Wegen Einzeltoilette Transgender-Schüler verklagt US-Schule

Gavin Grimm, 16, verkneift sich oft stundenlang den Harndrang: Der Transgender-Schüler soll als einziger eine separate Toilette benutzen. Er fühlt sich ausgegrenzt - und hat eine Klo-Klage gegen die Schule eingereicht.

Toilettentüren (Archiv): "Einfach nur in Ruhe auf die Toilette gehen dürfen"
Corbis

Toilettentüren (Archiv): "Einfach nur in Ruhe auf die Toilette gehen dürfen"


Gavin Grimm ist als Mädchen geboren worden und lebte jahrelang auch als Mädchen. Ging als Mädchen in die Schule, trat als Mädchen auf. Doch Grimm fühlte sich nicht als Mädchen, er wollte lieber ein Junge sein. Also entschied er sich am Ende der neunten Klasse dazu, als Junge zu leben.

Der 16-Jährige trägt die Haare kurz und zieht gern weite karierte Hemden an. In den Ohren stecken Ohrringe. Seine Schule, die Gloucester High School im US-Bundesstaat Virginia, unterstützte den Jugendlichen bei seiner Entscheidung, als Junge zu leben und erlaubte ihm, die Jungstoilette zu benutzen. Allerdings nur sieben Wochen lang. Dann entschied der Schulausschuss, Grimm müsse ein anderes Klo aufsuchen, eine private Unisex-Toilette, wie die Zeitung "Daily Press" berichtet.

Eltern, die auf dem Treffen des Ausschusses zu Wort kamen, hatten sich über den Schüler beschwert: Grimm würde die Privatsphäre der anderen Schüler verletzen, wenn er deren Toilette mitbenutze. Einige Eltern hatten die Befürchtung geäußert, es könne zu sexuellen Übergriffen kommen. Jungs könnten auf die Idee kommen, sich als Mädchen zu verkleiden, um sich Zugang zu deren Toiletten zu verschaffen.

Der Ausschuss entschied daraufhin, Grimm müsse eine separate Toilette benutzen, die sich im Büro der Krankenschwester der Schule befindet - als einziger Schüler der gesamten High School. Gegen diese Entscheidung wehrt sich Grimm nun. Mithilfe der Nichtregierungsorganisation American Civil Liberties Union, die sich für Bürgerrechte einsetzt, hat er Klage eingereicht. Er will weiterhin die Jungstoilette benutzen.

In der Klage heißt es, Gavin Grimm werde von seinen Mitschülern isoliert. Um dem Stigma zu entgehen, versuche er den ganzen Tag, nicht mehr die Toilette zu benutzen. Grimm sagte, er wolle einfach nur in Ruhe aufs Klo gehen dürfen, berichtet das Magazin "The Blaze". "Jedes Mal, wenn ich auf die Toilette gehen muss, fühle ich mich gedemütigt."

Nun will die Schulbehörde erneut über den Fall diskutieren.

kha



insgesamt 72 Beiträge
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Seite 1
Georg_Alexander 15.06.2015
1. Warum überhaupt eine Trennung?
Was ist eigentlich der tiefere Sinn einer geschlechtsspezifischen Toilette? Zuhause gibt es doch auch nur neutrale Klos...
demiurg666 15.06.2015
2. Wie benutzt der junge Mann denn bitte das Pissoir?
Auch wenn er sich im Kopf entschieden hat als Mann zu leben ist der Körper nun mal noch nicht männlich. Aber im Großen und Ganzen erinnert das ganze zu sehr an die Southpark-Folge die genau dies thematisiert hat. Würde mich nicht wundern, wenn Gavin Grimm da die Idee her hat.
memphisman 15.06.2015
3. So ein Aufhebens wegen eines Klos...
Wie oft habe ich es schon gesehen, dass bei überfüllten Damenklos (in Kinos nach der Vorstellung z.B.) die - mutigeren - Damen auch gerne das leerere Herrenklo mitbenutzen. Etwas mehr Traute! Es ist NUR ein Klo! In der gemischten Sauna trifft man sich auch nackt wieder.
rønneberg 15.06.2015
4.
also, eine Toilette für Männer, eine für Frauen, eine für Mann-Frau-Transgender, eine für Frau-Mann-Transgender, wo wird das enden?
Onsom2000 15.06.2015
5. ???
Die Schule definiert M.E., dass der Zugang zur Toilette nach biologischem Geschlecht (sex) geregelt ist. Die soziale Konstuktion, sich als Mann zu fühlen (gender), wird durch die zusätzliche dritte Toilette berücksichtigt. Die Unterscheidung zwischen sex hat doch gerade seinen Ursprung in der Gendertheorie.
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