Texas Schulleiter verteidigt Holocaust-Rollenspiel

Das Nazi-Rollenspiel an einer texanischen Schule, bei dem Schüler einander bespuckt und getreten haben sollen, sorgt weltweit für Empörung. Trotzdem verteidigt der Schulleiter das Projekt.


In der texanischen Zeitung "Waxahachie Daily Light" äußerte sich der Direktor John Aune zu dem Rollenspiel mit dem Titel "Zuschauer des Holocaust". Er habe nicht mitbekommen, dass die Schüler einander bespuckt, getreten oder geschubst hätten. "Das sind Dinge, die wir auf unserem Schulgelände nicht dulden", sagte er der Zeitung.

Zuvor hatte der örtliche Rundfunksender berichtet, das Rollenspiel, bei dem Neuntklässler an der Waxahachie Ninth Grade Academy in jüdische und nichtjüdische Deutsche eingeteilt worden waren, sei aus dem Ruder gelaufen. Einige Schüler und ein Vater kritisierten das Projekt in einem Fernsehbeitrag. Ein Junge gab an, Schlagstöcke gebaut zu haben, um seine Mitschüler zu verletzen.

"Zeigen, wohin Gruppendynamik führen kann"

Schulleiter Aune hingegen beteuerte, lediglich zwei Kinder hätten sich während des zehntägigen Rollenspiels beschwert. Ihr Unmut habe sich allein darauf bezogen, dass sie als jüdische Deutsche in der Essensschlange ganz hinten hätten stehen müssen. Nachdem er die beiden Schülern gebeten habe, sich das Projekt noch einmal von ihrem Lehrer erklären zu lassen, hätten sie sich nicht mehr beklagt. "Eltern haben mir gegenüber keine Kritik an dem Rollenspiel geäußert."

Aune kritisierte, dass in der Berichterstattung des Rundfunksenders Teile des Projekts überhaupt keine Erwähnung gefunden hätten. Weder über den Klassenausflug zum Holocaust Museum in Dallas, bei dem ein Überlebender des Holocaust getroffen wurde, noch über die Diskussionsrunde mit einem Rabbi sei berichtet worden.

Auch im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE verteidigte er das Rollenspiel. Durch die Übung "Zuschauer des Holocaust" solle den Schülern nahe gebracht werden, "wohin Gruppendynamik führen kann". Einer seiner Schüler habe über das Rollenspiel gesagt: "Ich glaube es ist ein guter Weg, um zu zeigen, wie es den Juden ergangen ist." Ein anderer habe das Projekt als "sehr lehrreich" bezeichnet.

Aus den Vorwürfen möchte Aune dennoch Konsequenzen ziehen. Der texanischen Zeitung gegenüber gab er an, er wolle jeden einzelnen Schüler treffen, um über die Vorkommnisse zu sprechen.

Projekte, in denen Schüler in Rollen schlüpfen, um sich den Unterrichtsstoff einzuprägen, sind in Amerika nicht unüblich. Bekanntestes Beispiel: Der Unterrichtsversuch an einer amerikanischen Highschool, auf dem der Roman "Die Welle" von Morton Rhue beruht. Im Buch zerfällt der Klassenverbund in Opfer und Täter. Die Schüler erfahren am eigenen Leib, wie leicht der Faschismus in ihren Alltag eindringen und sie verführen kann.

kat



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