Schulmassaker in Florida Schüler protestieren bundesweit gegen Waffengewalt

Von Maine bis Hawaii: Schüler in allen US-Bundesstaaten haben 17 Minuten lang den Unterricht verlassen. Mit diesem Walkout erinnern sie an die 17 Todesopfer des Schulmassakers von Florida.

AFP

In zahlreichen Schulen in den USA wurde ab 10 Uhr Ostküstenzeit der Unterricht für 17 Minuten unterbrochen. Schüler und Lehrer verließen die Klassenräume, um der 17 Menschen zu gedenken, die bei dem Massenmord an der Marjory Stoneman Douglas High School in Parkland gestorben waren.

Auch vor dem Weißen Haus in Washington versammelten sich Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Sie wandten sich mit Plakaten gegen die Waffenlobby NRA und stimmten Sprechchöre mit der Forderung "Wir wollen Veränderung" ("We want change") an. Einige sangen "Hey, hey, ho, ho. The NRA has got to go! What do we want? Gun control! When do we want it? Now!" Präsident Trump war zu diesem Zeitpunkt nicht im Weißen Haus. Er war auf dem Weg nach Los Angeles.

Andere gedachten still der Opfer des School-Shootings, wieder andere sangen gemeinsam, rezitierten die Namen der 17 Toten oder fassten sich an den Händen zu einer Gedenkkette.

In Parkland, wo ein 19-Jähriger in der Marjory Stoneman Douglas High School am 14. Februar 14 Schüler und drei Erwachsene erschossen hatte, versammelten sich Schüler auf einem Sportplatz.

Nach dem Verbrechen hatte sich eine lautstarke Protestbewegung formiert. Mehrere engagierte Überlebende aus Florida erhoben dabei in den Medien und bei diversen Protestaktionen ihre Stimme, um härtere Waffengesetze und ein Umdenken der Politiker zu fordern.

Rund 3000 Protestgruppen folgten einem Aufruf zu sogenannten "Walkouts". Zu der Aktion aufgerufen hatte die Organisation Empower, die Jugendabteilung des Veranstalters des großen Frauenmarsches (Women's March) in Washington.

Nach der tödlichen Gewalttat an der High School in Parkland wollten die Jugendlichen mit ihrer Aktion nicht nur der Opfer gedenken, sondern auch für striktere Waffengesetze und ein Umdenken in der amerikanischen Politik protestieren.

Rechtsanwälte unterstützen Schüler

Eltern und Lehrer hatten landesweit an vielen Schulen im Vorfeld gemeinsam daran gearbeitet, einen altersgerechten Protest zu formulieren. Einige Schulleiter allerdings verboten den Walkout und drohten disziplinarische Strafen an.

Rechtsanwälte hatten den Schülern im Vorfeld landesweit ihre kostenlose Hilfe für solche Fälle zugesichert. In Atlanta hatte eine der größten Schulen von Georgia beispielsweise mit Sanktionen im Falle der Walkouts gedroht. Insgesamt dominierte aber breiter Zuspruch: TV-Sender wie das Medienunternehmen Viacom unterstützten die Aktion ebenfalls mit 17-minütigen Sendepausen einiger Programme wie beispielsweise MTV.

Aus Protest gegen die Waffengewalt an Schulen in den USA hatten Aktivisten schon am Dienstag 7000 Paar Schuhe auf dem Rasen vor dem Kapitol abgestellt. Sie sollten vor dem Parlamentssitz in Washington an alle Schüler erinnern, die seit dem Blutbad in der Sandy-Hook-Grundschule in Newtown im Jahr 2012 durch Waffen in dem Land getötet wurden.

Seit Parkland läuft in den USA eine heftige Debatte über die Waffengesetze. Überlebende des Angriffs in Florida werben für strengere Regeln. Die Regierung von Präsident Donald Trump hingegen legte jüngst Pläne vor, wonach die Ausbildung von Lehrern und anderen Schulangestellten an der Waffe gefördert werden solle.

Zusätzlich zu den Walkouts haben Schüler aus Florida für den 24. März einen "Marsch für unser Leben" in Washington geplant.

mae/kha/dpa/AP



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MKAchter 14.03.2018
1. Teils daneben
"Strengere Regeln" bezüglich Waffenerwerb und -besitz in USA kann man fordern, und sie sind an vielen Stellen sicher auch notwendig. Das vorausgesetzt, ist jedoch der pauschale "gun ban", den manche sich da auf die Plakate schreiben, daneben. Er ist in einem einigermaßen freien Land weder angemessen, noch zu realisieren.
Andraax 14.03.2018
2. Satyagraha
Die ganze Bewegung kommt mir so vor wie die Satyagraha von Mahatma Gandhi in Indien: eine friedliche Mehrheit setzt sich mit leisen, friedlichen Mitteln langsam, aber sicher gegen eine gewalttätige Minderheit durch.
micha_123 14.03.2018
3. stellt euch vor es ist SCHULE und keiner geht hin
17 Minuten für 17 Todesopfer? Das wird nicht reichen. Es gibt nur einen Weg für die amerikanischen Kinder und Jugendliche Ihr Ziel für schärfere Waffengesetze zu erreichen. Alle Schüler müssen solange protestieren und einfach NICHT mehr zu Schule gehen, bis die Verantwortlichen es begreifen. Stellt euch vor es ist SCHULE und keiner geht hin? Die Regierung wird kaum sämtliche Kinder und Jugendliche im Land verhaften können. Diese Art von friedlichen Protest hat eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass sich etwas ändert. Vielleicht verstehen dann die Millionärs-Cliquen rund um die mächtigen Waffenfirmen, dass irgendwas in Ihrer Politik nicht ganz stimmt. Ich wünsche den amerikanischen Kindern und Jugendlichen Mut und Entschlossenheit, eine solche landesweite Protestbewegung zu starten. Irgendwann wird es eine amerikanische Generation geben, die eine solche Protestbewegung startet. Und nicht wieder aufhört, bis es ein besseres Waffengesetz gibt und die Schulen besser gesichert sind. Bis dahin stellt sich nur die Frage, wieviel Kinder müssen noch vollkommen sinnlos sterben???
radbodserbe 14.03.2018
4. Wahrscheinlich sind diese Kinder und Lehrer jetzt auch Landesverräter
Aber Trump wird schon die richtige Antwort finden und auch Schülern den Umgang mit Schusswaffen zur Deeskalation der Lage erlauben und beibringen. Zumindest für "gesetzestreue Bürger", wie es ja auch die AFD in ihrem letzten BTW-Programm vorschlägt.. Also keine dunkelhäutigen, Menschen mit Migrationshintergrund oder gar Moslems. Allerdings wird man in den USA kaum Menschen ohne Migrationshintergrund finden, da sie meisten ja Nachfahren von Wirtschaftsflüchtlingen vor dem Absolutismus im kultivierten Europa sind. Und wir nennen bei dieser traurigen Gegenwart ernsthaft das Mittelalter als "finster". Unverantwortlich, wenn die Interessen der Waffenindustrie wichtiger sind, als die Sicherheit der Kinder und Jugendlichen. Aber alles kein Grund für Trump, sich nicht ständig selber zu applaudieren.
h.hass 14.03.2018
5.
Das ist ja wohl der dümmste Beitrag zum Thema, der denkbar ist. Informieren Sie sich doch mal darüber, wie viele Schulmassaker und Schußwaffentote es zum Beispiel in Japan oder Australien gibt. Und dann setzen Sie diese Zahlen in eine Beziehung zu den äußerst rigiden Waffengesetzen in diesen Ländern? Ob es da vielleicht einen Zusammenhang geben könnte? Japan und Australien sind übrigens keineswegs in Bandenkriegen oder Gangstergewalt versunken, nachdem diese Gesetze erlassen wurden. Ganz im Gegenteil ist Japan sehr viel sicherer geworden, seit die Yakuzas entwaffnet wurden. Der Besitz einer illegalen Waffe bringt einen dort jahrelang in Knast, das ist sogar den hartgesottenen Yakuza-Typen zu riskant. Solche Gesetze sind im übrigen der einzig richtige Weg. Waffen gehören nicht in die Hände von Privatmenschen. In den USA muss ein grundsätzliches Umdenken einsetzen, und ich denke, mit der jungen Generation, die jetzt heranwächst, wird das auch passieren. Zumindest gibt es Hoffnung.
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