Warnstreik in Berlin Angestellte Lehrer wollen mehr Geld

46 Schulen in Berlin sind betroffen: Angestellte Lehrer streiken ganztägig - sie fordern einen eigenen Tarifvertrag. Ihre verbeamteten Kollegen müssen ihren Unterricht nun vertreten, sonst fallen die Stunden aus.

Lehrer auf einer Kundgebung in Berlin: Die Lehrergewerkschaft GEW hat zu Warnstreiks aufgerufen
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Lehrer auf einer Kundgebung in Berlin: Die Lehrergewerkschaft GEW hat zu Warnstreiks aufgerufen


"Lehrer sein für'n Appel und 'n Ei ist nun vorbei!" Mit Plakaten wie diesem sind Lehrer in Berlin am Dienstag auf die Straße gegangen - und nicht in ihre Schulen.

Zum Ausstand aufgerufen sind Lehrer an 46 beruflichen Schulen und Oberstufenzentren, drei Eliteschulen des Sports, zwei Musik-Gymnasien und zwölf allgemeinbildenden Schulen - vornehmlich Schulen, an denen die Lehrergewerkschaft Erziehung und Wissenschaft GEW oder die Junglehrer-Initiative "Bildet Berlin!" besonders gut organisiert sind.

An den vom Warnstreik betroffenen Schulen werden zumindest teilweise die verbeamteten Kollegen als Vertretungslehrer einspringen - ansonsten muss der Unterricht ausfallen.

Die GEW will mit dem ganztägigen Warnstreik erreichen, dass angestellte Pädagogen näher an die Bezüge der verbeamteten Lehrer herankommen. "Wir fordern eine eigene tarifliche Regelung für Berlin", sagte die GEW-Vorsitzende Doreen Siebernik. Jedoch habe Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) bisher Gespräche darüber abgelehnt.

Berlin verbeamtet Lehrer seit mehr als zehn Jahren nicht mehr. Im November waren somit bereits 44 Prozent der knapp 30.000 Lehrer an staatlichen Schulen angestellt - deren Gehaltsgruppen entsprechen nicht denen der verbeamteten Lehrer und sind zudem je nach Bundesland unterschiedlich.

Auch die Anzahl der angestellten Lehrer variiert von Land zu Land stark. Während in Bayern so gut wie alle verbeamtet sind, wurden in den neuen Bundesländern nach der Wende zunächst alle Lehrer angestellt. Die meisten westdeutschen Bundesländer folgten dem Beispiel und stellten beim Nachwuchs von Verbeamtung auf angestellte Lehrer um, vor allem Bremen, Rheinland-Pfalz und NRW. Es geht allerdings auch umgekehrt: Wegen Lehrermangels hat etwa Mecklenburg-Vorpommern 2013 begonnen, Lehrern wieder den Beamtenstatus zu verleihen - als Anreiz.

Ich bin Lehrer, und so viel verdiene ich

asc/dpa



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insgesamt 36 Beiträge
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elizar 26.01.2016
1. Jetzt wirds gleich spannend!
Also wie lange wird es diesmal dauern, bis alle mal wieder entweder auf Lehrer bashen und/oder auf Beamte? Zum Thema: Ich hab vollstes Verständnis für die angestellten Lehrer.
harwin 26.01.2016
2. Richtig so...
Richtig so, die Kanzlerin will massenweise Flüchtlinge ins Land bringen die unterrichtet werden sollen. Aber nicht für lau. Gehälter müssen erhöht werden, damit die Lehrer auch in ihren Beruf bleiben. Schließlich braucht man ja mehr. Sonst denkt der eine oder andere daüber nach in einer andere Branche abzuwandern.
r_dawkins 26.01.2016
3. Klar sollen die mehr Geld bekommen,
und am Besten gleich noch mehr Kollegen! Der Lehrer-Beruf ist leider in Deutschland vollkommen unterbewertet, betrachtet man mal die Tatsache, welch großen Einfluß sie auf unser aller Zukunft haben, nämlich auf unsere Kinder. Wäre unsere Gesellschaft schlau, würde sie hier massivst investieren (siehe auch aktuell Integration). Politik sagt zwar, wie wichtig ihr Bildung ist, Kohle trausrücken will sie aber nicht. Das ist verlogen oder unlogisch!
remax 26.01.2016
4. Wegmit Beamtentum
Der Unterricht von angestellten Lehrer ist methodisch-didaktisch in vielerlei Hinsich bessser als die von verbeamteten Lehrern. Sie nehmen regelmäßig an Fortbildungen teil und müssen ihren Unterricht ständig anhand testvalidierten Assessmentintrumenten evaluieren- von Schülern und Schulleiter. Diese Erfahrung habe ich selbst gemacht und deutliche Unterschiede zwischen Angestellten und Beamten festgestellt. Die Ursache liegt eins und allemal an der lebenslangen Sicherheit, die die verbeamteten Lehrer haben. Dies haben angestellte Lehrer aufgrund der ständigen Evaluation ihrer Unterrichtsqualität nicht.
titoandres 26.01.2016
5. wie zivilisiert?
Am Umgang mit unseren Lehrern können wir sehen, was für eine Gesellschaft wir sind! Ich möchte, dass meine Kinder von Menschen unterrichtet und zu einem sehr großen Anteil nicht nur auf Beruf und Studium, sondern auf das Leben vorbereitet werden von einem Menschen, der in einem großen und bequemen Haus leben kan, wenn er möchte. Wie soll ein Mensch unsere Kinder lehren und im Leben begleiten, wenn er sich finanzielle Sorgen macht. Man darf auch nicht vergessen, dass ein Lehrer nach dem Abitur mindestens weitere 7 Jahre in seine Ausbildung investiert. Will man die richtig guten Leute haben, muss man bezahlen und einen attraktiven Arbeitsalltag ermöglichen.
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