Überwachung in Großbritannien Schule hängt Kameras in Toiletten auf

Auf dem Schulklo kann man Unfug machen, dort merkt es keiner? Von wegen. Eine britische Schule hat ihre Videoüberwachung auf Toiletten ausgeweitet. Manche Kinder weigern sich nun, sie zu benutzen.

Überwachungskamera auf einer Toilette der Summerhill School in Kingswinford
South West News Service

Überwachungskamera auf einer Toilette der Summerhill School in Kingswinford


Auf den Toiletten hätten manche Schüler nicht die "hohen Standards für Verhalten" an den Tag gelegt, die seine Schule erwarte. Deshalb habe man beschlossen, dort ebenfalls Überwachungskameras anzubringen. So begründet der Leiter einer Sekundarschule in Großbritannien eine Entscheidung, die Schüler und Eltern verärgert und verunsichert.

Kameras auf dem Klo seien "übergriffig" und "gruselig", zitiert die Zeitung "Birmingham Mail" eine Mutter. Ihr Sohn wolle nicht mehr in der Schule auf die Toilette gehen.

Fotos in britischen Medien zeigen eine Kamera, die direkt über zwei Pissoirs hängt und eine, die über einer Toilettentür angebracht ist. In Großbritannien ist Videoüberwachung an öffentlichen Orten stärker verbreitet als in Deutschland. Doch dieser Fall geht auch im Vereinigten Königreich vielen zu weit.

Eine Mutter von zwei Neuntklässlern berichtete, dass ihre Kinder sich auf den Schultoiletten beobachtet fühlten und sich weigerten, diese zu benutzen. Mobbing oder Sachbeschädigung könnten auch Klassensprecher oder Lehrer verhindern, die in den Pausen auf den Toiletten die Aufsicht übernehmen könnten. Dafür müsse man die Kinder nicht filmen. "Viele Eltern fordern nun, das Videomaterial sehen zu dürfen."

Der Leiter der Summerhill School im englischen Kingswinford, James Bowkett, versicherte laut BBC und anderen Medien, die Kameras filmten keine "sensiblen Bereiche" wie Pissoirs oder Kabinen. Sie seien lediglich dafür da, zu überwachen, wer die gemeinschaftlichen Bereiche der Toiletten betrete und verlasse.

Die Organisation Big Brother Watch kritisierte allerdings, dass die Kameras dafür nicht in der Toilette hängen müssten. Man könne Kindern hohe Verhaltensstandards auch beibringen, ohne ihre Privatsphäre zu verletzen.

Aktivisten von Big Brother Watch hatten vor fünf Jahren bereits angeprangert, dass laut eigener Auswertungen mehr als 200 britische Schulen Überwachungskameras in Schultoiletten oder Umkleideräumen installiert hätten.

Für heftige Kritik sorgte im Februar auch ein Pilotprojekt an zwei britischen Schulen, die Lehrer mit Bodycams ausstatten wollten. Die Kameras, die die Pädagogen am Körper trügen, sollten Störenfriede im Unterricht abschrecken.

lov



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