Tibet Deutscher Blindenschule droht die Schließung

Seit zwanzig Jahren betreibt die Deutsche Sabriye Tenberken eine Blindenschule in Tibet. 300 Kinder wurden bislang hier ausgebildet. Nun weigern sich chinesische Behörden, das Projekt fortzusetzen.

Junge in Blindenschule in Lhasa (China)
DPA

Junge in Blindenschule in Lhasa (China)


Ein vielfach ausgezeichnetes Blindenzentrum einer Deutschen in Tibet steht nach 19 Jahren womöglich vor dem Aus. Die chinesischen Behörden weigerten sich nun, das gemeinsame Projekt fortzusetzen, sagte die Gründerin Sabriye Tenberken aus Nordrhein-Westfalen der Deutschen Presse-Agentur.

Bei einem Besuch in Tibet sei ihr und ihrer Organisation Braille Without Bordersvöllig überraschend der Entwurf eines Auflösungsvertrags vorgelegt worden. Demnach muss das Zentrum den Betrieb einstellen. Zu der Anlage gehören eine Grundschule im Stadtzentrum von Lhasa sowie eine Ausbildungsfarm.

Die Arbeitsbedingungen zahlreicher regierungsunabhängiger Organisationen (NGOs), zu denen auch Braille Without Borders zählt, haben sich in China zuletzt deutlich verschlechtert.

"Es werden noch immer Verhandlungen geführt"

Tenberken erblindete selbst im Alter von zwölf Jahren, sie lernte Tibetisch und entwickelte 1992 die Braille-Blindenschrift für die tibetische Sprache. Später gründete sie zusammen mit dem Niederländer Paul Kronenberg das Blindenzentrum, in dem bislang 300 Blinde ausgebildet wurden. Kinder zwischen drei und 15 Jahren lernen hier Blindenschrift, Orientierungstechniken sowie Englisch und Chinesisch. Nach zwei bis drei Jahren können die Kinder meist in den Schulen ihrer Heimatdörfer integriert werden.

Für ihre Arbeit mit Blinden in China hatte Tenberken 2005 das Bundesverdienstkreuz verliehen bekommen. Auch chinesische Behörden und Medien haben die Arbeit ihres Zentrums in der Vergangenheit immer wieder gelobt und mit Preisen ausgezeichnet.

"Wir wollen, dass die Kinder weiter in Regelschulen integriert werden"

Gründe, warum das Zentrum nicht weitergeführt werden darf, wurden nach Angaben von Tenberken nicht genannt. "Es werden noch immer Verhandlungen geführt. Für die blinden Kinder wird auf jeden Fall gesorgt", sagte ein lokaler Behördenmitarbeiter der dpa. Tenberken zufolge seien jedoch sämtliche Termine abgesagt worden. "Es gibt keine Antworten, und unser Visum läuft in zwei Tagen ab."

Die Chinesen planten dem Auflösungsvertrag zufolge, die Schüler in eine chinesisch-tibetische Spezialschule zu schicken, wo sie jedoch nicht in gleicher Weise auf ein unabhängiges Leben als Blinde und den Besuch einer regulären Schule oder Universität vorbereitet würden. "Für uns geht es nicht in erster Linie darum, hier in China weitermachen zu dürfen. Wie wollen aber sicher sein, dass die Kinder auch in Zukunft nach den gleichen Methoden ausgebildet und in Regelschulen integriert werden."

koe/dpa



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