Super-Abiturient Felix Geisler König der Überflieger

Ein extrem seltenes Kunststück ist Felix Geisler, 20, gelungen: Er schaffte im Abitur 840 Punkte - von 840 Punkten. Sämtliche Prüfungen bestand der Schüler aus Neuruppin mit der Bestnote. Nur in einem Fach musste er sich durchbeißen.

Von Sebastian Christ


Quantenmechanik ist für ihn eine "schöne Sache". Physikalische Paradoxa findet er "interessant". Aber auch in Französisch war er der Beste seines Abiturjahrgangs. Und in Deutsch und in Englisch – und in fast allen anderen Fächern. Felix Geisler aus dem brandenburgischen Neuruppin hat sein Abitur am Schinkelgymnasium mit 840 von 840 Punkten geschafft. Das ist der maximale Abi-Erfolg.

Felix im Glück: In allen Prüfungsfächern am Anschlag
Peter Geisler

Felix im Glück: In allen Prüfungsfächern am Anschlag

In seinen Leistungskursen Mathematik und Informatik hatte er genauso wie in allen 22 verpflichtenden Grundkurshalbjahren 15 Punkte. Sämtliche Abiturprüfungen bestand Felix ebenfalls mit der Höchstnote.

Seine Passion sind die Naturwissenschaften. Aber auch in anderen Fachbereichen fühlt er sich wohl. "Sprachen sind wichtig, um später Wissen zu vermitteln. Das war für mich auch ein Grund, da viel zu tun", sagt er. Seit der siebten Klasse war Felix Geisler Seriensieger in Mathematik-Olympiaden, später kamen noch Erfolge in bundesweiten Physikwettbewerben hinzu. Außerdem hat der 20-Jährige noch den Apollinaire-Preis der Robert-Bosch-Stiftung für herausragende Leistungen im Fach Französisch bekommen.

"Mir bereitet es Freude, mathematische Probleme zu lösen, an denen man einige Zeit knobeln muss", sagt Felix, dessen Vater als Pressefotograf arbeitet. Seine Faszination wirkt absolut authentisch, er kann minutenlang ohne Pause über Physik und Mathematik erzählen.

Bei der James-Bond-Einlage spielte er Q

Durch die Teilnahme an den naturwissenschaftlichen Schüler-Wettbewerben konnte er sich auch außerhalb des Unterrichts mit Physik und Mathematik beschäftigen und sein Wissen erweitern. Die Deutsche Physikalische Gesellschaft hat ihm noch in der Oberstufe eine kostenlose Mitgliedschaft angeboten.

Manchmal spricht Felix, als ob er bereits im achten Semester studieren würde. Was vielleicht daher rührt, dass er wegen seines hohen Leistungsniveaus schon seit Jahren Kontakt zu Akademikern hat. Wie ein Streber wirkt er aber deswegen noch lange nicht. Den Ellbogen über die Klausurseiten legen, damit niemand abschreiben kann: Das war nie sein Ding, sagt er. Er sei stolz darauf, dass er seinen Mitschülern immer geholfen habe, wenn sie seine Hilfe brauchten.

Nach Unterrichtsschluss hat Felix Klassenkameraden naturwissenschaftliche Fragestellungen erklärt. Wenn der Lehrer mal nicht da war, hat er sogar Vertretungsstunden gegeben. Auf dem Abiball haben sie eine James-Bond-Einlage aufgeführt: Er war Q.

Nur in Sport keine Traumnoten

Nur ein einziges Fach bescherte ihm keine Traumnoten: Sport. In der Mittelstufe hatte er dort sogar die einzige Vier seines Lebens – zwischen lauter Einsern. Später steigerte sich Felix, zum Schluss kam er immerhin auf 13 Punkte. Besonders mit Turnen und Leichtathletik ist er nicht so recht warm geworden.

Allerdings zählten diese Noten nicht fürs Abitur. So hatte Felix ein echtes Luxusproblem: Für die Endwertung musste er einige Kurse mit 15 Punkten aus der Abrechnung streichen lassen. Er fing bei den Fächern an, in denen er nicht glatt auf 15,0 Punkten stand, in denen vielleicht mal eine Teilnote mit 14 Punkten aus dem Rahmen fiel. So erreichte er eine praktisch makellose Bilanz.

Spicken musste Felix nie, die guten Noten hat er schon seit der Grundschulzeit. Mit Ausnahme von Sport hat er seit der dritten Klasse nie andere Noten im Zeugnis gehabt als Einser.

Nur wenige Bundesländer erfassen die Daten der Abiturienten zentral. Und in einigen Ländern werden die Prüfungsergebnisse noch ausgewertet. Das beste Abitur in Deutschland hat Felix Geisler allemal - niemand kann besser gewesen sein.

In den vergangenen Jahren gab es einige Super-Abiturienten. Erst kürzlich bestand Minu Dietlinde Tizabi aus Pforzheim ihr Abitur mit 1,0 - sie ist erst 14 Jahre alt und hatte vier Klassen übersprungen. Ein namentlich nicht bekannter Schüler schaffte im Jahr 2001 am Königin-Charlotte-Gymnasium in Stuttgart ebenfalls das Kunststück, 840 Punkte zu erzielen. Und vor zwei Jahren sammelte der Heidelberger Abiturient Philipp Rauch 838 von 840 Punkten.

Theoretisch ein Abi weit unter 1,0

Einen 1,0-er Schnitt bekommt man ab 768 Punkten. Durchschnittsnoten mit einer Null vor dem Komma gibt es offiziell nicht. Man kann sich das jedoch schönrechnen: entweder ganz simpel - für 14 Punkte in allen Prüfungsleistungen gibt es eine glatte 1,0, und 15 Punkte entsprächen demnach einer Endnote von 0,66.

Oder man rechnet von der 1,0 aufwärts: Für 17-Punkte-Schritte werden Abiturienten mit einer Zehntelnote belohnt. Dann wären...

- 785 Punkte eine 0,9
- 802 Punkte eine 0,8
- 819 Punkte eine 0,7
- 836 Punkte eine 0,6

...und Felix Geisler läge sogar noch unter 0,6. Aber das ist nur ein theoretisches Rechenexempel. Felix kann es wurscht sein, er ist mit seinem 1,0-Abi bestens bedient. Weil er ausgemustert wurde, kann er schon im Herbst sein Studium beginnen. Er will ins nahe Potsdam ziehen und ein Physikstudium beginnen. Sein Gymnasium hat ihn für die Studienstiftung des Deutschen Volkes vorgeschlagen. Ziemlich unwahrscheinlich, dass er kein Stipendium bekommt.

Bald möchte Felix auf Wohnungssuche gehen. Und in Potsdam will er dann auch regelmäßig Sport treiben. "Vielleicht gehe ich zum Joggen in den Park", sagt er. Ein wenig lächeln muss er da schon.

Aber eigentlich will Felix vor allem eines: Probleme knacken. Darin ist er nämlich unschlagbar.

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