Friesland Neunjähriger ruft Polizei - wegen falscher Weihnachtsgeschenke

Weil er überhaupt nicht zufrieden war mit seinen Geschenken, rief ein Junge am ersten Weihnachtstag die Polizei. Die Beamten kamen - und stellten fest, dass sein Ärger durchaus berechtigt war.

Unzufriedenes Kind an Weihnachten (Symbolbild)
Getty Images

Unzufriedenes Kind an Weihnachten (Symbolbild)


Es war ein ungewöhnlicher Einsatz für die Polizisten: Ein neunjähriger Junge hatte in Zetel im Landkreis Friesland am ersten Weihnachtstag die Beamten gerufen. Der Grund: Er war zutiefst unzufrieden mit den Geschenken, die er unterm Weihnachtsbaum gefunden hatte.

Die Beamten hätten vor Ort einen sehr verärgerten Jungen vorgefunden, sagte ein Polizeisprecher am Mittwoch. Die Polizisten hätten sich demnach sofort auf Spurensuche begeben und die Geschenke mit dem Wunschzettel des Jungen verglichen. Tatsächlich stimmte beides nicht überein. Letztlich konnten die Beamten den Familienstreit am Dienstag aber doch noch schlichten.

Tatsächlich kommt es immer wieder vor, dass Kinder - oder vermehrt auch Eltern - wegen Lappalien die 110 wählen. Und ist diese Telefonnummer einmal gewählt, gibt es kein Zurück: Ein Einsatzwagen kommt, mag der Anlass noch so banal sein.

In Hamburg hat kürzlich eine Mutter die Polizei gerufen, weil ihr dreijähriges Kind sich mit einem anderen Kind um ein Dreirad stritt. Die beiden Kinder waren offenbar in einer Kindertagesstätte im Stadtteil Winterhude aneinandergeraten, wie mehrere lokale Medien berichteten. Sie hätten geschrien und einander gekratzt.

Es gibt sogar Eltern, die aus Überforderung eine Streife anfordern, etwa wenn das Kind nicht ins Bett gehen will.

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Das sind freilich nicht Eltern des Typs Helikopter, der überfürsorglich und ehrgeizig ist, aber doch Eltern, die meinen, zwei von Steuern finanzierte Polizeibeamte seien die richtige Adresse, an die man sich mit seinen privaten Erziehungsproblemen wenden könnte.

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lgr/dpa

insgesamt 49 Beiträge
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Seite 1
Saure Gurke 26.12.2018
1.
Ich erinnere mich noch an diese roten Feuermelder. Der Missbrauch war verboten und wurde bestraft. Vielleicht kann man sowas wieder einführen? Verbunden z. B. mit einigen Stunden Streitschlichtungstraining. Ich stell mir die Polizei gerade beim Dreiradkonflikt vor, während an anderer Stelle ein Einsatz dringend geboten wäre.
franz01 26.12.2018
2. Überforderung oder Helikopter?
Einige dieser Beispiele zeigen die Überforderung von Eltern, die längst keine Helikopter-Eltern sind. Das sollte man unterscheiden.
walli_sp 26.12.2018
3. Wunschzettel
Die Beamten stellten also fest, dass der Ärger berechtigt war. Ein Wunschzettel ist genau das, was der Name sagt, kein Bestellschein. Schlechte Erziehung!
HanzWachner 26.12.2018
4. Der Stepke...
...hat bestimmt mit seinem eigenen Smartphone die Polizei gerufen. Und die verständnisvollen Beamten gaben ihm noch Recht. Ick gloob, ick spinne.
panzerknacker 51 26.12.2018
5. Toll
Soweit sind wir also schon. Da helfen nur eine fette Rechnung an die Eltern für den Einsatz und Taschengeld-Entzug für den Kurzen auf längere Zeit.
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