Verdaddelt Viele Computerspieler haben Probleme in der Schule

Die Hälfte aller Jugendlichen spielt gern am Computer, vor allem aus Langeweile. Schulische Probleme hat jeder zehnte Spielefan, so das Ergebnis einer Hamburger Studie. Besonders jüngere Schüler können sich nur schwer von ihrem Spiel trennen.

Computerspielmesse (in Köln): Junge Spieler können sich nur schwer trennen
DDP

Computerspielmesse (in Köln): Junge Spieler können sich nur schwer trennen


Fast jeder zehnte Jugendliche, der regelmäßig oder täglich Computerspiele spielt, berichtet von Problemen in der Schule. Das ergab eine Umfrage unter rund 3500 Hamburger Schülern zwischen 14 und 18 Jahren im Auftrag der Hamburgischen Landesstelle für Suchtfragen.

Demnach sagten neun Prozent der regelmäßigen Spieler, sie hätten Probleme in der Schule. Elf Prozent gaben an, ihre schulischen Leistungen würden schlechter. Schüler, die lediglich ab und zu am Computer spielen, berichten nur zu einem Prozent von Schulproblemen und zu zwei Prozent von schwächeren Leistungen.

Für die Studie wurden die Jugendlichen auch nach dem Zusammenhang von Computerspielen und der Schulform befragt und machten Angaben zu ihrem Geschlecht, psychischen Problemen und ihrem Migrationshintergrund. Die Ergebnisse waren wenig auffällig: Schüler an Haupt- und Berufsschulen spielen etwa ebenso häufig wie Gymnasiasten. Insgesamt können sich für Computerspiele aber eher Jungen deutlich mehr begeistern als Mädchen.

Daddeln gegen die Langeweile

Entsprechend glauben zehn Prozent der Jungen, aber nur ein Prozent der Mädchen, dass ihre Schulleistungen durch das Computerspiel beeinträchtigt werden. Einen Zusammenhang zwischen Migrationshintergrund und Leidenschaft für Computerspiele konnten die Forscher nicht entdecken.

Die Studie ergab weiter, dass etwa die Hälfte der Jugendlichen Computerspiele mehrfach wöchentlich nutzt. Dabei können sich jüngere Schüler schwerer von ihrem Spiel trennen als 18-Jährige. In jeder Altersklasse sind die Spiele vor allem ein Mittel gegen Langeweile. Für die Spiele geben die Jugendlichen durchschnittlich etwa sieben bis elf Euro im Monat aus. Teuer sind vor allem Poker und Sportwetten; regelmäßige Zocker investieren rund 50 Euro monatlich.

Die Hälfte der Hamburger Jugendlichen setzt sich mehrmals in der Woche oder täglich zum Daddeln vor den Bildschirm. Am häufigsten werden dabei Shooter, Rollenspiele, Adventures, Strategie- und Simulationsspiele gespielt. Weniger beliebt sind Denk- oder Glücksspiele.

"Etwa ein Viertel der Jugendlichen berichtet, durchschnittlich rund 20 Stunden pro Woche spielend vor dem PC zu verbringen und häufig nicht aufhören zu können", sagte Gesundheitssenator Dietrich Wersich am Dienstag bei der Vorstellung der Studie.

cpa/apn



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