Südafrika Oprah Winfrey spendiert Luxus-Internat

US-Talkmasterin Oprah Winfrey hat nahe Johannesburg eine Schule für mittellose Mädchen eröffnet. Ein Internat mit Wellness-Zentrum und Yoga-Studio - zu verschwenderisch für das arme Land Südafrika? Für die Milliardärin bedeutet es "die Erfüllung meiner Arbeit auf Erden".


Johannesburg - Die "beste Schule der Welt", mindestens, soll die bisher 40 Millionen US-Dollar (rund 30 Millionen Euro) teure "Oprah Winfrey Führungsakademie für Mädchen" werden. Das verkündete die Talk-Queen der USA bei der Eröffnungszeremonie am Dienstag. Fünf Jahre lang wurde gebaut, die Ausbildung beginnt am 15. Januar. Der 21 Hektar große Campus in der Kleinstadt Henley-on-Klip südlich von Johannesburg umfasst 28 Gebäude: Neben Computer- und Wissenschaftslaboren, einer Bibliothek und Theatern hat das Internat auch ein Wellness-Zentrum inklusive Yoga-Studio und Schönheitssalon. Die Bezeichnung "Eliteschule" wies die laut Wirtschaftsmagazin "Forbes" einflussreichste Prominente der USA jedoch zurück.

Oprah Winfrey, 52, sagte, es habe sie frustriert, Wohltaten nur aus der Entfernung zu verteilen. Das Internat wurde nach ihren Plänen erbaut. Sie kümmerte sich auch um die Details, wählte zum Beispiel eigens Geschirr und Schuluniform aus. "Die Schule soll ein Spiegelbild meiner selbst sein", sagte die erfolgreiche Geschäftsfrau dem Fernsehsender CNN.

Jedes Haus ziert ein großer Kamin. Die 152 ersten Schülerinnen wohnen in geräumigen Zweibettzimmern. Den Komfort der Betten testete die Talkshow-Diva persönlich. Die Schränke sollten extra groß sein - obwohl die Mädchen kaum Kleidung besitzen. "Sie werden etwas besitzen", erklärt Winfrey, "Sie sollen die Chance haben, Geld zu verdienen, um sich etwas zu kaufen. Nur so kann man ihnen beibringen, Dinge zu schätzen."

Oprah Winfrey ist die erste Afro-Amerikanerin, die zur Milliardärin wurde. Der letzten "Forbes"-Schätzung zufolge beträgt ihr Vermögen 1,5 Milliarden US-Dollar. Man findet sie auch auf der Liste der 50 großzügigsten Amerikaner, die das Wirtschaftsblatt "Business Week" jährlich herausgibt. Um überhaupt erwähnt zu werden, muss man in den letzten drei Jahren mindestens 157 Millionen Dollar gespendet haben.

Die Akademie soll 450 Schülerinnen von Klasse sieben bis zwölf beherbergen. Ursprünglich sollte das Projekt 10 Millionen Dollar kosten, die südafrikanische Regierung wollte sich am Bau des Internats beteiligen. Sie zog sich jedoch zurück, nachdem Kritiker äußerten, die Schule sei zu elitär und verschwenderisch für ein armes Land wie Südafrika.

"Diese Mädchen wurden nie freundlich behandelt"

Winfrey ist die Kritik am übertriebenen Luxus indes gleichgültig: "Die Mädchen haben es verdient, von Schönheit umgeben zu sein, und Schönheit inspiriert", sagte sie dem Magazin "Newsweek". Auch die ansässigen Architekten hätten ihre Vorstellungen von der Schule zunächst nicht umgesetzt: "Sie schickten mir Pläne, die mehr einem Hühnerstall glichen. Ihre Einstellung war klar: Das sind arme afrikanische Mädchen. Warum viel Geld für sie ausgeben? Das war unglaublich bestürzend."

Winfrey hatte verschiedene südafrikanische Stämme und Gemeinden gebeten, Mädchen mit außergewöhnlichem Führungspotential zu nominieren. Voraussetzung für die Bewerbung waren gute schulische Leistungen, Führungspotential und eine Familie, deren Haushaltseinkommen 787 US-Dollar monatlich (600 Euro) nicht überschreitet. Winfrey möchte die Besten ausbilden und hofft, dass diese eines Tages das Land aus der Armut führen werden. Sie wählte die 152 zugelassenen Mädchen selbst aus – vier Prozent der rund 3500 Bewerber. Selbst Harvard nehme rund neun Prozent auf, merkt "Newsweek" an.

Alle 500 Finalistinnen interviewte Winfrey persönlich und fragte sie nach ihrer Herkunft und ihren Träumen. Ebenso durften die Mädchen Fragen stellen. "Gibst du 500 Dollar aus, um dir die Augenbrauen zupfen zu lassen?", fragte eine Bewerberin. Sie wurde genommen.

40 Millionen Dollar hat das Projekt bislang gekostet, maximal 50 Millionen werde sie ausgeben, sagte Winfrey. Ihre Akademie soll eine qualitativ hochwertige Ausbildung garantieren – in einem Land, dessen Schulen noch mit dem Erbe der Apartheid zu kämpfen haben: Viele staatliche Schulen sind völlig überfüllt und verfügen nicht einmal über Bücher. Gewalt, Drogen und Teenager-Schwangerschaften sind an der Tagesordnung. Gehobene Studienbedingungen und Sporteinrichtungen bieten nur Privatschulen, die hauptsächlich von der weißen Minderheit besucht werden - für dunkelhäutige Südafrikaner sind sie meist zu teuer.

"Gebildete Mädchen sind weniger gefährdet, sich mit HIV zu infizieren", so Winfrey. Sie nennt das Projekt "die Erfüllung meiner Arbeit auf Erden". Ihre Schule soll ein "Ehrenplatz" sein, "denn diese Mädchen sind nie freundlich behandelt worden. Ihnen wurde nie gesagt, sie seien hübsch oder hätten wundervolle Grübchen. Ich wollte diese Dinge als Kind hören", so Winfrey.

"Bau mir eine Schule", wünschte sich Mandela

Die Talklady hat afrikanische Wurzeln und wuchs selbst in armen Verhältnissen auf: Ihr Vater war Minenarbeiter, sie lebte ohne Wasser und Elektrizität bei der Großmutter, als Kind wurde sie vergewaltigt. In gewisser Weise baut sie die Schule auch für sich: "Wenn ich diese Mädchen ansehe, sehe ich mich", sagte sie CNN. "Darum möchte ich ihnen all das geben, was ich als Kind nie hatte. Dies sind die Führerinnen des Afrikas von morgen."

Die Idee der Akademie entstand 2000 bei einem Treffen Winfreys mit dem ehemaligen Staatspräsidenten Nelson Mandela. Laut CNN hatte sie ihn gefragt, welches Geschenk sie Südafrika machen könne. "Bau mir eine Schule", habe er geantwortet. Zur Eröffnungsfeier am Dienstag kamen neben dem einstigen Präsidenten die Sängerinnen Tina Turner, Mary J. Blige und Mariah Carey, Schauspieler Sidney Poitier und Regisseur Spike Lee. Auch Julia Roberts, John Travolta, Angelina Jolie sowie die Sänger Stevie Wonder und Kid Rock hatten zugesagt. Jeder Gast sollte ein signiertes Buch für die Schulbibliothek mitbringen.

Winfrey-Freundin Gayle King hat ihre eigene Theorie über die Motivation der kinderlosen Talkmasterin: "Sie gehört in die Rolle einer Mutter." Winfrey nennt die Schülerinnen "meine Mädchen": "Ich ging zu ihnen nach Hause. Ich habe ihre Lehrer und Eltern kennen gelernt. Ich kenne sie alle beim Namen. Ihre Geschichte ist meine Geschichte." Zwei "Leadership-Classes" wird Winfrey per Satellit persönlich unterrichten. Sie möchte einen Teil ihres Ruhestandes auf dem Campus verbringen. Der Tageszeitung "USA Today" zufolge plant Winfrey noch eine Schule für Jungen und Mädchen in der östlichen Provinz Kwazulu-Natal.

jmk/dpa/AP



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