Mennoniten in den USA Kindheit ohne Internet

Mennonitische Familien verzichten auf Autos, Fernseher und Computer - und sprechen einen jahrhundertealten deutschen Dialekt. Fotografin Hatnim Lee zeigt deren Alltag in Pennsylvania.

Hatnim Lee

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Schon morgens vor der Schule muss Aaron den Stall ausmisten. Nach dem Unterricht isst er kurz zu Mittag, macht seine Hausaufgaben und geht dann in den Garten, um Gemüse zu ernten. Sein Leben ist streng getaktet, Freizeit bleibt ihm wenig.

Der Zwölfjährige und seine Eltern und Geschwister gehören den Mennoniten an, einer evangelischen Freikirche, die Anfang des 16. Jahrhunderts in Deutschland, den Niederlanden, dem Elsass und der Schweiz entstand. Heute gibt es weltweit zwischen 1,3 und 1,7 Millionen Mennoniten, die ihren Glauben unterschiedlich streng praktizieren. Fernsehen, Internet und Autos sind bei den meisten tabu.

Die New Yorker Fotografin Hatnim Lee lernte vor drei Jahren in Pennsylvania einige mennonitische Familien kennen, als sie ihre Eltern besuchte. Seither trifft sie die Mennoniten einmal im Monat und fotografiert sie in Alltagssituationen.

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Kindheit als Mennonit: Kein TV, aber viel Natur

"Ich komme normalerweise am frühen Nachmittag, helfe ihnen bei der Arbeit, esse mit ihnen zu Abend und sitze noch ein wenig mit ihnen zusammen", sagt Lee. Die Mennoniten seien sehr fleißig und würden viele Stunden am Tag arbeiten. "Am Ende des Tages bin ich immer ziemlich erschöpft."

Die Familien, die Lee porträtiert, leben ohne Internet und Autos und führen ein einfaches, bäuerliches Leben als Selbstversorger auf dem Land. "Sie wollen nicht Teil der modernen Gesellschaft sein und sehen die Außenwelt als einen verdorbenen Ort an", sagt Lee. Im Gegensatz zu den Amischen sind sie aber weniger streng. Sie nutzen Strom, lassen sich fotografieren, haben Bücher, Zeitungen und Telefone.

Lachen und Spaß zu haben ist nicht verboten

Ihr Glaube definiert sich laut Lee nicht durch Dogmen und Verbote, sondern aus einer freiwilligen Überzeugung. "Sie sind begeisterte Christen. Sie gehen jeden Sonntag in die Kirche, und die Kinder werden in der Schule in den Schriften unterrichtet." Dort lernen sie außerdem Englisch. Bis zu ihrem fünften Lebensjahr sprechen die meisten nur Pennsylvania-Deutsch, das auf einen Pfälzer Dialekt zurückgeht.

Auch sonst fallen die Kinder zwischen Gleichaltrigen auf: Die Mädchen tragen geflochtene Zöpfe und knielange Röcke. Die Jungs haben Hemden und lange Hosen an. Viele würden zurückhaltend, beinahe schüchtern wirken, sagt Lee. Im Haushalt müssen alle mithelfen, jedes Kind hat täglich bestimmte Aufgaben zu erfüllen. Aber es gibt auch Momente, in denen alle gemeinsam Spaß haben - etwa beim Springen auf dem Trampolin.

Video: Mennoniten in Chihuahua - Deutsche Heimat Mexiko

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