Ungerechtes Schulsystem Nur jedes zehnte Einwandererkind macht Abitur

Abitur und hinterher ein Studium, noch immer gelingt das Einwandererkindern nur selten. Ihre Chancen an Schulen und Unis sind deutlich schlechter als die von Kindern deutscher Eltern. Das sei "Talentverschwendung", heißt es in einer neue Studie zur Benachteiligung von Migranten.

DPA


Von "eklatanter Ausgrenzung" und "sozialer Segregation" spricht Barbara John. Sie war einst Ausländerbeauftragte für Berlin, mittlerweile leitet sie den Paritätischen Wohlfahrtsverband in der Hauptstadt - und hat oft genug mit denselben Themen zu tun wie früher. Jetzt wählte sie dramatische Worte und kritisierte die "Talentverschwendung, die wir seit Jahren betreiben".

John stellte am Mittwoch eine neue Studie ihres Verbandes vor, die zu dem Schluss kommt: Einwandererkinder werden an Deutschlands Schulen weiterhin nicht ausreichend gefördert, vielmehr werden sie konsequent benachteiligt. "Fast jeder dritte Jugendliche in Deutschland hat einen Migrationshintergrund, und wir können vielen von ihnen kein sachgerechtes Bildungsangebot machen", sagte John und forderte deshalb durchgreifende Reformen an den Schulen.

Der neue Bericht des Wohlfahrtsverbandes zu den Bildungschancen von Migranten zeigt erneut, wie ungerecht es im deutschen Bildungswesen zugeht. Danach erreichen Kinder ausländischer Herkunft zwar zunehmend höhere Bildungsabschlüsse, aber ihr Rückstand auf Kinder mit deutschen Eltern blieb in den vergangenen Jahren nahezu unverändert. Das hatten schon die Pisa-Studien gezeigt. Erst Ende 2009 offenbarte eine OECD-Studie außerdem, wie selbst hochqualifizierte Einwandererkinder auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt werden. Und oft geht die Diskriminierung bei der Stellensuche weiter, wenn Kandidaten mit deutschen Namen den Bewerbern mit ausländisch klingenden Namen vorgezogen werden - bei gleicher Qualifikation.

Dem aktuellen Bericht zufolge absolviert mittlerweile jeder dritte deutsche Schüler das Abitur, aber nur jeder zehnte Ausländer. Danach verschärfe sich dieser Trend sogar noch: Bei lediglich 2,9 Prozent der Studenten in Deutschland handle es sich um Ausländer, die in Deutschland Abitur gemacht haben. Die Schulen ohne Abschluss verließen dagegen 15 Prozent der Ausländerkinder, jedoch nur 6 Prozent der Deutschen.

Doppelte Benachteiligung für Einwandererkinder

John mahnte einen grundlegenden Umbau des deutschen Schulsystems an: "Nicht die Kinder müssen sich an die Schule anpassen, sondern die Schule muss sich an die Kinder anpassen." Unter anderem warb sie für eine "schulische Bildungsgarantie", damit kein Jugendlicher die Schule verlässt, ohne ausreichend lesen und rechnen zu können. "Das muss eine Schule leisten", so John. Notfalls müsse es eine Förderung über den Unterricht hinaus geben, denn klassische Nachhilfestunden könnten sich viele Einwandererfamilien nicht leisten - ebensowenig wie andere sozial benachteiligte Familien.

"Unser Bildungssystem fördert die soziale Segregation, reproduziert und zementiert soziale Ungleichheiten", sagte Barbara John. Schüler aus Einwandererfamilien seien "doppelt schwer benachteiligt". Statt die Mehrsprachigkeit und kulturelle Vielfalt der Kinder und Jugendlichen mit Migrationshintergrund zu wertschätzen und zu fördern, werde dieses Potenzial von den Erziehungs- und Bildungsinstitutionen weitestgehend ignoriert.

Sie forderte mehr Entscheidungsfreiheit für Schulen, wie sie ihr Lehrangebot gestalten, welche Lehrer sie einstellen und welche Förder- und Ganztagsangebote sie leisten wollen. Nur so könnten die Bildungsstätten sich individuell auf ihr Klientel einstellen. Um die Schüler mit Migrationshintergrund zu unterstützen, sollten Schulen zu "Integrationszentren" werden, die auch Eltern ausländischer Familien stärker einbinden und enger Migranten-Organisationen, Jugendhilfe und Jugendsozialarbeit zusammenarbeiten. Zudem sollte Deutsch als Fremdsprache durchgehend gefördert werden, nicht nur in Kindergärten und Grundschulen.

Der Paritätische Wohlfahrtsverband in Hamburg hat sich erneut für die umstrittene Schulreform ausgesprochen. "Die frühe Trennung nach der vierten Klasse zementiert soziale Ungleichheiten und raubt vielen Kindern Bildungs- und damit Zukunftschancen", sagte Sylvia Känner, Referentin für Kitas und Schulen. Die Hamburger schwarz-grüne Koalition plant ein längeres gemeinsames Lernen in Primarschulen - sechs statt vier Jahre. Darüber entscheiden die Bürger bis zum 18. Juli per Volksentscheid.

otr/dpa/ddp

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Seite 1
juergw. 09.06.2010
1. Wieso ungerecht ?
Zitat von sysopAbitur und hinterher ein Studium, noch immer gelingt das Einwandererkindern nur selten. Ihre Chancen an Schulen und Unis sind deutlich schlechter als die von Kindern deutscher Eltern. Das sei "Talentverschwendung", heißt es in einer neue Studie zur Benachteiligung von Migranten. http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/0,1518,699702,00.html
Wenn meine Mutter aus Anatolien weder schreiben noch lesen kann und die Satelitenschüssel aufs Türkische TV gerichtet ist !Was ist so schlimm daran ?Werde ich Gemüsehändler ohne Abitur !Oder werde mit 16 Jahren verheiratet .Üblich seit 100 Jahren............!
freiheitsglocke 09.06.2010
2. Integration
Zitat von sysopAbitur und hinterher ein Studium, noch immer gelingt das Einwandererkindern nur selten. Ihre Chancen an Schulen und Unis sind deutlich schlechter als die von Kindern deutscher Eltern. Das sei "Talentverschwendung", heißt es in einer neue Studie zur Benachteiligung von Migranten. http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/0,1518,699702,00.html
Ich schlage vor, das Abitur zusammen mit dem Hauptschulabschluss auzuhändigen, damit die "Talente" es nicht so schwer haben, unsere Universitäten zu bereichern. Denn: Schuld ist natürlich das System! Okay, vielen Einwanderern wie Polen, Engländern, Franzosen und Russen fällt der Weg zum Abitur wenig schwer. Aber wir müssen auch an die vielen Muslime denken, die wir unter keinen Umständen assimilieren dürfen, da wir damit ihre Würde zerstören würden. Also, liebe Polen: Integrieren Sie sich bitte in den Islam! Wir Einheimische machen es schon seit Jahren vor!
Transmitter, 09.06.2010
3. Klassenbildung förderndes Schulssystem
Zitat von sysopAbitur und hinterher ein Studium, noch immer gelingt das Einwandererkindern nur selten. Ihre Chancen an Schulen und Unis sind deutlich schlechter als die von Kindern deutscher Eltern. Das sei "Talentverschwendung", heißt es in einer neue Studie zur Benachteiligung von Migranten. http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/0,1518,699702,00.html
Es ist noch viel schlimmer. Ausgerechnet diejenigen, die uns "multikulturelle Gesamtschulen" verordnen, schicken ihren eigenen Nachwuchs selbstverständlich auf private "Ausländer freie" Eliteschulen. Wie z. B. Hannelore Kraft, SPD-MP-Kandidatin in NRW oder Christa Goetsch. grüne Bildungsenatorin Hamburgs. Und wer die Schülerliste der "alternativen Kaderschmiede" Odenwaldschule gelesen hat, fällt geradezu vom (linken) Glauben ab. Hier wurde und wird ganz offensichtlich eine rassisch rein deutsche Bildungsbürger-Elite herangezüchtet. Inklusive Ausstattung mit machtvollen Netzwerken in Politik und Medien. Was ist eigentlich los in diesem Land? Warum werden die Bürger hier von den Herrschenden so perfide verarscht, belogen und betrogen? Weil sie sich das widerstandslos gefallen lassen? Oder weil ihnen die Wahrheit verschwiegen wird?
steinaug 09.06.2010
4. Lernen
Wie wäre es mit Sprache lernen, Hausaufgaben machen und Leistung bringen ? Und woran liegt es, dass Veitnamesen hervorragende Leistungen bringen, sogar bessere als Einheimische? Die Schulversager sind nur eine ganz bestimmte Migrantengruppe, die nicht genannt werden darf. Diese ganz bestimmte Migrantengruppe sollte aufhören unverschämte Sonderwünsche anzumelden und dauerbeleidigt zu sein, sondern sich integrieren.
albert schulz 09.06.2010
5. wo lebe ich ?
Eine Schule, die zwanzig Prozent oder in Problembezirken mehr ihrer Schüler ohne Abschluß entläßt, hat ein Problem, nämlich keinen Sinn. Unsere Gesellschaft braucht nicht ein paar Millionen Schuhputzer und Nutten. Außerdem würden wir unsere Sozialsysteme vollkommen demolieren. Ganz nebenbei: Mittlerweile haben über fünfzig Prozent unserer Jugendlichen einen Migrationshintergrund, und siebzig Prozent der angenommenen (!) Lehrlinge.
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