Trotz rassistischer Passagen Rudolf Steiners Bücher bleiben zugänglich

Müssen zwei Werke von Rudolf Steiner, Ahnherr der Waldorfschulen, auf den Index? Die Prüfstelle für jugendgefährdende Medien hat heute entschieden: Manche Steiner-Aussagen sind rassistisch, dennoch dürfen die Bücher weiterhin verbreitet werden - kommentiert.


"Die Menschen, welche ihr Ich-Gefühl zu gering ausgebildet hatten, wanderten nach dem Osten, und die übriggebliebenen Reste von diesen Menschen sind die nachherige Negerbevölkerung Afrikas geworden", dieser Satz stammt von Rudolf Steiner, dem Erfinder der Antroposophie. Zwei seiner Bücher sind wegen rassistischer Aussagen ins Visier des Bundesfamilienministeriums geraten. Trotzdem wandern sie nicht auf den Index, hat die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien heute entschieden.

Rudolf Steiner: Säulenheiliger der Waldorf-Bewegung
DPA

Rudolf Steiner: Säulenheiliger der Waldorf-Bewegung

Rudolf Steiner (1861 bis 1925) ist Urheber der Lehre von der "Weisheit vom Menschen", auf der die Waldorfpädagogik gründet. Immer wieder hieß es in der Vergangenheit, Steiner verbreite auch Rassismus. "Geisteswissenschaftlichen Menschenkunde" und "Die Mission einzelner Volksseelen im Zusammenhang mit der germanisch-nordischen Mythologie" heißen seine Werke, die wiederholt moniert wurden.

Darin schreibt Steiner unter anderem über die "passive Negerseele", die "völlig ihrer Umgebung, der äußeren Physis hingegeben" sei. Die "kaukasische Rasse" dagegen soll "den Weg machen durch die Sinne zum Geistigen, denn sie ist auf die Sinne hin organisiert".

Die beiden Bücher seien "geeignet, Kinder und Jugendliche sozialethisch zu desorientieren", weil sie "Rassen diskriminierende Aussagen" enthielten, schrieb das Bundesfamilienministerium kürzlich - und stellte den Antrag, die Bücher in das Verzeichnis der jugendgefährdenden Schriften aufzunehmen. Es handele sich "keinesfalls um Zufallsprodukte oder durch den Zeitgeist bedingte rassistische Stereotype". Vielmehr seien die Aussagen als "Ausprägungen einer spezifisch Steinerschen esoterischen Rassenkunde" zu sehen.

Die Vorwürfe des Bundesfamilienministeriums wurden von der Prüfstelle teilweise bestätigt. Bestimmte Passagen seien durchaus als "rassistisch" zu werten, sagte die stellvertretende Vorsitzende Petra Meier. Die Werke würden dennoch nicht in das Verzeichnis der jugendgefährdenden Schriften gesetzt, weil der betroffene Verlag zugesichert habe, die Bücher durch kommentierte Neuauflagen zu ersetzen.

Der Bund der freien Waldorfschulen begrüßte die Entscheidung. Es sei eine gute Sache, dass der Rudolf-Steiner-Verlag gewisse Textstellen von Steiner in Zukunft kommentieren wolle. Rassistische Inhalte hätten im Unterricht der Waldorfschulen, die in Deutschland rund 80.000 Schüler besuchen, ohnehin keinen Platz.

kat/dpa

Forum - Rudolf Steiner - ein Rassist?
insgesamt 358 Beiträge
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LurchiD 04.09.2007
1.
Zitat von sysopDie Prüfstelle für jugendgefährdende Medien muss über eine heikle Frage entscheiden: War Rudolf Steiner, Inspirator der Waldorfschulen, ein Rassist? Und Ihre Meinung?
Ob Rudolf Steiner ein Rassist war oder nicht, soll jeder selbst entscheiden können. Und hierzu muß man ihn gelesen haben. Die Prüfstelle für jugendgefährdende Medien soll sich lieber mit Ego-Shootern, Handy-Pornos und Fascho-Rock beschäftigen als mit philosophischen Schriften. Junge Menschen, die philosophische Schriften lesen, stehen meiner Auffassung nach dem Rassismus nämlich eher fern.
BeckerC1972, 04.09.2007
2.
Zitat von LurchiDOb Rudolf Steiner ein Rassist war oder nicht, soll jeder selbst entscheiden können. Und hierzu muß man ihn gelesen haben. Die Prüfstelle für jugendgefährdende Medien soll sich lieber mit Ego-Shootern, Handy-Pornos und Fascho-Rock beschäftigen als mit philosophischen Schriften. Junge Menschen, die philosophische Schriften lesen, stehen meiner Auffassung nach dem Rassismus nämlich eher fern.
Manch einer würde "Mein Kampf" wahrscheinlich auch als Philosophie betrachten und es gibt eine Menge Philosophien, die sehr wohl crude und menschenverachtende, als auch jugendgefährdende, Inhalte haben. Einige von denen sind sicherlich auch wesentlich jugendgefährdender als wackelnde Möpse auf irgendwelche Handy-Displays. (ja, ich sprach von Hunden....). In so fern MUSS sich Stelle damit beschäftigen, dazu ist sie schließlich da.
*Saskia, 04.09.2007
3.
Zitat von LurchiDOb Rudolf Steiner ein Rassist war oder nicht, soll jeder selbst entscheiden können. Und hierzu muß man ihn gelesen haben. Die Prüfstelle für jugendgefährdende Medien soll sich lieber mit Ego-Shootern, Handy-Pornos und Fascho-Rock beschäftigen als mit philosophischen Schriften. Junge Menschen, die philosophische Schriften lesen, stehen meiner Auffassung nach dem Rassismus nämlich eher fern.
So genau kenne ich Steiners Schriften nicht, um das beurteilen zu können. Und auch weiß ich nicht was Anlaß gab, den Texten nun auf den Zahn fühlen zu wollen. Akutere Gefahr werte ich ähnlich wie Sie. Allerdings bin ich nicht der Meinung, daß Jugendliche, die sich mit philosophischer Literatur beschäftigen, relativ sicher sind vor radikalen, rassistischen sonstwie schädlichen Einstellungen. Vielleicht sogar ganz im Gegenteil, und zwar wenn sich extreme Ideologien zu Dogmen verfestigen und immer mehr das Verlangen hervorrufen für die Ideale nun auch persönlich einzutreten. Das kann Nazigedankengut genauso sein wie linksradikales oder auch religiöses wie aktuell bei diversen radikalen Moslems, aber auch einigen Christen zu sehen. Aus welchem Anlaß wurde in Bezug auf Steiners Schriften so ein Komitee beaufttragt?
*Saskia, 04.09.2007
4. eklatanter Skandal
Ich habe inzwischen gegoogelt, unter anderem diesen aufschlußreichen Link gefunden: http://www.trend.infopartisan.net/trd0500/t160500.html Und das ist wirklich ein eklatanter Skandal! Zunächst müßte man der Frage nachgehen, sind solche Formulierungen und Philosophien auch in Steiners Texten zu finden. Dann wo diese Geisteshaltung genau vertreten wird, sind es einzelne, die man aus dem Verkehr ziehen kann, oder ist das überall die aktuell vermittelte Lehre? Wenn sowohl Steiner als auch der Grundtenor der aktuell gelehrten Anthroposophie diese rassistische Haltung einnimmt, kann man nur radikal alle anthroposophischen schließen.
*Saskia, 04.09.2007
5.
... und die Anthroposophen wiegeln ab, die Untersuchung sei ins Rollen gekommen, weil ein einzelner Bürger die Anthros aus Unzufriedenheit brandmarken wolle. Inhaltliche Gedanken läßt der Autor nicht zu. Damit erweist der Autor den Anthroposophen einen Bärendienst. http://www.waldorf.net/html/aktuell/indexierungsverfahren.htm
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