Studie zur Mediennutzung Die Hälfte aller Neunjährigen besitzt ein Handy

Sie lesen lieber auf Papier, doch die Bedeutung digitaler Geräte nimmt mit steigendem Alter rasant zu: Forscher haben die Mediennutzung von 6- bis 13-Jährigen analysiert.

Mädchen mit Tablet
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Mädchen mit Tablet

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Sie spielen mit Puppen oder kuscheln mit ihren Teddybären, sie fahren Fahrrad oder treffen sich mit Freunden - und irgendwann texten sie lieber Nachrichten und schauen Serien: Je älter Kinder werden, desto wichtiger werden Smartphones, Tablets und Computer für sie. Zu diesem Ergebnis kommt die "Kinder-Medien-Studie 2018".

Demnach öffnet sich die digitale Welt für Kinder Stück für Stück. Sind sie neun Jahre alt, wird ihr Umfeld zunehmend digitaler. Jedes zweite Kind im Alter von neun Jahren besitzt bereits ein Handy oder Smartphone. Mit 13 Jahren sind es bereits 92 Prozent. In diesem Alter ersetzen elektronische Endgeräte viele traditionelle Spielzeuge.

Den Kindern ist es wichtig, digital ausgestattet zu sein. Aus diesem Grund stehen digitale Endgeräte auch ganz oben auf ihrer Wunschliste: 41 Prozent der Kinder wünschen sich ein Handy oder Smartphone, 32 Prozent wollen ein Tablet haben.

Details zur Studie
Wer hat die Studie in Auftrag gegeben?
Die sechs Medienhäuser Blue Ocean Entertainment AG, Egmont Ehapa Media GmbH, Gruner und Jahr, Panini Verlags GmbH, SPIEGEL Verlag und ZEIT Verlag haben in einer repräsentativen Medienstudie untersucht, wie Kinder Medien nutzen.
Wie aussagekräftig ist die Untersuchung?
Die Untersuchung bezieht sich auf eine Grundgesamtheit von 5,83 Millionen deutschsprachige Kinder im Alter von sechs bis 13 Jahren sowie 1,43 Millionen deutschsprachige Kinder im Alter von vier bis fünf Jahren. Mit dem Quoten-Verfahren wurde eine Stichprobe von 3300 Teilnehmern ausgewählt.
Wer wurde befragt?
Es wurden 2649 Doppelinterviews mit Kindern im Alter von sechs bis 13 Jahre und je einem Erziehungsberechtigen geführt. Zudem wurden 652 Interviews mit einem Erziehungsberechtigten für die vier- bis fünfjährigen Kinder geführt.
In welchem Zeitraum fand die Befragung statt?
Die Interviews (Computer Assisted Personal Interviews) wurden vom 12. Februar bis 2. April 2018 geführt.
Welche Institute waren beteiligt?
Methodisch betreut wurde die Untersuchung von der Immediate GmbH in Bremen. Die Feldinstitute waren die Krämer Marktforschung GmbH in Münster sowie die Marplan Media- und Sozialforschungsgesellschaft mbH in Offenbach am Main.

Im Rahmen der Studie wurden den Kindern auch offene Fragen gestellt. Zum Beispiel, was für sie das Internet ist:

Die wichtigsten Erkenntnisse der Studie:

  • Kinder nutzen Medien auf verschiedenen Kanälen

Die klassische Unterteilung in Fernsehen, Zeitschriften und Radio ist nicht mehr zeitgemäß. Je älter die Kinder werden, desto mehr nutzen sie Streaming- oder Videodienste. Zwar schauen 87 Prozent aller Kinder Filme, Serien und Sendungen im Fernsehen, aber mehr als 35 Prozent aller 13-Jährigen nutzt mehrmals die Woche YouTube, Vimeo oder andere kostenlose Videodienste.

Ganz junge Kinder nutzen eher klassische Medien. So hören 60 Prozent aller Vierjährigen Musik, Hörspiele oder Hörbücher mehrmals pro Woche auf CD.

  • Kinder lesen am liebsten auf Papier

Kinder bleiben den Printmedien treu: 70 Prozent von ihnen lesen Bücher oder Zeitschriften mindestens mehrmals pro Woche auf Papier. Beim Lesen spielen elektronische Endgeräte und Lesemedien in der Zielgruppe der Vier- bis 13-Jährigen dementsprechend keine Rolle.

  • Kinder kommunizieren auf verschiedenen digitalen Wegen

Die Mehrzahl der sechs- bis neunjährigen Kinder (88 Prozent) nutzt ihre digitalen Geräte zum Telefonieren, lediglich 42 Prozent verfassen damit Textnachrichten. Doch auch Postkarten und Briefe schreiben noch 43 Prozent der Kinder.

Fast alle Zehn- bis 13-Jährigen (97 Prozent) nutzen ihre Handys und Smartphones mindestens ab und zu zum Telefonieren, 90 Prozent schreiben damit Textnachrichten. Vor allem WhatsApp ist für knapp drei Viertel von ihnen (74 Prozent) besonders wichtig.

  • Je älter die Kinder, desto breiter sind ihre Interessen

Die Themen, für die sich Kinder interessieren, hängen zwar immer noch ganz entscheidend vom Geschlecht ab, Mädchen begeistern sich vor allem für Pferde und Haustiere (je 83 Prozent) sowie für Prinzessinnen (79 Prozent) und Jungen für Sport und Autos (je 83 Prozent) sowie für Superhelden (79 Prozent).

Doch mit zunehmendem Alter gewinnen andere Themen für Mädchen und Jungen an Bedeutung. Elfjährige begeistern sich beispielsweise fast gleichermaßen für "Natur und Umwelt" oder auch "Reisen und andere Länder". Und: Mehr als jedes dritte 13-jährige Mädchen interessiert sich für Sport und Fußball.

  • Kinder geben ihr Taschengeld für Süßigkeiten oder Zeitschriften aus

Knapp 23 Euro haben Kinder durchschnittlich im Monat als Taschengeld zur Verfügung. Mädchen erhalten 3,6 Prozent weniger Geld als die Jungen. Doch im vergangenen Jahr lag der Unterschied noch bei 6,8 Prozent.

Kinder ab sechs Jahren geben ihr Taschengeld vor allem für Süßigkeiten oder Zeitschriften aus. Ab zwölf Jahren kaufen sich Kinder vermehrt Getränke, Fast Food, Musik, Kosmetik oder Eintrittskarten ins Kino oder für Konzerte. Je älter die Kinder werden, desto öfter geben sie ihr eigenes Taschengeld auch für Geschenke für Freunde oder Verwandte aus. Mit zunehmenden Alter begleichen sie auch Kosten für ihr Smartphone selbst.

Wie Kinder ihre Gegenwart und das aktuelle Weltgeschehen wahrnehmen, zeigen ihre Antworten auf die Frage, was sie tun würden, wenn sie eine Superkraft hätten. "Andere Kinder vor Kindern beschützen, die stark sind und sie bloß ärgern", war eine Antwort. "Die Welt gerechter machen, dass es keine Kriege und Zerstörung und keinen Hunger mehr gibt" und am liebsten "die Politik abschaffen, denn darüber ärgern sich meine Eltern immer", sagten andere. Lesen Sie hier weitere Antworten:



insgesamt 30 Beiträge
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Seite 1
norgejenta 07.08.2018
1. Am besten
hat mir gefallen. " Ich kann fragen was ich will, ich bekomme immer eine richtige Antwort!... " Ja.. nur woher will man wissen, dass die Antwort richtig ist?..
sikasuu 07.08.2018
2. Andere Kinder vor Kindern beschützen, die stark sind & sie bloß ärgern
und die vielen anderen Antworten die mMn. sehr positiv sind! Was kann man daraus schließen? MMn., Kinder sind erst einmal SOZIAL & werden erst durch unsere Erwachsenenwelt auf EGO, Konkurrenzkampf usw. gepolt. Sollte uns wirklich zu denken geben:-(
ned divine 07.08.2018
3. umso wichtiger, das Erlernen
eines verantwortungsvollen Umgangs mit Handys, Tablets & Co. Sie sollten nicht an Schulen, Kindergärten und so weiter gestattet sein, da sie vom Lernen abhalten und auch in den Pausen den Sozialkontakt zu anderen Kindern absolut einschränken. Das Herumdaddeln auf den Handys hat nichts mit kompetenter Mediennutzung zu tun. Der grösste Blödsinn einiger Eltern ist immer der Spruch, "Ja, mein Kind kann ja keine Hilfe mehr rufen, wenn es kein Handy hat und nix bei Wikipedia nachschlagen" Wie war das denn vor 10, 20 Jahren? Da ging es doch in den Schulen auch ohne Mobiltelefone, oder? Die Kinder sollten sich ganz auf das Lernen und in den Pausen auf ihre Mitschüler konzentrieren!
Celegorm 07.08.2018
4.
Zitat von norgejentahat mir gefallen. " Ich kann fragen was ich will, ich bekomme immer eine richtige Antwort!... " Ja.. nur woher will man wissen, dass die Antwort richtig ist?..
Woher will man wissen, dass die Antwort der Eltern oder irgendeiner anderen Person richtig ist? Selbst Fachpersonen wie Lehrer liegen nicht immer richtig oder geben zumindest verzerrte Perspektiven wieder. Das Internet ist darum trotz allen fragwürdigen Inhalten eine der tendenziell besten Quellen, da sich damit Themen umfassend recherchieren lassen. Voraussetzung ist natürlich die nötige Medienkompetenz. Aber so zu tun, als wäre das Internet eine besonders gefährliche Quelle für falsche Antworten ist angesichts des Unsinns, den Eltern absichtlich oder nicht ihren Kindern tagtäglich eintrichtern, ziemlich irreführend..
weltraumschrott 07.08.2018
5. Genau!
Zitat von CelegormWoher will man wissen, dass die Antwort der Eltern oder irgendeiner anderen Person richtig ist? Selbst Fachpersonen wie Lehrer liegen nicht immer richtig oder geben zumindest verzerrte Perspektiven wieder. Das Internet ist darum trotz allen fragwürdigen Inhalten eine der tendenziell besten Quellen, da sich damit Themen umfassend recherchieren lassen. Voraussetzung ist natürlich die nötige Medienkompetenz. Aber so zu tun, als wäre das Internet eine besonders gefährliche Quelle für falsche Antworten ist angesichts des Unsinns, den Eltern absichtlich oder nicht ihren Kindern tagtäglich eintrichtern, ziemlich irreführend..
Und das ist mit das Beste, was man Kindern mitgeben kann: Lernen, wie man gründlich recherchiert, wie man die Glaubwürdigkeit von Quellen prüft und wie man anhand von möglichst vielen Quellen zu einem eigenen Urteil kommt.
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