Zweifelhafte Auszeichnung "Nasser Schwamm" für Dieter Bohlen

Einen Schwamm an den Kopf zu bekommen, ist unangenehm - denn er ist feucht und stinkt nach Kreide. Dieter Bohlen wird damit zwar nicht beschmissen. Aber er bekommt ihn verliehen: Ein Lehrerverband zeichnet den 54-Jährigen für seine "gesellschaftlichen Dauer-Tiefschläge" aus.


Es ist kein ruhmreicher Preis, den die Pädagogenorganisation Verband Bildung und Erziehung (VBE) in diesem Jahr zum vierten Mal vergibt. Im Gegenteil: Die zweitgrößte Lehrerorganisation will mit ihrer Verleihung ausdrücken, wer ihr besonders negativ aufgefallen ist. Diesmal kürt sie Dieter Bohlen mit dem "Nassen Schwamm".

Von Lehrern mit dem "nassem Schwamm" ausgezeichnet: Dieter Bohlen
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Von Lehrern mit dem "nassem Schwamm" ausgezeichnet: Dieter Bohlen

Die Lehrer haben ihre Gründe: Vor einem Millionenpublikum habe der 54-Jährige "die Lust an Erniedrigung kultiviert, mediale Brutalität zelebriert und die Grundregeln demokratischen Zusammenlebens missachtet", sagte VBE-Chef Ludwig Eckinger. Die Lehrer bezeichneten Bohlen als "gesellschaftlichen Dauer-Tiefschläger des Jahres 2007".

Mit seiner Juryarbeit in der Sendung "Deutschland sucht den Superstar" mache Bohlen "Quote für einen Sender auf Kosten Jugendlicher, die noch zwischen Ideal und Illusion schwanken und es als tough ansehen, um jeden Preis in die imaginäre Welt einer Fernseh-Community zu kommen", sagte der VBE-Chef. Solche Negativ-Vorbilder würden die Erziehungsarbeit von Eltern und Lehrern erschweren. Eckinger: "Denn das wichtigste Ziel in Unterricht und Erziehung bleibt nach wie vor, Mündigkeit und Emanzipation im Sinne einer selbstbestimmten Lebensgestaltung zu erreichen."

Der Negativpreis "Nasser Schwamm" des VBE wurde 2005 zum ersten Mal vergeben. Preisträger war damals Berlins Bildungssenator Klaus Böger für seinen Vorschlag im Jahr 2004, arbeitslose Lehrerinnen und Lehrer als Ein-Euro-Jobber an hauptstädtische Bildungseinrichtungen zu holen.

2006 durfte Erziehungswissenschaftler Dieter Lenzen, Präsident der FU Berlin, einen "Nassen Schwamm" sein Eigen nennen - weil er sich um die "Verzerrung und Verschärfung der Bildungs- und Integrationsdebatte" verdient gemacht hatte. Unter anderem hatte der FU-Präsident in einem Interview mit der Berliner Zeitung die Ansicht vertreten, der Intelligenzquotient von Kindern türkischer Einwanderer sei geringer als der von Kindern aus deutschem Elternhaus.

Als dritte Preisträgerin des "Nassen Schwamms" kürte der VBE im vergangenen Jahr EU-Kommissarin Viviane Reding. Damit sollte ihr Einsatz für eine neue EU-Fernsehrichtlinie als ein Großangriff auf den Jugendmedienschutz in Europa - und insbesondere in Deutschland - gewürdigt werden.

kat/dpa

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