Schule zu Hause Geht doch auch so

Sie jagen im Wald Tiere, statt Matheklausuren zu schreiben, sie backen Brot, statt Gedichte auswendig zu lernen: Die Fotografin Rachel Papo hat Kinder besucht, die von ihren Eltern zu Hause unterrichtet werden - und dabei ihre Vorurteile verloren.

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Rachel Papo/INSTITUTE

Im Norden des US-Bundesstaates New York hatte es stark geschneit. Es war sehr kalt, und die Dämmerung brach herein. Doch dieses Holzhaus in der Einöde strahlte eine gewisse Sicherheit aus. Aus einem Raum drang Licht nach draußen, drinnen schien ein Vater seiner Tochter etwas zu erklären.

US-Fotografin Rachel Papo hat diese Szene aufgenommen. "Der Kontrast zwischen Kälte und Wärme, zwischen der Dunkelheit und Licht, das hat mir gefallen", sagt sie. Dieser Moment drücke genau das aus, was sie mit ihrer Fotoserie "Homeschooled" zeigen möchte: Kinder werden in ihrem Zuhause von ihren Eltern unterrichtet - und nicht in der Schule von Lehrern.

Vor fünf Jahren hat Papo damit begonnen, Eltern zu fotografieren, die ihren Kindern Unterricht geben. Papo war damals mit ihrem Mann von New York in die rund 170 Kilometer entfernte Kleinstadt Woodstock gezogen. Dort lernte sie ein Paar kennen, das seine Tochter nicht in die Schule schicken wollte.

Zur Person
  • privat
    Rachel Papo wurde 1970 in Columbus, Ohio geboren und wuchs in Israel auf. Nach ihrem Wehrdienst in der israelischen Armee studiere sie an der Ohio State University Kunst und später Fotografie an der School of Visual Arts in New York. Papo lebt und arbeitet in Berlin. Ihre Fotoserie "Homeschooled" erscheint im Mai als Buch im Kehrer Verlag.
Damals wusste Papo kaum etwas von Hausunterricht - nur, dass in den USA keine Schulpflicht besteht. Und sie hatte Vorurteile: "Ich dachte, dass solche Eltern sicher komisch sind", sagt Papo. Kritiker des Hausunterrichts argumentieren, die Eltern würden ihre Kinder isolieren und könnten ihnen niemals all das beibringen, was Lehrer könnten. Wer an Homeschooling denkt, der denkt oft auch an strenge Christen, die Angst haben, dass die Evolutionstheorie ihre Kinder durcheinanderbringen könnte.

Zuerst wollte die Fotografin nur die Tochter ihrer Bekannten porträtieren, schnell merkte sie aber, dass sie dem Thema nicht mit dem Porträt einer Schülerin gerecht werden könnte - zu unterschiedlich sind die Gründe, warum Eltern ihre Kinder nicht in die Schule schicken wollten, zu vielseitig die Arten des Lernens daheim.

Einige Eltern, die Papo fotografierte, konnten sich nicht vorstellen, ihre Kinder in überfüllten Klassen unterrichten zu lassen. Andere hatten Angst, sie könnten in der Schule gemobbt werden. Wieder andere wollten einfach viel Zeit mit ihren Kindern verbringen.

Fotografin Papo war erstaunt, wie sehr sich die Eltern für die Ausbildung ihres Nachwuchses aufopferten und wie enthusiastisch sie Wissen vermittelten. "Wenn sie sich in einem Fachgebiet nicht auskannten, dann engagierten sie Tutoren oder Privatlehrer. Und damit die Kinder auch unter Altersgenossen sein könnten, schickten sie sie in Lerngruppen und in der Freizeit in Vereine oder Jugendtreffs."

Angst, die Kinder könnten Opfer eines Amoklaufs werden

Papo sagt, viele der Eltern seien sehr gut ausgebildet und organisiert gewesen, warmherzig und realistisch. Für ihre Fotoserie hat Rachel Papo die Kinder beim Backen fotografiert, beim Lesen, Malen und Erkunden des Waldes. Die Natur habe bei vielen Eltern eine große Rolle gespielt - aber nur, weil viele Familien auf dem Land lebten.

Viele der Homeschool-Schüler lernten in der Natur nicht nur verschiedene Pflanzen und Tiere kennen, sondern auch das Jagen, sagt Papo. Der Umgang mit Waffen sei Teil ihres Lebens. Kurios sei das, weil viele Eltern auch sagten, sie hätten Angst davor, ihr Kind könnte Opfer eines Amoklaufes in der Schule werden. Auch dies sei ein Grund, sie zu Hause zu unterrichten.

Vor zweieinhalb Jahren zog die Fotografin nach Deutschland. In Berlin wollte sie "Homeschooled" weiter führen, aber sie merkte schnell, dass sie dort niemanden für ihre Serie fotografieren könnte. In Deutschland achtet der Staat darauf, dass die Schulpflicht eingehalten wird. Ansonsten drohen Eltern Bußgelder oder sogar das Gefängnis.

Papo selbst ist in all den Jahren nicht zu einer Befürworterin des Hausunterrichts geworden und will, dass ihre Kinder in die Schule gehen, sobald sie alt genug sind. Papo sagt, sie habe die Schule immer gemocht. Sie kann sich nicht vorstellen, dieser Anforderung gerecht zu werden, so viel Zeit zu investieren. Man müsse für den Hausunterricht einfach zu viel opfern.

Homeschooling

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Seite 1
a.totok 26.12.2015
1.
so na denn? auf gehts. jede familie in deutschland geht jetzt tiere im wald jagen und baut getreide fürs eigene brot an. ach ja stimmt ja.. das land ist viel zu klein um die bevölkerung aus landwirtschaftlicher produktion zu ernähren. solche utopischen träume sollten nicht noch von irgendwelchen verblendeten propagiert werden.
m.m.s. 26.12.2015
2. Homeschooling funktioniert 100%
Nur angeblich in Deutschland werden Kinder angeblich durch Homeschooling geschädigt. Ach, hatte ja übersehen, dass die Beurteilung durch Behördenmitarbeiter erfolgt.
Bildungsfreiheit 26.12.2015
3. Bericht sehr einseitig
Bildung ohne Schulbesuch wird weltweit immer beliebter. Die Ergebnisse sind wesentlich besser als bei Schulbesuchern, auf allen Gebieten, vor allem für die Gesundheit der jungen Menschen. Der Artikel bedient leider das Cliche von abgelegen Wohnorte und primär Eltern unterrichten ihre Kinder zu Hause am Küchentisch und / oder schwerpunktmässig mit Ihren Interessengebieten. Fakt ist, immer mehr junge Menschen in Städten nutzen Distanz-Learning (Homeschooling ist als Wort und Inhaltlich Begriff lange out). Auch wenn sie direkt neben einer Schule wohnen, und diese noch so renommiert ist. Sie suchen sich was Sie brauchen über das Internet und lernen was sie wollen, direkt mit den Menschen die dies auch wirklich im realen Leben tun. Eltern als primärer Vermittler von Wissen und Erfahrung in 2015 darzustellen ist viel zu schmalspurig.
Atheist_Crusader 26.12.2015
4.
Zitat von m.m.s.Nur angeblich in Deutschland werden Kinder angeblich durch Homeschooling geschädigt. Ach, hatte ja übersehen, dass die Beurteilung durch Behördenmitarbeiter erfolgt.
Ja, in der Theorie. In der Praxis hängt es SEHR von den Eltern ab. Und seien wir ehrlich: die große Mehrzahl der Eltern die nichts mit Staat und Gesellschaft zu tun haben möchten, sind nicht das was man als gebildete, sozial kompetente Individuen bezeichnen würde. Natürlich gibt es Ausnahmen. Aber so wie es Kinder gibt, die schon mit 14 verantwortungsvoller mit Alkohol umgehen oder besser Auto fahren können als manche Erwachsene, macht man das deswegen noch lange nicht zum Standard. Nicht, dass unser Schulsystem nicht reformbedürftig wäre. Denn das ist es. Aber ich traue dem immer noch mehr zu als 99% der Leute die sagen "Ich kann das aber besser!".
wauz 26.12.2015
5. Die zwei Gesichter der USA
Es gibt durchaus eine Schulpflicht in einigen Staaten der USA siehe da (http://www.infoplease.com/ipa/A0112617.html). In den Staaten, in denen es keine Schulpflicht gibt, ist die Freiheit sehr relativ, denn wenn man in die Schule geht, muss man sich sehr rigiden regeln unterwerfen, bis hin zur Prügelstrafe. Wer also meint, die USA wären leuchtendes Vorbild für die Welt, geht fehl.
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