Verprügelte Kinder Harte Gefängnisstrafe für "Zwölf-Stämme"-Lehrerin

Die Sekte "Zwölf Stämme" ist bekannt für ihren brutalen Umgang mit Kindern. Jetzt ist erstmals eine Lehrerin der Fundamentalchristen zu einer Haftstrafe verurteilt worden. Sie soll besonders heftig geprügelt haben.

Täuschende Idylle: Eingangsschild in Klosterzimmern bei Deiningen
DPA

Täuschende Idylle: Eingangsschild in Klosterzimmern bei Deiningen


Erstmals ist ein Mitglied der Sekte "Zwölf Stämme" wegen Prügelstrafen für Kinder zu einer Gefängnisstrafe ohne Bewährung verurteilt worden. Das Amtsgericht Nördlingen verhängte gegen eine 56-jährige Frau eine Haftstrafe von zweieinhalb Jahren.

Entsprechende Medienberichte bestätigte am Freitag der Amtsgerichtsdirektor. Die Staatsanwaltschaft hatte in dem Prozess am Donnerstag drei Jahre Haft verlangt, die Verteidigung eine Bewährungsstrafe. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Die Lehrerin der umstrittenen Glaubensgemeinschaft soll sechs Kinder geprügelt haben, die heute teils noch im Kindesalter oder junge Erwachsene sind. Nach einem Bericht der "Augsburger Allgemeinen" sagten Zeugen aus, die Frau sei besonders brutal gewesen.

Keine Reue

Die Angeklagte habe in dem Prozess die Schläge zugegeben, aber keine Reue gezeigt. Bereits mehrfach wurden Sektenmitglieder wegen der Prügelstrafen verurteilt, allerdings zu niedrigeren Strafen.

Die Sekte ist im Laufe der Jahre immer wieder mit deutschen Behörden in Konflikt geraten. Dabei ging es um Vorwürfe, die Mitglieder schlügen ihre Kinder; außerdem weigerten sie sich immer wieder, ihre Kinder in öffentliche Schulen zu schicken.

Im vergangenen Sommer hatte die Gemeinschaft deshalb angekündigt, Deutschland zu verlassen und sich in Tschechien und anderen europäischen Nachbarländern niederzulassen. Angeblich besitzt sie mehrere Grundstücke in Prag und eine Niederlassung in Frankreich.

In Deutschland lebten bisher drei Kommunen der "Zwölf Stämme": auf dem Gut Klosterzimmern bei Nördlingen und im ländlichen Wörnitz bei Ansbach in Bayern und in Dolchau in Sachsen-Anhalt. Ein Datum für ihre Abreise und den Verkauf ihrer Wohnsitze nannten die "Zwölf Stämme" nicht.

Die Bewegung der "Zwölf Stämme" entstand in den Siebzigerjahren in den USA. Weltweit hat die Glaubensgemeinschaft, die sich auf das Urchristentum beruft, gut 60 Gemeinden, die meisten in den USA. Kritiker sehen in der Gemeinschaft eine Sekte, die straff hierarchisch und patriarchalisch organisiert ist.

dpa/mamk



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insgesamt 4 Beiträge
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familiezint 29.01.2016
1. Gerechte Strafe?
Körperstrafen dürfen nicht geduldet werden. Aber 2 1/2 Jahre ohne Bewährung? In ähnlichen Fällen urteilen deutsche Gerichte milder: Gießen (tan) Zu einer Freiheitsstrafe von neun Monaten auf Bewährung wurde am Dienstag ein 51-Jähriger vor dem Amtsgericht verurteilt. Ende Mai 2012 hatte der Mann, der zu Beginn der Verhandlung ein umfängliches Geständnis ablegte, mit einem Holzknüppel auf ausländische Jugendliche eingeschlagen zu haben.
gruschenko 29.01.2016
2. ?
Also, der Fall, den Sie hier umreißen, gestaltet sich wohl etwas anders, oder? Eine Person, die dafür verurteilt wird, einmal auf Personen eingeschlagen zu haben - und eine Person, die dafür verurteilt wird, wiederholt und systematisch auf Personen eingeschlagen zu haben.
familiezint 29.01.2016
3. Stimmt
Gebe ich Ihnen recht, dieser Fall ist nicht unmittelbar vergleichbar. Aber das (wiederholte) emotionale Einprügeln auf Kinder ist ebenso verwerflich, wie eine religiös motivierte Prügelstrafe. Hier sollte aus strafrechtlicher Sicht kein Unterschied gemacht werden.
3finnen 29.01.2016
4. Nicht das Problem
Das Strafmaß ist nicht das Problem, da kann man der deutschen Justiz vertrauen. Das eigentliche Problem ist die Ungleichbehandlung verschiedener Religionen durch die deutsche Gesetzgebung. Während man die eine religiöse Gruppe zu recht massregelt wenn Sie ihre Kinder misshandelt, so ermöglicht man es anderen religiösen Gruppen ihren männlichen Kinder zu beschneiden. Das ist genauso eine Misshandlung, wenn Sie nicht medizinisch notwendig ist, im rechtlichen Sinne sogar eine Körperverletzung mit Verstümmelung. Warum also darf einmal eine religiöse Gruppe ihre Kinder mit einer religiösen Begründung misshandeln und dann wiederum nicht, man schafft sogar extra ein Gesetz damit dieses möglich wird.
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