USA 16-Jähriger startet mit Politik-Newsletter durch

Er berichtet "live aus dem Schlafzimmer" in Missouri über Politik in Washington - und 50.000 Menschen lesen mit. Sogar Senatoren haben den Newsletter des Schülers abonniert.

Gabe Fleisher
DPA/Privat/Gabe Fleisher

Gabe Fleisher


Wenn um sechs Uhr morgens der Wecker klingelt, fängt Gabe Fleisher, 16, noch im Bett mit dem Schreiben an. Mit Mischlingshund Tipper neben sich fasst der Schüler aus einem Vorort von St. Louis im US-Bundesstaat Missouri die wichtigsten politischen Themen des Tages in den USA zusammen - für 50.000 Menschen. So viele haben seinen Newsletter "Wake Up to Politics" abonniert.

"Ich bin Gabe Fleisher und berichte live aus dem Welthauptquartier von WUTP in meinem Schlafzimmer", so beginnt seine Nachrichtenzusammenfassung jeden Tag. Ursprünglich war sie nur für seine Mutter bestimmt.

Sein Vater hatte ihn 2009 zur Amtseinführungsfeier von Barack Obama nach Washington mitgenommen. "Ich wurde neugierig und begann, so viel zu lesen und zu schreiben wie ich nur konnte", sagt Fleisher. Als er neun Jahre alt war, begann er, das Geschriebene zusammenzufassen und als E-Mail an seine Mutter zu senden. "Sie hat es irgendwann weitergeleitet, an Familie und Freunde, und es wuchs und wuchs."

Empfehlung in der "New York Times"

2000 Abonnenten hatte der Schüler, als im Mai die "New York Times" auf ihn aufmerksam wurde und ein Porträt über ihn veröffentlichte. Sein Newsletter sei eine "überraschend anspruchsvolle, gut recherchierte Zusammenfassung der politischen Nachrichten des Tages" heißt es in dem Artikel.

Auch "Politico", die "Washington Post" und der Rundfunksender NPR haben mittlerweile über ihn berichtet - die Zahl der Abonnenten ist mittlerweile auf knapp 50.000 gestiegen und darunter sind etliche Senatoren, Journalisten und politische Berater.

"Das hat mich komplett überfordert", sagt er. Seither bekommt er täglich Dutzende E-Mails von Lesern, die Fehler korrigieren, ihre Sichtweise der Dinge darlegen oder ihn einfach nur loben wollen. Er freut sich darüber. "In einer Zeit, in der der Präsident Nachrichtenorganisationen als Fake News bezeichnet, wird der Job eines jeden Journalisten schwieriger. Aber ich sehe das als Herausforderung an, besser und besser zu werden."

Schon jetzt sieht sich der Neuntklässler als politischer Journalist, wenn auch mit Abstrichen. "Manchmal, wenn ich extrem viel Hausaufaufgaben auf habe oder einen wichtigen Test, dann muss ich einen Tag aussetzen mit meinem Newsletter - aber ich glaube, dass meine Leser mir das nachsehen."

Knapp zwei Stunden braucht er üblicherweise für den Newsletter. "Fürs Frühstück bleibt da keine Zeit, meistens renne ich aus der Tür", sagt er. Das Schreiben selbst sei für ihn aber die "ruhigste und stressfreieste Zeit des Tages".

Was er nach dem College machen will, steht für ihn schon fest: Er will als Journalist aus Washington berichten. "Politik ist für mich das Wichtigste überhaupt im Leben. Ich bin süchtig danach."

Christina Horsten/dpa/vet



insgesamt 3 Beiträge
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derjoey 15.02.2018
1.
Gegen vermutlich sich weiter verstärkende Fake News vorzugehen dürfte auch das gesamte spätere Berufsleben Gabe Fleishers mitbestimmen. Aber prima zu sehen, dass es noch politik- und journalismus-begeisterte Jugendliche gibt. Toitoitoi, weiter so und alles Gute!
manicmecanic 15.02.2018
2. Ausnahme
die die Regel in den USA bestätigt.Ich habe mehrfach da gelebt,durch persönliches Umfeld auch hier in Europa gut gebildete Amis in hohen Positionen kennen gelernt.Das allgemeine Wissen um die einfachsten weltpolitischen Zusammenhänge ist selbst in der Liga einfach nur erschütternd marginal.
lebzien 19.02.2018
3. Tolle Story
Interessant, wieviel man mit kleinen Mitteln erreichen kann!
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