US-Schule will mehr Selbstständigkeit Helikopter-Eltern - stopp!

Turnbeutel, Frühstücksdosen, Hausaufgabenhefte - weltweit tragen Eltern ihren Kindern vergessene Sachen in die Schule hinterher. Eine Highschool in den USA hat das jetzt verboten.

Eltern-Stoppschild an der Catholic High School for Boys in Little Rock
Facebook/ Catholic High School for Boys

Eltern-Stoppschild an der Catholic High School for Boys in Little Rock


Steve Straessle hatte genug. Genug von vergesslichen Schülern, vor allem aber genug von den Mommys und Daddys, die ihrem Nachwuchs im Laufe des Vormittags noch das vergessene Frühstück, ein liegengebliebenes Schulbuch oder die Sportsachen hinterherbringen.

Zu Beginn des Schuljahres hängte der Schulleiter der Catholic High School for Boys in Little Rock im US-Bundesstaat Arkansas deshalb ein großes Stoppschild an die Eingangstür: "Wenn Sie hier das vergessene Essen, Bücher, Hausaufgaben, Materialien und so weiter für ihren Sohn abgeben wollen, dann drehen Sie jetzt bitte um und verlassen das Gebäude", heißt es auf dem Plakat. "Ihr Sohn wird lernen, seine Probleme auch ohne Sie zu lösen."

"Gerade Teenager setzen oft darauf, dass sie ihre Eltern anrufen, die dann vorbeikommen und alles in Ordnung bringen", sagte Steve Straessle der US-Nachrichtenseite "Today". Man wolle die Schüler an der Highschool aber gerade dazu erziehen, eigene Lösungen zu finden und ein hohes Maß an Selbstständigkeit zu entwickeln. Das Verbot der Material-Nachlieferung für die Schüler gelte schon lange, sei aber immer öfter missachtet worden - deshalb habe er zum neuen Schuljahr das Schild angebracht.

Nachdem die Schule ein Foto des Stoppschilds bei Facebook gepostet hatte, gab es zahlreiche - vor allem positive - Reaktionen.

Auch unter den Schülern und Eltern sei die klare Absage ans Helikopterverhalten gut angekommen, sagte Schulleiter Straessle: Es habe keinerlei Proteste oder negative Reaktionen gegeben. Gewundert habe er sich darüber nicht, schließlich gehe es ja bei vergessenen Broten oder Büchern letztlich nur um Kleinigkeiten.

Die durch das Schild ausgelöste Debatte im Netz ums Elternverhalten - und um die Vergesslichkeit der Schüler - findet der Pädagoge insgesamt aber ziemlich gelungen: "Das ist eine Lektion, die man nicht aus Schulbüchern lernt, die aber genauso wichtig ist wie Integralrechnung oder freies Schreiben."

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insgesamt 103 Beiträge
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Seite 1
andreasclevert 19.08.2016
1. gut so
Herrlich, nicht nur zum Schmunzeln, sondern als klare pädagogische Ansage wohltuend. Wenn ich daran denke, wie sanft, mühevoll und im Ergebnis erfolglos es bei uns an der Grundschule war. Der wiederholte Hinweis der Lehrerinnen, dass es bald schon reiche, die Kinder am Tor zum Schulhof zu verabschieden und der begleitende Gang der Eltern in die Klassenräume nicht immer sinnvoll seien. Verpufft... Vielleicht schlage ich der Grundschule vor, dass wir dieses Schild angepasst auf an die Grundschule auch bei uns aufstellen. Da es hier um High-School geht, auch bei erwachsenen Kindern, Studenten, in meinem Fall sogar Doktoranden kann ich ein Lied davon singen, wie die Curling parents (ein mir lieber gewordener Begriff als die bekannteren Helikoptereltern) Einfluss nehmen (http://wp.me/p4WCtx-7w)
sonicsolar 19.08.2016
2. Fehlt nur noch eins...
Jetzt müsste die Schule nur noch das "katholisch" aus ihrem Namen streichen und die Schüler dazu anleiten, ihr Heil nicht im Beten zu suchen, sondern andere Problemlösungsstrategien zu entwickeln. ;-)
wandfarbe 19.08.2016
3.
@Nr 1: Wer begleitet denn sein Kind ins Klassenzimmer? Und viel wichtiger: Warum? Meinen Sohn begleite ich maximal zur Haustür, den Weg zur Schule muss er selbst zurück legen.
held_der_arbeit88 19.08.2016
4. Gut so
in den USA ist die Überbehütung der Kinder - und der soziale Druck dabei mitzumachen - noch deutlich ausgeprägter als hierzulande. Das Kinder einfach so ohne "Bodyguard" draußen spielen ist die absolute Ausnahme. Die Folgen sind verheerend, wie man grade gut an der ersten Generation derartig verzogener ängstlicher Egozentriker erkennen kann die dort grade an den Universitäten aufschlägt und aus einem alles überschattenden Sicherheitsbedürfnis die Errungenschaften der 68er zurückdrehen. So ist es nicht nur Schade für die Kinder, denen man schon jetzt einen Therapieplatz reservieren kann, sondern auch für die Gesellschaft
Biegel 19.08.2016
5. Ausgezeichnet!
Das müsste glatt ins Schulgesetz aufgenommen werden! Viele Eltern schaffen es nicht, ihre Kinder selbst bei Kleinigkeiten selbstverantwortlich agieren zu lassen. Sie werden teilweise extrem unselbständig gehalten und total überwacht. Verwöhnende Erziehung war schon vor 20 Jahren aktuell. Aber sie ist anscheinend unendlich steigerungsfähig. Viele Kinder der Grundschule bspw. werden bis ins Klassenzimmer begleitet, und das nicht nur am ersten Schultag. Dass ihnen nicht noch das Stühlchen zurecht gerückt wird, ist alles. Morgens gibt es vor der Schule ein Verkehrschaos, weil viele Kinder mit dem Auto zur Schule gefahren werden. Und mittags warten Mütter vor der Tür, um ihrem Kind dann den Schulranzen nach Hause zu tragen. Bitten und Hinweise der Lehrer, auf der Straße zu warten, werden ignoriert. Wenn es ein kleines bisschen regnet, stehen bestimmte Kinder im Büro und wollen zuhause anrufen, damit sie abgeholt werden. Leider sind Eltern unbelehrbar.
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