Umstrittene Sekte "Zwölf-Stämme"-Eltern wehren sich gegen Sorgerechtsentzug

Seit gut einem Jahr leben Kinder der Sekte "Zwölf Stämme" in Heimen und Pflegefamilien, seitdem kämpfen ihre Eltern. Drei Elternpaare haben das Sorgerecht endgültig verloren. Aber damit ist der Streit längst nicht beendet.

"Zwölf Stämme": Sekteneltern legen Beschwerde ein
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"Zwölf Stämme": Sekteneltern legen Beschwerde ein


Die umstrittene Sekte "Zwölf Stämme" wehrt sich gegen eine Entscheidung des Amtsgerichts Ansbach: Drei Elternpaare haben Beschwerde gegen den Entzug des Sorgerechts eingelegt, teilte das Gericht mit. Begründet hätten sie ihre Beschwerde bislang nicht.

Bereits Ende Oktober hatte das Gericht den Eltern auf Antrag des Jugendamtes unter anderem das Recht zur Regelung der schulischen Belange und der medizinischen Versorgung entzogen sowie das Aufenthaltsbestimmungsrecht. Betroffen sind sechs Kinder, sie sind zwischen einem und sechs Jahren alt.

Eltern können nur dann das Sorgerecht verlieren, wenn das Kindeswohl gefährdet ist. Laut Gesetz muss die Gefahr konkret, gegenwärtig und nachhaltig sein. Im Laufe des Verfahrens hätten die Eltern sich "nicht überzeugend" von ihren Erziehungskonzept distanziert, teilt das Gericht mit; dazu gehört, Kinder körperlich zu züchtigen. Schließlich folgt die Sekte der Bibel treu, wo es heißt: "Wer die Rute spart, hasst seinen Sohn, wer ihn liebt, nimmt ihn früh in die Zucht." Hinzukommt, so das Gericht, dass die Sekte staatliche Schulen ablehnt sowie dort geforderte amtsärztliche Untersuchungen ihrer Kinder.

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Das Gericht betont, sie hätten mit den betroffenen Eltern über mildere Maßnahmen verhandelt: So sollten die Eltern mit ihren Kindern unter Aufsicht des Jugendamtes in Deutschland bleiben, die Sekte unterhält Standorte in mehreren Ländern, zudem sollten sie ihre Kinder zu staatlichen Schulen anmelden und zur Spieltherapie. Die Eltern aber hätten das Land verlassen wollen und staatliche Schulen weiterhin abgelehnt.

Rechtskräftig sind die drei Entscheidungen des Gerichts noch nicht, und mit der Beschwerde geht der Streit jetzt weiter: Nun muss das Oberlandesgericht Nürnberg über die drei Fälle entscheiden. Auch am Amtsgericht Nördlingen beschäftigen sich die dortigen Richter weiterhin mit der Sekte: Rund ein Dutzend Sorgerechtsverfahren würden noch laufen, teilte Direktor Helmut Beyschlag auf Anfrage mit. Wann sie enden, sei noch nicht absehbar.

Deutsche Behörden kennen die Misshandlungsvorwürfe gegen die "Zwölf Stämme" schon seit 20 Jahren. Weil die Sekte die staatliche Schulpflicht missachtet, mussten sieben Väter 2004 sogar ins Gefängnis. Im vergangenen Jahr holte die Polizei in einem Großeinsatz dann 40 Kinder aus der Sekte. Zuvor hatte der RTL-Reporter Wolfram Kuhnigk mit versteckter Kamera gefilmt, wie Sektenmitglieder Kinder mit der Rute schlagen. Die meisten Kinder leben seitdem in Heimen und Pflegefamilien. Einige Kinder durften allerdings bis zur endgültigen Entscheidung der Gerichte zur Sekte zurückkehren.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 28 Beiträge
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Butterflychaser 06.11.2014
1. Lebensgefüge
Je länger Menschen (insbesondere Kinder) in Sekten verbleiben, desto mehr Schaden wird am späteren Lebensgefüge angerichtet. Es ist Aufgabe unserer Zivilgesellschaft, vor manipulierenden, totalitären und vereinnahmenden Gruppe zu warnen und sie aufzudecken. www.destruktive-gruppen-erkennen.com
matthias51 06.11.2014
2. komische debatte
wenn jemand endlich mal die "Züchtigung" als Körperverletzung und Gewalt bezeichnen würde, wäre mit dem Verein viel schneller Schluss
bolker.veck 06.11.2014
3. Gottseidank:
Gottseidank: wem die Rute als Erziehungsmittel verboten ist, der darf in Deutschland dank §1631d BGB wenigstens noch zum Skalpell greifen. Schon interessant, welche unterschiedliche Wertigkeit in Deutschland religiöse Erziehungsmethoden haben. Warum hat der Staat an dieser Stelle keine Hemmungen den Eltern zu sagen, was er von ihren Erziehungsvorstellungen hält während er sich weit bis in der Unterträgliche hinaus verbiegt, um die rituelle Körperverletzung an Kindern zu legalisieren und die Staatsanwälte stets betreten beiseite schauen, wenn Unrecht zur Anzeige gebracht wird?
carlitom 06.11.2014
4. Sachlich
Zitat von bolker.veckGottseidank: wem die Rute als Erziehungsmittel verboten ist, der darf in Deutschland dank §1631d BGB wenigstens noch zum Skalpell greifen. Schon interessant, welche unterschiedliche Wertigkeit in Deutschland religiöse Erziehungsmethoden haben. Warum hat der Staat an dieser Stelle keine Hemmungen den Eltern zu sagen, was er von ihren Erziehungsvorstellungen hält während er sich weit bis in der Unterträgliche hinaus verbiegt, um die rituelle Körperverletzung an Kindern zu legalisieren und die Staatsanwälte stets betreten beiseite schauen, wenn Unrecht zur Anzeige gebracht wird?
Ich finde diese Vermischung zweier verschiedener Themen einfach unsachlich und keiner Diskussion dienlich. Wollen Sie jetzt das Schlagen von Kindern relativieren oder die Beschneidung oder was soll das? Es wäre doch sinnvoller, beide Dinge einzeln zu diskutieren, was nicht heißt, dass das Ergebnis ein anderes sein müsste. Aber es hat halt nichts miteinander zu tun.
carlitom 06.11.2014
5. Schon geschehen
Zitat von matthias51wenn jemand endlich mal die "Züchtigung" als Körperverletzung und Gewalt bezeichnen würde, wäre mit dem Verein viel schneller Schluss
Das ist doch geschehen. Deshalb der Sorgerechtsentzug.
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