Weniger Hochschulreife Zahl der Studienberechtigten sinkt

Schülerschwund, doppelte Abi-Jahrgänge und immer weniger Geburten: Erstmals seit 18 Jahren sank 2012 die Zahl der Schulabgänger mit Hochschul- oder Fachhochschulreife. Die Zeit der Rekordstände ist vorbei.

Von hier an sinkts: Die Zahl der Studienberechtigten wird in Deutschland weiter zurückgehen
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Von hier an sinkts: Die Zahl der Studienberechtigten wird in Deutschland weiter zurückgehen


Die Zahl der Studienberechtigten in Deutschland ist zum ersten Mal seit 1994 wieder gesunken. Im Jahr 2012 erwarben rund 498.400 Schüler eine Hochschul- oder Fachhochschulreife. Das sind 1,7 Prozent weniger als im Vorjahr. Das teilte das Statistische Bundesamt mit.

Der leichte Rückgang ist vor allem durch die doppelten Abiturjahrgänge sowie die demografische Entwicklung in Ostdeutschland zu erklären. So gab es in den Bundesländern mit einer verkürzten Gymnasialzeit auf acht Jahre einen deutlichen Anstieg von Schülern mit Hochschulberechtigung. In Baden-Württemberg etwa um 32,1 Prozent, in Berlin konnte im Jahresvergleich sogar ein Anstieg von 33,2 Prozent gezählt werden.

Im Vergleich dazu erlebten Bayern und Niedersachsen einen Rückgang der Studienberechtigten. Hier wurden die doppelten Jahrgänge bereits im Vorjahr verabschiedet. In Bundesländern, die weder 2011 noch 2012 doppelte Schulabgänger-Jahrgänge hatten, war die Entwicklung unterschiedlich. Hamburg hatte darunter mit 6,6 Prozent den höchsten Zuwachs.

Vom Rückgang besonders betroffen waren Sachsen-Anhalt mit einem Minus um 2,6 Prozent und Sachsen mit einem Rückgang um 2,3 Prozent. Ursache ist hier die demografische Entwicklung im Osten des Landes: Die Zahl der jungen Menschen im Alter von 18 bis 20 Jahren lag um 22 Prozent niedriger als im Jahr 2012.

Sondereffekt der G8-Jahrgänge vorbei

Überhaupt wird sich der Geburtenrückgang seit Beginn der neunziger Jahre zukünftig immer stärker bemerkbar machen. Die Schülerzahl in Deutschland sank bereits im Jahr 2012 auf rund 11,4 Millionen Mädchen und Jungen - der tiefste Stand seit der Wiedervereinigung.

Auch mit dem Sondereffekt der doppelten Abiturjahrgänge ist es bald vorbei, in vielen bevölkerungsstarken Bundesländern wurde er bereits vollzogen.

Ein Anstieg der Studienberechtigten in Deutschland wird in den nächsten Jahren damit wohl nicht mehr zu erwarten sein. Auch scheint es fast unmöglich, die Rekord-Neueinschreibungen an deutschen Hochschulen zu toppen. Im Jahr 2011 hatten sich 518.700 Studenten immatrikuliert, so viel wie nie zuvor. Die Zahl von rund 2,5 Millionen Studenten im Land ist ebenfalls ein bisher nie erreichter Höchststand.

Fast drei Viertel der Studienberechtigten hat den Zugangsanspruch im Jahr 2012 mit einem allgemeinbildenden oder fachgebundenen Schulabschluss erlangt, der Rest mit der Fachhochschulreife. Dabei legten Frauen erneut die höheren Abschlüsse ab und waren knapp in der Mehrzahl.

jon/dpa



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