Israelisch-palästinensisches Fußballspiel Laufduelle gegen lodernden Hass

Palästinensische Kinder im Kibbuz? Im Gaza-Krieg schwiegen die Waffen erst gut eine Woche, schon trafen sich Jugendliche aus Palästina und Israel zu einem Fußballturnier. Ziel des Spiels: eine friedliche Zukunft.

REUTERS

Seit Ende August herrscht im Gaza-Krieg ein unbefristeter Waffenstillstand. Doch wirklich traut der Ruhe kaum einer. Für einen Hoffnungsschimmer sorgten da israelische und palästinensische Schüler, die sich zu einem gemeinsamen Fußballturnier trafen.

An den Spielen im südisraelischen Kibbuz Dorot nahmen rund 80 Jungen im Alter von sechs bis 16 Jahren teil. Die israelischen Spieler kamen aus den Dörfern rund um den Gaza-Streifen, die palästinensischen wurden mit Bussen aus Jatta im südlichen Westjordanland nach Dorot gefahren. Zu Beginn des Turniers waren beide Seiten deutlich angespannt, doch bald wich die Anspannung der Freude am Fußball.

Endlich wieder Spaß haben

"Es ist großartig, nach diesen ganzen Wochen, in denen wir zu Hause bleiben mussten, hierhin zu kommen und mal wieder Spaß zu haben", sagte der elfjährige Ofir aus dem südisraelischen Sderot. Obwohl sein Heimatort Hauptziel der palästinensischen Raketenangriffe aus dem Gaza-Streifen war, fügte er versöhnlich hinzu: "Die arabischen Kinder sind nicht böse, einige von ihnen wollen wie ich auch Frieden."

Der gleichaltrige Kusai aus Jatta stimmte ihm zu: "Ich mag es, wenn wir miteinander spielen. Ich hoffe, eines Tages wird es Frieden zwischen Juden und Arabern geben - und keine Kriege und Toten mehr."

Das Fußballturnier wurde vor zwölf Jahren vom Schimon Peres Zentrum für Frieden ins Leben gerufen. Viele der Schüler kennen sich schon von früheren Begegnungen.

"Ihr seid die Kinder des Friedens"

Schimon Peres nutzte das Turnier zu einem seiner inzwischen seltenen öffentlichen Auftritte. "Ihr werdet nicht gegen-, sondern miteinander spielen", sagte der bis Juli amtierende israelische Präsident und Friedensnobelpreisträger kurz vor Anpfiff des ersten Matches. "Ihr seid die Generation von morgen. Zeigt uns, wie man miteinander spielt und miteinander lebt, denn ihr seid die Kinder des Friedens - die Kinder, die den Sport der Gewalt vorziehen." Dabei hielt der 91-Jährige einen Fußball wie eine Trophäe in die Luft.

An dem Turnier nahmen Kinder und Jugendliche von 30 Schulen teil. Für kurze Zeit vergaßen sie am Montag den 50 Tage währenden Krieg, in dem laut Uno 2116 Palästinenser und 71 Israelis getötet worden waren.

Gazakrieg 2014

clm/AFP

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