Datenschutz WhatsApp an der Schule - was geht, was nicht?

Dürfen Lehrer WhatsApp benutzen? Sollen sie sogar? SPIEGEL ONLINE hat mehrere Datenschutzbeauftragte nach ihren Empfehlungen gefragt.

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Ein Lehrer richtet an einer Berliner Schule eine WhatsApp-Gruppe ein, sie soll den Austausch zwischen Schülern, Lehrern und Eltern erleichtern. Daraufhin meldet sich ein besorgter Vater bei der Berliner Datenschutzbeauftragten Maja Smoltczyk. Ihre Kritik an dem Lehrer sorgt bei den Zeitungen in Berlin für Aufregung: WhatsApp könnte im Schuleinsatz generell rechtswidrig sein, sagt Smoltczyk.

Die WhatsApp-Gruppe wurde inzwischen aufgelöst. Die Lehrer bekamen eine Schulung in Sachen Datenschutz. Doch die Frage stellt sich im Schulalltag immer wieder: Welche Netzdienste sind erlaubt? SPIEGEL ONLINE hat die Datenschutzbeauftragten verschiedener Bundesländer auf das Thema angesprochen. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

  • Was ist das Problem mit WhatsApp?

Laut Smoltczyk ist die Vertraulichkeit der Daten bei dem US-Messagingdienst nicht gewährleistet. Zwar behauptet der Betreiber, die Daten verschlüsselt zu übertragen, dies sei aber nicht in allen Fällen garantiert. Außerdem erfahre der Anbieter des Dienstes, wer mit wem zu welchem Zeitpunkt kommuniziere. Es sei nicht auszuschließen, dass US-amerikanische Behörden auf die Daten zugreifen können. Die Einhaltung europäischer Datenschutzrichtlinien könne deshalb nicht gewährleistet werden, folgert Smoltczyks Datenschutzbericht.

Darüber hinaus ist die Datenweitergabe in der Gruppe problematisch: Nicht jeder möchte, dass die ganze Klasse die eigene Mobilnummer kennt. Das ist die Voraussetzung für die Nutzung von WhatsApp.

Außerdem werden bei der Einrichtung der Software normalerweise alle Kontakte, die im Adressbuch des Geräts gespeichert sind, zu WhatsApp hochgeladen - ohne dass sich die Eigner dieser Daten wehren können. Seinen Datenschatz gibt WhatsApp an die Konzernmutter Facebook weiter. Dort wird er zu Werbezwecken genutzt.

  • Beschränkt sich das Problem auf WhatsApp?

Nein, ähnliche Probleme stellen sich bei fast allen sozialen Netzwerken, die populär und in den USA ansässig sind. Das sind zum Beispiel Facebook oder Snapchat, aber auch Angebote wie Dropbox. Auch YouTube kann problematisch sein, wenn Lehrer dort Filme mit schulischem Inhalt hochladen.

  • Gibt es Alternativen?

Dazu heißt es aus Bremen: "Als Alternativen könnten derzeit lediglich Telefon und Fax angesehen werden oder die verschlüsselte E-Mail-Kommunikation bzw. die persönliche Kommunikation."

Nicht in allen Ländern wird das so ausschließlich gesehen. Es gibt ja Konkurrenten der US-Dienste, die ihre Server nicht in Amerika haben und sämtliche Kommunikation verschlüsseln. "Bei Konkurrenten in Europa kann davon ausgegangen werden, dass die Privatsphäre der Nutzer besser geschützt ist", sagt der Thüringische Datenschutzbeauftragte Lutz Hasse, der dem Arbeitskreis Datenschutz und Bildung vorsitzt.

Allerdings sollte sich der einzelne Lehrer nicht auf seine persönliche Einschätzung verlassen. Im Zweifel hilft eine Anfrage beim Datenschutzbeauftragten. An vielen Schulen werden Kommunikationsplattformen angeboten, die auf eigenen Servern laufen. Datenschutzrechtlich ist man da auf der sicheren Seite, allerdings sind die Dienste in aller Regel nicht so schick und praktisch wie die kommerzielle Konkurrenz.

  • Sollte man US-Datendienste für den Unterrichtsgebrauch pauschal verbieten?

In einigen Bundesländern ist das schon so, zum Beispiel in Rheinland-Pfalz, in Baden-Württemberg oder im Saarland. Wer dennoch digital kommunizieren und Dokumente austauschen will, soll auf jeweils landeseigene Lernplattformen zugreifen.

  • Nicht selten treten Schüler an die Lehrer heran, weil sie WhatsApp nutzen möchten. Können sie das von den Lehrern einfordern?

Nein, da besteht kein Anspruch.

  • Was müssen Lehrer beachten, wenn sie soziale Netzwerke für Unterrichtszwecke nutzen wollen?

Sind WhatsApp und Co. nicht generell verboten und ein Lehrer möchte sie einsetzen, muss er sich absichern: Die Schüler müssen über die Risiken aufgeklärt werden und der Nutzung zustimmen. Außerdem kann das nur freiwillig erfolgen. Wird auf einen Schüler dabei Druck ausgeübt, verstößt das gegen geltende Standards. Auch die Gruppendynamik unter den Schülern kann dazu führen, dass eine freie Entscheidung schwer möglich ist - im Streitfall kann das eine wichtige Rolle spielen.

Umstritten ist, ab welchem Alter die Schüler tatsächlich selbst zustimmen können. "Es gibt Juristen, die hier die Parallele zur Religionsmündigkeit ziehen", erläutert Hasse. Dann könnten schon 14-Jährige selbst entscheiden. Andere halten eine Zustimmung der Schüler erst ab 18 Jahren für gerichtsfest. Besser ist, die Erziehungsberechtigen entscheiden.

  • Was, wenn ein Lehrer keine derartigen Vorbereitungen trifft?

Dann kann es Ärger geben. Welchen, entscheidet die zuständige Bildungsbehörde, zum Beispiel über Maßnahmen wie im Berliner Fall: Schulungen für die Lehrer, Ermahnungen, eventuell Nutzungsverbote. Theoretisch können Eltern auch auf Unterlassung klagen. Wenn Fotos oder Videos weitergereicht werden, die Schüler zeigen, sind gar strafrechtliche Konsequenzen denkbar.

  • Haben soziale Netzwerke denn überhaupt etwas in der Schule zu suchen?

"Natürlich muss man das unterrichten dürfen", findet Hasse, schließlich ist es ja gerade die Aufgabe von Schulen, zur Medienkompetenz zu erziehen. Ähnlich hält es auch das Land Hessen. Die Position ist unter den Datenschutzbeauftragten aber umstritten. Hasse weiß, dass viele Lehrer selbst unsicher sind. In Kooperation mit der Kultusministerkonferenz fordert er deshalb, digitale Medien zu einem verpflichtenden Bestandteil der Referendarsausbildung zu machen.

In Rheinland-Pfalz werden passende Unterrichtseinheiten für die Schüler gleich vom Datenschutzbeauftragten selbst veranstaltet.

  • Gibt es Möglichkeiten, WhatsApp aus der Schule zu verbannen?

Der Berliner Bildungssenat hat 2016 einen Entwurf vorgelegt, der Lehrern in Berlin verbieten sollte, soziale Netzwerke bei der Kommunikation mit Schülern zu nutzen, darunter Dienste wie Facebook, Twitter und WhatsApp. Schulleiter monierten allerdings, dass das den Unterricht zu sehr einschränken würde. Der Entwurf wurde verworfen. Dem SPIEGEL sagte die zuständige Senatsverwaltung, es sei nicht ausdrücklich verboten, dass Lehrer mit ihren Schülern über WhatsApp kommunizieren - es ist aber auch nicht ausdrücklich erlaubt. Die Behörde gehe davon aus, dass Lehrer soziale Netzwerke "verantwortungsbewusst, mit der beruflich bedingten Zurückhaltung" nutzen würden.

  • Was bedeutet hier "verantwortungsvoll"?

Lehrer müssen klar zwischen der privaten und dienstlichen Nutzung unterscheiden. Und: "Sie sollten sehr gut überlegen, ob sie personenbezogene Daten, etwa von Schülern, dem Netzwerk anvertrauen", sagt Hasse. Unterliegen die Server nicht deutschem oder europäischem Datenschutzrecht, besteht nicht nur die reale Gefahr eines Rechtsverstoßes, sondern auch ein Risiko des Datenmissbrauchs. Konkret kann das bedeuten: Ein Arbeitsblatt per WhatsApp zu verteilen ist nicht so problematisch wie Noten auf diesem Weg bekannt zu geben.

Wichtig ist außerdem die freiwillige Zustimmung. "Mir gefällt überhaupt nicht, was für ein Druck auf Schüler aufgebaut wird, die nicht dabei sind", sagt Marit Hansen aus Schleswig-Holstein. Auch das gehöre zur Erziehung zur Medienkompetenz: "Dass über Risiken aufgeklärt wird und keiner durch Gruppendruck oder Zwang dazu gebracht wird, einen Dienst wie WhatsApp zu nutzen."

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Solid 24.04.2017
1. Telefon
Es ist ein Witz. Das europäische Telefonnetz wird vollständig von der NSA automatisiert abgehört und zwar nicht nur die Verbindungsdaten, sondern auch die Inhalte und mittels Selektoren ausgewertet. Telefaxe sowieso. Das ist nicht erst seit Echelon und Snowden allgemein bekannt. Und dieses Telefon soll nun sicherer sein, als Whatsapp, wo immerhin eine von Experten überprüfte Verschlüsselung stattfindet? Die paar Randfälle bei geänderten Schlüsseln fallen da nicht ins Gewicht. Da sollten die Datenschutzbeauftragten wohl noch mal Hausaufgaben machen.
alex2k 24.04.2017
2. Es gibt doch
eine extra Platform für Schulen, Kindergärten und anderen Communitytypen. Diese berücksichtigt, soweit ich weiss, alle deutschen (strengsten) Datenschutzrichtlinien. Die Übertragung erfolgt immer verschlüsselt. Man hat dort nur einen Account und kann in mehreren Communities, die untereinander unabhängig sind, miteinander kommunizieren. Auch Bilder & Videos können dort mit anderen Mitgliedern geteilt werden. Wer sowas braucht, kann mal auf https://hoojoo.de reinschauen.
Boone63 24.04.2017
3. Digitales Deutschland
Es ist schon traurig wie sich Deutschland in einer digitalisierten und globalisierten Welt verschließt. Die "German Angst" vor dem Datenklau ist heute einfach nur noch lächerlich. Die Welt ist wie sie ist, das werden wir nicht aufhalten. Nationale Gesetze verlieren ihre Sinnigkeit in einer internationalen Welt. Der Satz "Darüber hinaus ist die Datenweitergabe in der Gruppe problematisch: Nicht jeder möchte, dass die ganze Klasse die eigene Mobilnummer kennt." zeigt schon das Unverständnis für die Problematik. Ganz sicher sind alle Jugendlichen in einer Klasse irgendwie vernetzt und lachen über die Richttlinien die irgednwelche Erwachsenen den "Digital Natives" machen wollen. Es ist wie mit dem Pferd und dem Auto: Auch wenn der deutsche Kaiser, damals sicher ein Institution die in vielen deutschen Wohnung hing, meinte, das Auto wäre nur eine temporäre Erscheinung, er setze auf das Pferd, hat er nicht Recht behalten. Darum sollten die Deutschen einfach mal ihren Glauben, sie besitzen die Weisheit für alles und jeden, ablegen und sich der Realität stellen und diese sinnvoll mitgestalten.
motzemichel 24.04.2017
4. Schüler müssen auch abschalten!
Generell habe ich nichts dagegen die sozialen Medien in den Unterricht einzubeziehen, wir haben in der Oberstufe auch mit unserem Lehrer über WhatsApp kommuniziert. War praktisch wenn zum Beispiel die erste Stunde am nächsten Tag kurzfristig frei war, da konnte man sich den Weg dann sparen. Oder wenn es organisatorische Fragen gab, spontane Fragen zur Klausur etc. Das Problem das ich dabei sehe (vor allem bei Jüngeren) ist, dass man so immer erreichbar ist und quasi jederzeit mit einer Nachricht vom Lehrer rechnen muss. Wir hatten es z.B. dass nachmittags um 4-5 noch Hausaufgaben für den nächsten Tag (!)per Mail bzw Whatsapp reinkamen... Diese Gefahr besteht definitiv und ist nicht zu unterschätzen, das Abschalten nach der Schule oder am Wochenende fällt dadurch wirklich schwer, da leidet dann die Leistung drunter. Also bitte - lasst den jungen Menschen ihre Freizeit, lasst ihnen die Zeit zum Abschalten!
w220 24.04.2017
5. unzureichende Recherche
Hier wurde nicht vollständig recherchiert. Für Baden-Württemberg gilt seit vielen Jahren ein Erlass des Kultusministeriums, wonach soziale Netzwerke wie Whatsapp verboten sind. Das ist auch richtig so. Lehrer sollten in der Medienkompetenz ein Vorbild sein, nicht die Fehler mancher Schüler wiederholen. Im übrigen gibt es natürlich sichere Netzwerke mit end-to-end-verschlüsselung. threema aus der Schweiz ist ein solches. Da müssen die Datenspione aus den USA schon sehr lange arbeiten, bis sie so etwas knacken können.
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