Christen-Sekte "Zwölf Stämme" Gericht bestätigt vorläufigen Entzug des Sorgerechts

Die Kinder der "Zwölf Stämme" bleiben vorerst in Pflegefamilien. Bei einem Großeinsatz hatte die Polizei sie aus der umstrittenen Urchristen-Sekte in Bayern geholt. Das zuständige Gericht bestätigte jetzt den vorläufigen Entzug des Sorgerechts.

Zwölf Stämme in Klosterzimmern: Kinder bleiben vorerst in Pflegefamilien
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Zwölf Stämme in Klosterzimmern: Kinder bleiben vorerst in Pflegefamilien


Die Mitglieder der umstrittenen Glaubensgemeinschaft "Zwölf Stämme" sind vor Gericht damit gescheitert, ihre Kinder schnell zurückzubekommen. Das Amtsgericht Ansbach entschied, der "vorläufige teilweise Entzug des elterlichen Sorgerechts" werde aufrechterhalten.

Der Hintergrund: Vor einigen Wochen hatten bayerische Behörden 40 Kinder aus den Gemeinschaften in Klosterzimmern und Wörnitz geholt. Es habe "neuerliche Hinweise auf erhebliche und dauerhafte Kindesmisshandlung durch die Mitglieder" gegeben, teilte das Landratsamt Donau-Ries damals mit. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Misshandlung Schutzbefohlener und schwerer Körperverletzung. Die Erwachsenen der Gemeinschaft sollen die Kinder mit Weidenruten schlagen.

Die bibelfromme Gemeinschaft ist sehr umstritten: Aussteiger warfen den rund hundert Bewohnern des Klosters im vergangenen Jahr im "Focus" vor, ihre Kinder mit der Rute zu misshandeln. Die Gemeinschaft wies die Vorwürfe damals zurück und erklärte: "Wir sind eine offene und transparente Gemeinschaft, die keine Form von Kindesmisshandlung duldet."

Nun hatte sich ein RTL-Reporter in die Gemeinschaft eingeschlichen und in mehreren sogenannten Bestrafungsräumen Kameras und Mikrofone installiert. Seine Aufnahmen schockieren: Sie zeigen weinende Jungen und Mädchen, denen eine Frau mit einem Stock auf den Po schlägt. Damit lieferte er offenbar die Beweise, die den Behörden bislang fehlten, und löste so den Großeinsatz der Polizei aus. Danach begannen dann erste Verfahren vor dem Amtsgericht Ansbach in Bayern.

Nachdem das Gericht sich die Aussagen der Kinder, Eltern und früherer Mitglieder der Sekte angehört sowie die Videobänder des Reporters angeschaut hatte, entschied es jetzt: Die Kinder bleiben vorerst bei Pflegefamilien und kehren nicht zur Sekte zurück. Man wolle unter anderem "familienpsychologische Sachverständigengutachten" einholen, das könne mehrere Monate dauern.

otr/fln

insgesamt 21 Beiträge
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ichliebeeuchdochalle 24.09.2013
1. bibeltreu
Wie paßt das zusammen "bibeltreu" und "lügen": "Wir sind eine offene und transparente Gemeinschaft, die keine Form von Kindesmisshandlung duldet."
altebanane 24.09.2013
2. Jenau,
nehmt den Christlich-konservativen die Kinder weg. Sind eh schon zu viele.
Edgard 24.09.2013
3. Ich bin sicher...
daß für solche Fundis das Schlagen ebensowenig unter den Begriff der Mißhandlung fällt wie bei anderen Religionen die Beschneidung und andere archaische strafen - ist ja schließlich alles angeblich Gottgewollt ! Daher ist die konsequente Trennung von Religion und Staat unumgänglich.
raber 24.09.2013
4. Bibelfromme Prügeler
Christen-Sekte nennt sich so etwas? Gut, dass es noch Medien wie Focus und Spiegel gibt die solche Sachen aufdecken. Diese Eltern die ihre und vielleicht auch andere Kínder so bestrafen sind nicht ganz normal und müssen wohl ihre Traumata aufarbeiten. "Bibelfromm" ist hier wohl wieder Interpretationssache. Wusste die Kirche von dieser komischen Gemeinschaft oder kamen Priester dort zu Besuch? Wie ist diese Gemeinschaft an ein Kloster gekommen?
AuchNurEinNick 24.09.2013
5.
Zitat von altebananenehmt den Christlich-konservativen die Kinder weg. Sind eh schon zu viele.
Ich bin sicherlich nicht christlich-konservativ aber christlich-konservativ hat in dieser Diskussion ziemlich wenig verloren. Bei den zwölf Stämmen reden wir über christliche Hardcore-Fundamentalisten. Die haben die christlich-konservative Ebene schon längst weit, weit hinter sich gelassen.
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