Bundesweiter Lehrerstreik Wo die Schule ausfällt - und warum

Ab Dienstag wollen angestellte Lehrer die Arbeit niederlegen. Warum, und welche Länder sind besonders betroffen? Und: Bleiben dann die Schulen geschlossen? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Leeres Klassenzimmer in einer Grundschule in Sachsen: Hier fällt wahrscheinlich bald die Schule aus
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Leeres Klassenzimmer in einer Grundschule in Sachsen: Hier fällt wahrscheinlich bald die Schule aus

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Rund 800.000 Lehrer gibt es in Deutschland, 200.000 von ihnen sind keine Beamte, sondern Angestellte. Ab kommender Woche wollen sie streiken. Lesen Sie hier die Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Wann beginnen die Streiks?
"Am kommenden Dienstag geht es los", sagte GEW-Sprecher Ulf Rödde SPIEGEL ONLINE. Erst soll es regionale Warnstreiks geben, dann soll nacheinander in Bundesland für Bundesland gestreikt werden. "In der Regel werden die Warnstreiks einen Tag andauern", so Rödde. Welche Region oder welches Bundesland wann dran ist, werde 24 bis 48 Stunden vorher mitgeteilt.

Welche Bundesländer sind besonders betroffen?
Gestreikt werden soll bundesweit, allerdings werden die Bundesländer unterschiedlich stark betroffen sein, da die Anzahl der angestellten Lehrer in den Ländern stark variiert. Während zum Beispiel in Bayern so gut wie alle Lehrer verbeamtet sind - und es deshalb wohl kaum zu Warnstreiks kommen wird - sieht die Situation in den neuen Bundesländern anders aus: So sind in Sachsen alle Lehrkräfte angestellt, ebenso wie der überwiegende Teil der Lehrer in Sachsen-Anhalt, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern. Auch in Berlin gibt es angestellte Lehrer. Ebenfalls zu Streiks kommen wird es in Nordrhein-Westfalen, hier sind ungefähr 20 Prozent der Lehrer angestellt.

Fällt die Schule aus?
Das kommt darauf an. In Bundesländern mit einem eher geringen Anteil angestellter Lehrer vermutlich nicht - hier können ja die verbeamteten Kollegen einspringen. In Sachsen hingegen werden die Schulen laut GEW-Sprecher Rödde "mit Sicherheit" geschlossen bleiben.

Wie lange soll gestreikt werden?
Die Gewerkschaften haben angekündigt, dass die Streiks im öffentlichen Dienst bis zur nächsten Verhandlungsrunde Mitte März andauern sollen. Von den Streiks betroffen sind auch Uni-Kliniken, der Küstenschutz, Straßenwärter und die Landesverwaltungen.

Worum geht es den Gewerkschaften?
Am Freitag ging die zweite Verhandlungsrunde der Potsdamer Tarifgespräche für den öffentlichen Dienst aus Gewerkschaftssicht wenig erfreulich zu Ende. Die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di, die GEW, die Gewerkschaft der Polizei (GdP), die IG Bau und der Beamtenbund versuchen, mit den Bundesländern ein Lohnplus für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst auszuhandeln. Hessen verhandelt separat. Was die Lehrer, vertreten durch die GEW, besonders erzürnt: Bislang legt jedes Land für sich fest, wie viel ein angestellter Lehrer verdient, das kann Einkommensunterschiede von mehreren hundert Euro bei gleicher Arbeit bedeuten. Nun sollen die angestellten Lehrer einen eigenen Tarifvertrag bekommen.

Warum gibt es eine Zwei-Klassen-Gesellschaft im Lehrerzimmer?Für die Bundesländer ist es billiger, Lehrer anzustellen als sie zu verbeamten. Beamte kosten viel Geld, besonders im Krankheitsfall und im Ruhestand. Und sie sind, außer bei schweren Verfehlungen, nicht kündbar. Die neuen Bundesländer hatten nach der Wiedervereinigung flächendeckend eingeführt, Lehrer nur anzustellen und nicht zu verbeamten. Die meisten westdeutschen Bundesländer folgten dem Beispiel und stellten von Verbeamtung auf angestellte Lehrer um, vor allem Bremen, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. In NRW ist fast jeder fünfte Lehrer heute kein Beamter mehr. Es geht allerdings auch umgekehrt: Wegen Lehrermangels hat etwa Mecklenburg-Vorpommern 2013 begonnen, Lehrern wieder den Beamtenstatus zu verleihen. Als Anreiz, um junge Lehrer ins Land zu holen oder nach Ende ihres Studiums im Nordosten zu halten.

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insgesamt 117 Beiträge
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Seite 1
probeabo007 27.02.2015
1. Und wann und wo genau?
Danke, die totale Informationsflut für Betroffene - die Überschrift " Wo die Schule ausfällt - und wann" kündigt viel an und gibt doch nur Nullinfo - Danke an die zeitstehlenden Schreiberlinge! In der Industrie nennt man so etwas Ausschuss!
Hatch 27.02.2015
2.
Bitte, liebes Deutschland, ein Schulsystem für alle 16 Bundesländer, für etwas mehr Chancengleichheit innerhalb unseres Landes, wäre so langsam mal an der Zeit.
Kuddel Daddeldu 27.02.2015
3. Verbeamtete Lehrkräfte...
...dürfen nicht als "Streikbrecher" eingesetzt werden, also auch nicht dort vertreten, wo Angestellte streiken!
FrankDr 27.02.2015
4. Bildung
Recht haben sie. Lehrermangel zeigt ja ganz klar, dass es nicht mehr attraktiv ist. Angestellt, niedriges Gehalt, zehntausende Hartz IV Empfänger in den Sommerferien da Verträge oft nur befristet bis zum letzten Schultag. Weihnachtsgeld und Urlaubsgeld gestrichen und zeitgleich Wochenstunden erhöht. Lohnerhöhungen seit über einem Jahrzehnt etwa Hälfte als IG Metall o.a.,währenddessen auch für Beamte Beihilfekürzungen fast im Quartalstakt und auch hier Lohnkürzungen um über 300? netto (BW, Absenkungsbeitrag), keine Möglichkeit mehr AG's oder MAU abzurechnen (Überstunden also gratis verordnet), usw. An der Bildung wird am meisten gespart. Das wird bejubelt und rächt sich erst in der Zukunft.
frhtkln 27.02.2015
5. Unverschaemt!
ich wusste bis heute nicht, dass das Ausmaß so extrem ist. jeder vierter lehrer in nrw ist kein beamter? es gibt viele punkte an denen man sparen kann aber bitte nicht wenn es um bildung geht
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