Geschenke in Schulen Ausgegrenzte Schüler leiden am Valentinstag

Sie schenken sich Herzchen aus Papier, Lollis oder rote Rosen: An vielen Schulen ist der Valentinstag Kult geworden. Aber einigen Schülern graut davor.

Tag der Liebe: Auch an Schulen wird er zelebriert
DPA

Tag der Liebe: Auch an Schulen wird er zelebriert


Zum Valentinstag am 14. Februar schenken sich viele Schüler Blumen, Schokolade und rote Herzchen. Die Geschenke sind ein Zeichen von Zuneigung, aber mit ihnen wird auch gezeigt, wer beliebt ist - und wer nicht. Denn nicht für alle gibt es Geschenke.

"Die Schüler gehen durch die Klassen mit einem Bund Rosen und einem Stapel Karten und verteilen sie vor allen", sagt Tjark Melchert vom niedersächsischen Landesschülerrat. Manche hätten an seiner früheren Schule gleich mehrere Karten oder Rosen bekommen - andere gar nichts. "Da fühlen sich dann einige schon schlecht und stehen blöd da." Nicht nur für den einzelnen sei das eine schlechte Situation: "Das ist dann auch fürs ganze Schulklima nicht so gut."

Doch das Ritual ist beliebt. So beliebt, dass es dafür Firmen gibt. Zum Beispiel die "Lollipop-Aktion", ein Unternehmen von drei Männern um die 30, die vor gut zehn Jahren als Schülersprecher damit angefangen haben, Herzchen zu basteln und zu verkaufen. Inzwischen lassen Tino Fetzer, Valentin Ziebandt und Markus Henn jedes Jahr für bis zu 300 Schulen Herzen drucken. Allein in diesem Jahr gingen über ihre Firma 250.000 Stück raus, wie Henn sagt, und: Die Zahl der Schulen, die bei ihnen bestellen, steigt.

Viele Schüler hätten an den Aktionen große Freude, sagt Lutz Batzner, Vorstand der bayerischen Landesschülervertretung. "Allerdings darf nicht vergessen werden, dass auf der anderen Seite einige Schülerinnen und Schüler massiv darunter leiden." So gebe es "immer wieder vereinzelte Mobbingfälle". Wegen gefälschter Liebesbriefe zum Beispiel oder Gerüchten unter Klassenkameraden. Deshalb machten viele Schulen keine Valentinsaktion mehr.

Auch der Münchner Kinder- und Jugendpsychologe Holger Simonszent sieht die Valentinsaktionen an Schulen kritisch: "Ich wäre da eher restriktiv: Muss das unbedingt in der Schule stattfinden?"

Wer nicht beliebt ist, bekomme das zwar über soziale Medien oder direkte Kontakte ohnehin mit: Ausgeschlossen ist auch der Junge, der als Einziger nicht in der Whatsapp-Gruppe der Klasse ist. "Aber die Schule muss nicht noch ein Indiz für dessen Außenseiterrolle liefern", sagt Simonszent. Sie solle vielmehr die Integration fördern - und solche Rituale hinterfragen.

kha/dpa



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 56 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Koda 12.02.2016
1. Valentinstag? Man muss nicht jeden Kram aus den USA auch hier mitmachen
Mal abgesehen davon, dass man als Erwachsene(r) seinem Partner/seiner Partnerin ohnehin täglich sagen und zeigen sollte, dass man ihn/sie liebt, Denn: wer es nicht schafft, an den anderen 364 Tagen im Jahr seinem Gegenüber Liebe zu vermitteln, muss am sogenannten "Valentinstag" nicht so tun, als als könne er es doch. Schule: Daher muss man dieses im Grunde verlogene Beziehungsspiel nicht auch noch in der Schule vormachen. Was Ausgrenzung angeht: Gerade Pädagogen sollten da auch sensibler sein - wer in der Schule keine Karte bekommt, der wird vor der ganzen Klasse quasi an den Pranger gestellt.
papperlapapp55 12.02.2016
2. So ist es nunmal...
Sollte man deswegen die Valentinsaktionen absagen? Ich denke nicht. Man kann die Kids nicht vor allem schützen und dadurch andere bestrafen, die sich auf diesen Tag freuen. Wie schon selbst im Artikel erwähnt, wissen die ausgegrenzten Kids eh, dass sie nicht die Helden sind. So ist es nunmal. Bald macht man sich wohl noch Gedanken, Weihnachten in den Schulen abzuschaffen, damit sich "nicht-christliche" Schüler (so nenn' ich es mal vorsichtig) nicht ausgegrenzt fühlen. Quatsch! Da sollte man sich eher Gedanken über die Einführung einer Schuluniform machen. Der immense Unterschied bei der jeweiligen Kleidung und der damit offensichtlichen finanziellen Differenzen führt in manchen Fällen vielleicht schon genau zu dieser Ausgrenzung und kommt täglich vor, nicht nur einmal im Jahr. Ein Handyverbot auf dem Schulgelände oder zumindest in den Klassenräumen wäre auch nicht die schlechteste Idee...
SpitzensteuersatzZahler 12.02.2016
3.
Obwohl ich in der Schule sozial auch isoliert war, denke ich, dass dieses Verhalten einfach menschlich ist und dass man es nicht durch irgendwelche Maßnahmen verbieten kann. Der Mensch ist eben ein ebenso 'gemeines' Tier wie das Huhn und viele andere auch. Status wird aus vielen Einzelwerten erfühlt und entsprechend gehandelt. Bei mir lag es im Wesentlichen daran, dass ich mich selbst nicht in diese Gemeinschaften integriert habe, weil ich andere Interessen hatte. Ich habe meine Zeit lieber darauf verwendet und nur 1-3 (dafür sehr tiefe) Freundschaften gepflegt. Schön war es nicht, ja. Aber es hat mich gezwungen, mich viel mit mir selbst auseinander zu setzen und dadurch zu einem starken Menschen gemacht. Während die beliebtesten jetzt irgendwelche langweiligen Jobs machen, verdiene ich teilweise deren Monatsverdienst am Tag. Hat also alles seine Vor- und Nachteile. Achja noch ein paar Platitüden: Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom und frei nach Stromberg: An der Spitze der Pyramide ist es eben einsam.
SpitzensteuersatzZahler 12.02.2016
4.
Zitat von papperlapapp55Sollte man deswegen die Valentinsaktionen absagen? Ich denke nicht. Man kann die Kids nicht vor allem schützen und dadurch andere bestrafen, die sich auf diesen Tag freuen. Wie schon selbst im Artikel erwähnt, wissen die ausgegrenzten Kids eh, dass sie nicht die Helden sind. So ist es nunmal. Bald macht man sich wohl noch Gedanken, Weihnachten in den Schulen abzuschaffen, damit sich "nicht-christliche" Schüler (so nenn' ich es mal vorsichtig) nicht ausgegrenzt fühlen. Quatsch! Da sollte man sich eher Gedanken über die Einführung einer Schuluniform machen. Der immense Unterschied bei der jeweiligen Kleidung und der damit offensichtlichen finanziellen Differenzen führt in manchen Fällen vielleicht schon genau zu dieser Ausgrenzung und kommt täglich vor, nicht nur einmal im Jahr. Ein Handyverbot auf dem Schulgelände oder zumindest in den Klassenräumen wäre auch nicht die schlechteste Idee...
Schuluniform wäre echt toll. Wenn ich heute an Schulen vorbei fahre, frage ich mich sowieso wie die Jungs da überhaupt noch lernen können im Sommer - ich selbst hätte mich ob der vielen Hotpants und knappen Oberteile kaum noch konzentrieren können. Vor 15 Jahren war es zwar auch schon teilweise schwierig, aber jetzt... Glaube auch, dass die Uniform irgendwie mehr Respekt in die Veranstaltung trägt. Gleichzeitig sollte man Lehrer aber auch dazu verpflichten, es gleich zu tun und Anzug bzw. Kostüm und nicht Jeans und Schlabberpulli zu tragen. Da kommt man sich auch nicht gerade ernstgenommen vor.
HaraldKönig 12.02.2016
5.
Man könnte auch fragen, was es ist, das die beliebten Schüler so beliebt macht. Bei uns waren es körperliche Größe, gutes Aussehen, Eloquenz und Geld der Eltern. Hatte man das alles nicht, konnte man sich noch bei einem beliebten Schüler einschleimen und als dessen Wasserträger fungieren. Dadurch war man nicht gänzlich ausgeschlossen. Das war allerdings in den Sechzigern.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.