US-Waffenlobby NRA-Kommentator fordert Schießunterricht für Kinder

Pistolen schon für die Kleinen: Das fordert ein US-Lobbyist der National Rifle Association. Der Umgang mit der Waffe soll den Kindern in der Schule beigebracht werden - in einem versetzungsrelevanten Unterrichtsfach.

Ein Vater gibt seinem Sohn bei einem Treffen der NRA Schützenhilfe: "Freier Zugang zu Waffen, so wie wir freien Zugang zu Bildung haben"
AP/dpa

Ein Vater gibt seinem Sohn bei einem Treffen der NRA Schützenhilfe: "Freier Zugang zu Waffen, so wie wir freien Zugang zu Bildung haben"


Ein prominentes Mitglied der einflussreichen US-Waffenlobby National Rifle Association (NRA) hat sich für Schießunterricht an Schulen und Waffen für Kinder ausgesprochen.

Billy Johnson, Kommentator auf der NRA-Nachrichtenseite "NRA News", sagte in einem Video mit dem Titel "Everyone Gets a Gun" ("Jedem eine Waffe"): "So, wie wir sie in Lesen und Schreiben unterrichten, würden wir ihnen Schießen und kompetenten Umgang mit Schusswaffen beibringen." Dann spiele es keine Rolle, ob die Eltern des Kindes ihm diese Fähigkeit vermitteln könnten. Auch der Wunsch des Kindes zählt laut Johnson dann nicht mehr: Schusswaffengebrauch würde zu einem versetzungsrelevanten Unterrichtsfach.

Das Video auf dem YouTube-Kanal der NRA ist, wie Dutzende weitere Video-Kommentare, professionell gemacht. Johnsons Ausführungen werden mit Grafiken unterstützt. Er selbst gibt sich smart, mit Hornbrille, Dreitagebart und moderner Kurzhaarfrisur. Seine Argumente indes klingen reichlich absurd.

Waffengebrauch ist für Johnson so elementar wie das von der Verfassung garantierte Recht auf Bildung. Johnson fordert "freien Zugang zu Waffen, so wie wir freien Zugang zu Bildung haben".

74 Schulschießereien in anderthalb Jahren

Waffengesetze, schwadroniert der NRA-Kommentator, sollten dem Grundsatz folgen, dass Waffen ein menschliches Grundbedürfnis sind, die das Leben der Menschen besser und sicherer machen: "Was wäre, wenn wir anstelle schusswaffenfreier Zonen Gebiete mit Pflicht zum Waffentragen hätten?" Seine Schlussfolgerung: Eine Gesellschaft, die Waffen braucht, muss schon die Kleinsten im Umgang mit ihnen unterrichten.

Johnson stellt sich, wie die meisten NRA-Vertreter, radikal gegen die zunehmend waffenkritische Haltung von US-Präsident Barack Obama. Erst nach der Schulschießerei in Oregon im Juni, bei der ein 14-Jähriger starb, forderte Obama erneut schärfere Waffengesetze. Das Ausmaß der Waffengewalt sprenge jeden Rahmen, so der Präsident. Bislang war Obama aber an meist republikanischem Widerstand im Kongress gescheitert.

Schusswaffengegner verweisen immer wieder auf eine steigende Zahl von Schießereien mit tödlichem Ausgang: Bei der Tragödie in Oregon handelte es sich demnach um das 74. "School Shooting", seit Ende 2012 in Newtown im US-Bundesstaat Connecticut 20 Kinder und sechs Erwachsene erschossen wurden.

Das Magazin "Slate" berichtet, in den USA sei das Risiko für Kinder und Jugendliche, im Alter zwischen 5 und 14 Jahren erschossen zu werden, 17-mal höher als in anderen Industrienstaaten. Durch die Verfügbarkeit von Waffen würden Suizide, häusliche Gewalt mit tödlichem Ausgang und Waffenunfälle, bei denen Kinder sterben, wahrscheinlicher.

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Ich_sag_mal 24.07.2014
1. Ich finde das gut!
Bei uns sollen die Kinder nach der KMK Reanimation beigebracht bekommen. Jemanden platt zu machen ist doch viel einfacher. Also ich finde Schußwaffengebrauch sollte auch hier stattfinden, natürlich auch Schulung über Seintology und NSA. Ist wichtig für das Überleben in der EU. Das diese nocht beschlossen worden ist, ich verstehe es nicht..
@de 24.07.2014
2. Schliess ich mich an
und nicht die Babys vergessen, die müssen auch lernen sich zu verteidigen, aber immer zuerst schiessen, das ist das wichtigste. Und Araber gleich erschiessen, sind ja alles Terroristen. Und wenn sich die Kinder dann gegenseitig erschiessen, pffff kann ja mal passieren, aber die hatten dann einen psychischen Schaden, waren ja Amis die erschossen wurden und keine bösen Angreifer, die Tag und Nacht warten um jedem Ami schaden zuzufügen. Was für eine perverse Gesellschaft und die wundern sich über Amokläufe o.ä. wen. jeder vollidiot ne Waffe bekommen kann. Komisch nicht, aber laut NRA besteht kein zusammenhang, nicht die Waffe tötet sondern der Mensch. Das haben sie ehrlich gesagt.
nonpossocapirlo 24.07.2014
3. Tolles Konzept aber inkonsequent
Ich blicke bei den Amerikanern nicht mehr durch. Jeder soll bewaffnet sein, damit das Verbrechen keine Chance hat und man sich verteidigen kann, bis die Polizei kommt - aber ins Flugzeug darf man kein Mineralwasser mitnehmen, geschweige denn eine Waffe - obwohl da während dem Flug nie die Polizei kommt, falls man sie mal braucht ;-)
enfield 24.07.2014
4. Schwachsinn
Zitat von sysopAP/dpaPistolen schon für die Kleinen: Das fordert ein US-Lobbyist der National Rifle Association. Der Umgang mit der Waffe soll den Kindern in der Schule beigebracht werden - in einem versetzungsrelevanten Unterrichtsfach. http://www.spiegel.de/schulspiegel/us-waffenlobby-nra-fordert-waffen-und-schiessunterricht-fuer-kinder-a-982674.html
da braucht's kein neues Unterrichtsfach - das pass prima in den Religionsunterricht! Ach...versetzungsrelevant....und wie ist das in US mit Religionsunterricht.....da muss ja auch noch das ganze kreationistische Zeug mit rein....wird vielleicht doch eng. Zusätzlich können sich Ex-Söldner und so noch richtig was mit Nachhilfe Unterricht verdienen....hach....Möglichkeiten!
matrix1977 24.07.2014
5. Waffe für jeden?
Nur zwei Organisationen dürften meiner Meinung nach überhaupt Schusswaffen besitzen: Polizei und Militär! Jedem anderen sollte Waffenbesitz verboten werden!!!! Ist die Waffenlobby so mächtig in der USA? Unglaubliche Werte die da den Kindern vermittelt werden sollen. Mehr Waffen = Weniger Gewalt????? Die Rechnung stimmt hinten und vorne nicht. Achja, ich vergas: Die Rechnungen stellt ja dann die Waffenindustrie. Von mir aus darf jeder Rüstungs- und Waffenkonzern pleite gehen, auch alle deutsche.
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