Urteil gegen Britin 16-Jährige darf keinen Keuschheitsring tragen

Ihren Keuschheitsring muss eine 16-jährige Britin im Unterricht ablegen. Ein Londoner Gericht bestätigte die Entscheidung einer Schule, die ihr das Tragen verboten hatte. Die Pastorentochter ist von dem Urteil "sehr enttäuscht".


Die 16-jährige Britin Lydia Playfoot darf ihren Keuschheitsring in der Schule nicht tragen. Ein Gericht in London bestätigte die Entscheidung einer Schule in Horsham im Südosten Englands, die der Schülerin das Tragen mit dem Hinweis auf die Kleiderordnung verboten hatte. In den Ring ist ein Bibelvers eingraviert, der zur sexuellen Enthaltsamkeit vor der Ehe aufruft.

Lydia Playfoot (16) mit Keuschheitsring: "Moralische und ethische Krise"
AFP

Lydia Playfoot (16) mit Keuschheitsring: "Moralische und ethische Krise"

Wenn Musliminnen in der Schule ein Kopftuch tragen dürfen und Sikhs einen Turban, müsse ein Christ doch auch einen Ring anlegen dürfen, argumentierten die Anwälte der Pastorentochter. Sie bezeichneten es als Eingriff in die Menschenrechte, dass das Mädchen gezwungen werde, ihren Schmuck abzulegen.

Das Gericht ist anderer Ansicht. Es stellte fest: Der Keuschheitsring ist kein Bestandteil des christlichen Glaubens. Nach der Kleiderordnung der Schule sei das Tragen von Schmuck untersagt.

Die Schülerin zeigte sich von dem Urteil "sehr enttäuscht". Mit ihrem Ring wolle sie nicht nur ihre christlichen Ansichten über Sex äußern, sondern diese auch vor Gott und ihrem späteren Ehemann demonstrieren. Das Gerichtsurteil deute darauf hin, dass "nach und nach" alle Institutionen Christen daran hindern dürften, "öffentlich ihren Glauben auszudrücken und auszuüben". Das Mädchen sprach von einer "moralischen und ethischen Krise" und verwies auf zahlreiche Mitschülerinnen, die schwanger geworden seien.

Ihr Vater, ein Pastor in Horsham, beklagte einen zunehmenden "laizistischen Fundamentalismus". Seine Frau und er engagieren sich im britischen Ableger der aus den USA kommenden Bewegung "Silver Ring Thing", die sich gegen vorehelichen Sex stark macht. Der Gruppe zufolge haben 25.000 junge Briten dem vorehelichen Sex entsagt. Der Pastor betonte: Seine Tochter sei nicht von ihm beeinflusst worden. Sie handele aus freien Stücken.

kat/afp/ap



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