bildung ist auch ein Hauptthema auf dem Nationalen IT-Gipfel, der am Dienstag in Saarbrücken begann.

Doch eine bessere technische Ausstattung würde nicht alle Probleme lösen. In der Umfrage gaben sechs von zehn Lehrern zu, sich zu wenig mit IT auszukennen, um sie im Unterricht einzusetzen. Zudem müssen sich die Lehrer auch um die Wartung der Geräte oft selbst kümmern. Sieben von zehn gaben an, dass dafür ein Kollege zuständig sei. Nur ein gutes Drittel berichtete von einer externen IT-Fachkraft, die das Kollegium unterstütze.

"Schon während der Lehramts- und Referendariatsausbildung muss Medienpädagogik deutschlandweit als verpflichtender und prüfungsrelevanter Bestandteil in allen pädagogischen Ausbildungsgängen verankert werden", fordert die "Initiative D21"

lov

insgesamt 54 Beiträge
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fördeanwohner 15.11.2016
1. -
Nicht schon wieder! Es wäre schön, wenn die Macher solcher Studien wirklich mal den Alltag an Schulen miterleben würden. Bestimmte Dinge scheitern schlicht und ergreifend an Bürokratie und Orga. Diese beiden Aspekte sind im Übrigen das, was am Lehrerberuf am meisten nervt, aber niemand je irgendwo erwähnt.
oaonorm1 15.11.2016
2. Ich kann mir vorstellen wie das läuft...
Die Laptops neu, alles vernetzt, Whiteboard läuft alles top. Genau eine Woche... Anstatt nur die möglichkeiten der Technik angehenden Lehrkräften zu zeigen, sollte IT vielleicht Pflichtfach werden. Dann kann sich die IT Klasse um das Aufsetzen neuer Images und deren Deploy beschäftigen. Klar braucht man dafür auch Lehrer die das beibringen können. Das wäre die Wirtschaftlichste Variante, weil sonst das ganze Geld in form von ungenutzter Technik verstauben wird. Wie gesagt, ich glaube das alle Lehrer die wissen was man damit machen kann es auch verwenden würden, aber nicht wenn es ausfällt. Und das wird es! Mal ein Laptop, mal der Beamer, mal das Whiteboard usw. (wir alle kennen das). Wenn dann erst ein externer ITler kommen muss lässt der Leherer den Mist um im Stoff weiter zu kommen :)
A.Waiter 15.11.2016
3. die Wahrheit hinter den Zahlen
Was bringt schon ein Whiteboard-Raum für eine ganze Schule? Abgesehen davon sind die Teile meiner Meinung nach sowieso rausgeschmissenes Geld. Sie benötigen teure Software, haben sehr hohe Anschaffungskosten und bieten pädagogisch kaum mehr als die Kombination von Laptop und Beamer. Für das Geld, das man für nur ein Whiteboard mit der ganzen Software braucht kann man sieben oder acht Klassenzimmer mit Laptop und Beamer ausstatten, und zwar fest eingebaut. Die sogenannten Medienwägen mit mobilen Einheiten sind viel zu umständlich und benötigen viel zuviel Zeit beim Aufbau - wenn sie überhaupt vollständig, funktionsfähig und dort sind, wo sie sein sollen. Aber es klingt ja viel besser, wenn man sagen kann unsere Schule hat auch ein Whiteboard als wenn man sagt: Wir verzichten drauf und setzen die Mittel sinnvoller ein. Das wäre erstmal das wichtigste, jeden Raum mit einer funktionierenden Kombi aus Laptop und Beamer ausstatten und ein Fachmann der dafür sorgt, dass es permanent funktionert. Und nicht Whiteboards und Tablets.
sok1950 15.11.2016
4. irrationale Vorstellungen
Bin beruflich seit 1986 als Programmierer und IT-Dozent tätig, aber auch vorher schlicht als Lehrer in einer Berufsschule. Fakt ist, im "normalen" Unterricht haben Computer nichts, aber auch gar nichts zu suchen. Schon Tageslichtprojektoren waren grenzwertig und wurden nur von faulen, uninteressierten Lehrern genutzt - Folie einmal erstellt und die nächsten Jahre den Schülern einfach vor den Kopf geknallt. Google-Ergebnisse, Wikischlecht &Co. taugen nicht, aber auch gar nicht zum Lernen im Unterricht. Kein Computer, keine Bildschirm-Präsentation kann eine Wissensvermittlung an der Tafel, vom Lehrer vor den Augen der Schüler entwickelt, ersetzen - und den besten Erfolg beim Lernen hat man immer noch, wenn das zu Lernende per Hand aufgeschrieben wird. (übt im übrigen auch das Lesen und Schreiben) Da hilft keine Tastatur, kein Bildschirm auf dem man rumkrakeln kann. Den besten Erfolg haben noch immer Schüler, die sich vor Klausuren einen Spickzettel, möglichst kleingeschrieben, schreiben. Meist braucht man den Spickzettel dann gar nicht mehr, da man durch die Beschäftigung mit dem Stoff genau das gelernt hat, was auf dem Spickzettel steht. Google-Ergebnisse, Wikischlecht &Co. können mal zur Unterstützung für ein Referat oder eine Hausarbeit genutzt werden - aber jeder, der wissenschaftlich mal wirklich Erfolg haben will nutzt Originale, keine Sekundärliteratur.
ediart 15.11.2016
5. IT Technik
Es nützt nicht wenn alles an Technik da ist aber niemand der sich damit auskennt. Da soll ein Netzwerk eingerichtet und gewartet werden da werden aus dem Kollegium gerne Freiwillige gesucht klappt in der Regel nicht weil das natürlich ein zeitlicher Aufwand ist anstatt eine professionelle Firma zu beauftragen das kostet Geld und da fangen die Probleme an.
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