Klage abgewiesen Kinder dürfen Musik machen - auch wenn's nervt

Die Kinder sollen Instrumente lernen, dachten sich Eltern aus München und ließen den Nachwuchs fleißig Saxofon, Tenorhorn und Schlagzeug üben, zum Ärger der Nachbarn. Die klagten vor Gericht - erfolglos.

Kind am Schlagzeug (Symbolbild)
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Kind am Schlagzeug (Symbolbild)


Vier Kinder, die bei sich zu Hause in München regelmäßig Musik machen, dürfen das auch weiterhin tun, selbst wenn dabei mal die eine oder andere Ruhepause übersehen wird. Das hat das Münchner Amtsgericht am Freitag entschieden. Der Richter wies damit die Klage eines benachbarten Ehepaares ab, das von dem Üben genervt war.

Die Kinder hatten regelmäßig auf ihren Instrumenten gespielt, so wie das im Sinne der musikalischen Förderung eigentlich lobenswert ist. Saxofon, Schlagzeug und Tenorhorn dröhnten dabei allerdings zu den Nachbarn im Einfamilienhaus nebenan herüber. Das Ehepaar fühlte sich gestört. Die Klänge würden teils 70 Dezibel überschreiten und Ruhezeiten würden nicht eingehalten, so die Kläger.

Der Richter urteilte jedoch, von minderjährigen Kindern könne die Einhaltung von Regeln nicht ohne weiteres verlangt werden. Außerdem stehe ihre Entwicklung unter besonderem Schutz. Deshalb sei dem Musizieren der Kinder Vorrang einzuräumen.

Der Richter hatte die Lärmprotokolle überprüft und selbst vor Ort getestet, was zu hören ist. Danach kam er zu dem Schluss, dass der Geräuschpegel nicht den "Grad der Unzumutbarkeit erreiche". Es habe auch nur wenige Ausreißer bei der Einhaltung der Ruhezeiten gegeben, schrieb er in der Urteilsbegründung.

fok/dpa

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4meere 18.06.2017
1. Mehr Lärm in Deutschland!
Danke, liebes Gericht! Dass Hektik und Lärm zu viele Menschen krank machen, ist einfach eine Lüge! Uns geht's zu gut - Wir brauchen noch mehr Lärm in Deutschland!
grabenkaempfer 19.06.2017
2.
Wie lange hat der Richter das wohl überprüft? Es ist schon ein Riesenunterschied ob man mal eine halbe Stunde hinhört und weiß das man dann wieder abhauen kann oder ob man schon morgens weiß, das man sich wieder den ganzen Tag Übungsgedudel anhören kann. Die Einhaltung der Ruhezeiten ist dabei auch fast egal wenn es von 15-22Uhr Lärm gibt, dann ist das das Störende und nicht das unter Mittag musiziert wird.
kritischerleser50 19.06.2017
3. Wieso klagen ?
Wie kann es das Ehepaar auch wagen, Klage einzureichen ? Die haben dabei übersehen, dass Kinder in unserem Land mittlerweile in den Rang von "heiligen Kühen" aufgerückt sind, die ALLES dürfen, egal was... Alleine die Formulierung "Die Entwicklung von Kindern steht unter besonderem Schutz". Was bitte heißt das denn ? Ja genau das: Eine heilige Kuh eben... Bald muss dann wohl auch der Rentner aufstehen, wenn ein Kind einen vollen Bus betritt. Nicht falsch verstehen: Ich habe nichts gegen die Kinder. Aber dieser Hype, der mittlerweile um sie gemacht wird, schießt über das Ziel hinaus. Und das wirkt sich auch auf das Anspruchsdenken der Eltern aus ("Wir haben zwei Kinder..." ist dann gerne das Argument von "Na wir haben doch wohl deshalb Sonderrechte, oder ?") Gerne würde ich einmal unsere Ministerin für "Familien, Senioren, Frauen und Jugend" fragen, was ihr Ministerium denn in den letzten, sagen wir mal 5 Jahren, für Senioren auf den Weg gebracht hat. Medienwirksam geht (insbesondere ihre Vorgängerin) ja immer nur vor die Kameras, wenn es um "Kinder" geht.
hikage 19.06.2017
4.
Zitat von 4meereDanke, liebes Gericht! Dass Hektik und Lärm zu viele Menschen krank machen, ist einfach eine Lüge! Uns geht's zu gut - Wir brauchen noch mehr Lärm in Deutschland!
Wer durch musizierende Kinder krank wird, der hat ganz andere Probleme... Im übrigen ist tatsächlich erwiesen, dass neben der Lautstärke die Qualität des Lärms eine entscheidende Rolle spielt, was seine schädliche Wirkung angeht.
seeheldin 19.06.2017
5. Wo kämen wir hin
wenn Eltern ihre Kinder erziehen würden? Regeln sind nun mal für alle da, und es schadet auch Kindern nicht, Rücksicht auf ihre Mitmenschen zu nehmen. Das Einzige, was mich wirklich mit Schadenfreude erfüllt ist, dass diese Kinder auch erwachsen werden und sich dann über die Rücksichtslosigkeit ihrer Mitmenschen und der Nachkommenschaft beschweren können.
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