Mehrere US-Schulen geschlossen Christliche Eltern drehen wegen dieser Hausaufgabe durch

Nur eine Schreibübung - oder religiöse Indoktrination? Schüler in den USA sollten in Erdkunde das islamische Glaubensbekenntnis abschreiben. Das erzürnte einige christliche Eltern so sehr, dass alle Schulen im Bezirk wegen Drohungen schließen mussten.

Auszug aus dem Lehrbuch "World Religions, Grades 6-8" erschienen im Verlag Teacher Created Resources
World Religions, Grades 6-8

Auszug aus dem Lehrbuch "World Religions, Grades 6-8" erschienen im Verlag Teacher Created Resources


Es ist eine dieser Geschichten, bei der ein kleines Missverständnis große Folgen hat. In einem Bezirk des US-Bundesstaats Virginia blieben an diesem Freitag alle rund 25 Schulen geschlossen, weil eine Lehrerin ihren Schülern eine Hausaufgabe gegeben hatte, die einige Eltern in den falschen Hals bekamen.

Die Lehrerin an der Riverheads High School in Augusta County hatte den Neuntklässlern aufgetragen, sich in arabischer Kalligrafie zu versuchen. Die Schüler sollten für den Erdkundeunterricht das islamische Glaubensbekenntnis abpinseln: "Es gibt keinen Gott außer Allah und Mohammed ist der Gesandte Allahs."

Die Schreibübung stammt aus dem Lehrbuch "World Religions, Grades 6-8", das religiöse Toleranz und Verständnis fördern soll. Die Aufgabe diene dazu, den Schülern die "künstlerische Komplexität der Kalligrafie" zu vermitteln, heißt es in dem Buch. Wie mehrere US-Medien berichten, sollten die Kinder die arabischen Worte weder rezitieren noch übersetzen.

Feindliche Anrufe und E-Mails

Trotzdem: Manche christliche Eltern witterten einen Angriff auf ihre eigene Religion. Am Dienstagabend versammelten sie sich in einer Kirche unweit der Schule und machten ihrem Ärger Luft. "Ich lasse meine Kinder nicht von einer Frau unterrichten, die sie mit dem Islam indoktriniert, wo ich doch Christin bin", sagte eine aufgebrachte Mutter dem Sender "WHSV TV-3".

Die zuständige Schulbehörde teilte auf ihrer Webseite mit, sie habe in den vergangenen Tagen wegen der Hausaufgabe sehr viele feindliche Anrufe und E-Mails erhalten. Daraufhin habe man die Polizeipräsenz an allen Schulen im Bezirk verstärkt.

Die Lage schaukelte sich jedoch weiter hoch: Wegen "Ton und Inhalt" von weiteren Zuschriften und Anrufen hätten die Behörden entschieden, die Schulen am Freitag geschlossen zu lassen. Außerdem wurden fürs Wochenende alle außerschulischen Aktivitäten gestrichen, heißt es auf der Webseite. Man handle aus "übermäßiger Vorsicht", Schüler seien nicht konkret bedroht.

Aufgeheizte Stimmung

Der Fall zeigt, wie aufgeladen die Stimmung in den USA ist, wenn es um den Islam geht. Anfang Dezember hatte ein radikalisiertes muslimisches Paar in einer sozialen Einrichtung in San Bernardino 14 Menschen erschossen. Seither häufen sich Übergriffe gegen Muslime, und Politiker wie der Republikaner Donald Trump heizen die Wut in der Bevölkerung weiter an.

Gleichzeitig sprachen sich jedoch auch Hunderte Menschen in sozialen Netzwerken für die Lehrerin aus, die ihre Schüler das islamische Glaubensbekenntnis abmalen ließ. Der Facebook-Gruppe "Support Laporte", benannt nach der Erdkundelehrerin, sind seit Dienstag mehr als Tausend Nutzer beigetreten.

"Jeder, der Frau Laporte kennt oder sie als Lehrerin hatte, weiß, wie fantastisch sie ihren Job macht", schreibt dort eine Schülerin. Sie habe nichts falsch gemacht und niemanden bekehren wollen - und unterrichte lediglich über andere Religionen und Ethnien "auf eine unterhaltsame, interaktive Art".

Auch die Schulbehörde fand die Aufgabe nicht problematisch. Weder seien in einer Schulstunde religiöse Ansichten gepredigt worden, noch habe jemand im Unterricht versucht, Schüler zu bekehren, teilte sie mit. Die Schüler sollten auch weiterhin etwas über andere Religionen in der Welt lernen.

Allerdings wolle man für die Zukunft lieber ein nichtreligiöses Beispiel für arabische Kalligrafie auswählen.

lov

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