Gefälschte Abschlüsse Hochstapler-Lehrerin bekommt Bewährungsstrafe

Sie unterrichtete jahrzehntelang in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Berlin und Schleswig-Holstein - mit gefälschten Abschlüssen und Urkunden. Die 50-jährige falsche Lehrerin wurde nun in Kiel zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt.

Mit gefälschten Papieren in den Schuldienst: Angeklagte vor dem Amtsgericht Kiel
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Mit gefälschten Papieren in den Schuldienst: Angeklagte vor dem Amtsgericht Kiel


Eine Frau, die in mehreren Bundesländern mit gefälschten Zeugnissen unterrichtet hat, ist vom Amtsgericht Kiel wegen Betrugs und Urkundenfälschung zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt worden.

Sowohl Verteidigung als auch Staatsanwalt hatten Bewährungsstrafen gefordert. Die Richterin bescheinigte der Frau eine hohe kriminelle Energie.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die 50-Jährige aus Wismar zunächst ihr Diplom in Deutsch und Staatskunde, das sie noch in der ehemaligen DDR erhalten hatte, manipuliert hatte, um als Lehrerin arbeiten zu können. In den folgenden Jahren hatte sie dann immer wieder Urkunden mit Abschlüssen gefälscht.

Die Frau räumte vor Gericht ein, für ihre Staatsexamina und andere Urkunden über 20 amtliche Stempel gefälscht zu haben, um ihren Papieren den Anschein von Echtheit zu geben. Die Frau schönte nach eigenen Angaben nach der Wende aus Angst vor Arbeitslosigkeit ihre Vita.

So gab sie unter anderem vor Gericht zu, Examenszeugnisse gefälscht zu haben, denen sie zufolge Prüfungen an einer Universität in Nordrhein-Westfalen absolviert hatte. Sogar eine Promotion hatte sie vorgetäuscht. Auch das Abiturzeugnis war offenbar nicht echt.

Seit Anfang der Neunzigerjahre hatte die Frau auf der Grundlage dieser selbst angefertigten Abschlüsse in mehreren Bundesländern als Lehrerin gearbeitet. Erst Ende 2012 wurde die mutmaßliche Hochstaplerin vom Schuldienst suspendiert. Ein psychiatrischer Sachverständiger bescheinigte der Angeklagten volle Schuldfähigkeit. Er sehe keinerlei Anzeichen für psychische Erkrankungen, hatte der Facharzt bei einer früheren Verhandlung gesagt. Die Frau habe aber "irgendwann aus ihrem Lügengebilde nicht mehr aussteigen können und immer Angst gehabt, dass sie auffliege".

Von Mecklenburg-Vorpommern nach Brandenburg und Berlin

Ihren Aussagen zufolge gab es bereits an ihrer ersten Station als Lehrerin in Wolgast Verdachtsmomente gegen sie. Daraufhin wechselte sie nach Brandenburg. Von dort zog sie weiter nach Berlin. Dort ließ sie sich im Zusammenhang mit einem Disziplinarverfahren gegen sie aus dem Beamtenverhältnis auf Probe entlassen.

Das hinderte sie aber nicht, mit falschen Papieren ab 2008 an einem Gymnasium in Mölln als Studienrätin tätig zu werden. 2010 wurde die Schulleitung misstrauisch. Ende 2012 wurde sie suspendiert, Anfang 2013 aus dem Beamtenverhältnis entlassen. Danach arbeitete sie noch an zwei Schulen in der Nähe von Schwerin.

Möglicherweise kommen nun auch hohe Zahlungen auf die Frau zu, weil sie Beamtenbezüge bekommen hat: Mehrere Bundesländer fordern deshalb Rückzahlungen. Nach eigenen Angaben stottert die derzeit arbeitslose Frau eine Rückzahlungsforderung aus Berlin in Höhe von 70.000 Euro mit monatlich 25 Euro ab.

Das Land Schleswig-Holstein reduzierte derweil freiwillig die Rückzahlungsforderungen. Nach Aufhebung des Beamtenstatus hätte die falsche Lehrerin ursprünglich 222.000 Euro zurückzahlen müssen; diese Forderungen seien laut eines Mitarbeiters des Finanzverwaltungsamts auf 133.000 Euro reduziert worden.

bkr/dpa

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