"Zwölf Stämme" Lehrer wegen Prügelstrafe vor Gericht

Er soll regelmäßig Schüler mit der Rute geschlagen haben: In Bayern hat der Prozess gegen einen Lehrer der Sekte "Zwölf Stämme" begonnen. War Züchtigung ein fester Bestandteil der Erziehung in der Sekte?

Angeklagter Klaus H. im Amtsgericht Nördlingen: Heftiger Schlagabtausch
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Angeklagter Klaus H. im Amtsgericht Nördlingen: Heftiger Schlagabtausch


In Bayern steht seit Montag ein 54-Jähriger vor Gericht. Als Lehrer soll er bei der umstrittenen Glaubensgemeinschaft "Zwölf Stämme" Kinder geschlagen haben. Der Prozess wurde zur Bühne für einen heftigen Schlagabtausch zwischen den beiden Verteidigern einerseits und dem Staatsanwalt und der Richterin andererseits. Ein Urteil vom Amtsgericht Nördlingen wird frühestens in der nächsten Woche erwartet.

Der Mann wird beschuldigt, vor etwa neun Jahren einen damals etwa 14 Jahre alten Schüler mit einer mehr als einen Meter langen Rute ein halbes Dutzend Mal auf den Hintern geschlagen zu haben. Der Angeklagte weist alles zurück: "Die ganze Sache ist absolut aus der Luft gegriffen." Weitere Angaben macht er nicht, denn den Vorfall habe es nie gegeben, führt sein Rechtsanwalt aus.

Der Schüler von damals ist heute 23 Jahre alt und hat schon mehrfach Interviews zu den Prügelstrafen bei den "Zwölf Stämmen" gegeben - einer Gemeinschaft, in der Kritiker und Aussteiger eine hierarchisch straff organisierte Sekte sehen. Vor Gericht wirft er den Lehrern vor, häufig Kinder geschlagen zu haben. Sie hätten den Kindern "so, wie sie gerade lustig waren, auf den Hintern gehauen", sagt der Zeuge. "So ist es tagein, tagaus gewesen." Auch der 54-jährige Angeklagte habe ihn mehrfach geprügelt. Wenn ein Kind im Unterricht unaufmerksam gewesen sei oder mit dem Tischnachbarn geredet habe, dann habe es Schläge gegeben.

Drei Mütter der Sekte bereits verurteilt

Die Verteidiger wollen den 23-Jährigen und seine ebenfalls als Zeugen geladenen Eltern als unglaubwürdig erscheinen lassen. Sie werfen ihnen mehrfach falsche Angaben vor.

Der Richterin halten die Anwälte vor, sie sei möglicherweise nicht objektiv und wolle den Sachverhalt nicht aufklären. Die Vorsitzende reagiert mit Unverständnis. "Ich darf jetzt ermitteln, ich mache das jetzt auch", entgegnet die Richterin den Anwälten, als sie eine Zeugin in den Sitzungssaal bittet.

Unterstützer der Glaubensgemeinschaft "Zwölf Stämme" demonstrieren am Montag singend vor dem Amtsgericht Nördlingen
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Unterstützer der Glaubensgemeinschaft "Zwölf Stämme" demonstrieren am Montag singend vor dem Amtsgericht Nördlingen

Bereits in der Vergangenheit liefen ähnliche Strafverfahren gegen Mitglieder der Glaubensgemeinschaft. Drei Mütter sind in Nördlingen schon zu Bewährungsstrafen verurteilt worden, zwei Verfahren sind aber noch nicht rechtskräftig. Weitere Prozesse sollen folgen.

Der 54-Jährige sollte eigentlich nicht allein vor Gericht stehen, aber bei der Zustellung der Anklage gab es bei zwei Mitangeklagten Schwierigkeiten. Die Männer sind vermutlich ins Ausland gezogen. Die "Zwölf Stämme" haben angekündigt, Deutschland den Rücken kehren zu wollen, weil sie sich hier verfolgt fühlen.

Die Ermittlungen begannen, als die Polizei im September 2013 rund 40 Kinder aus den Gemeinschaften in Klosterzimmern bei Nördlingen und im mittelfränkischen Wörnitz holte. Die Eltern wehrten sich vor den Familiengerichten gegen die Wegnahme ihrer Töchter und Söhne. Manche Eltern hatten damit Erfolg, andere nicht. Ein Teil dieser Sorgerechtsverfahren beschäftigt die Gerichte immer noch.

Nach den Ausführungen von Aussteigern ist es die allgemeine Lehre der Sekte, dass Kinder gezüchtigt werden müssen. Die Mitglieder hatten sich lange geweigert, ihre Kinder in staatliche Schulen zu schicken. Zeitweise erlaubte ihnen das bayerische Kultusministerium daher sogar der Betrieb einer eigenen Schule in Klosterzimmern.

Inzwischen wurde diese Genehmigung zwar widerrufen. Doch der Prozess wirft die Frage auf, wie die Behörden jemals der Glaubensgemeinschaft eine Schulerlaubnis ausstellen konnten. Denn laut Zeugen mussten Lehrer dort nicht über ein Fachstudium verfügen, sondern wurden einfach vom "Ältestenrat" bestimmt.

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Geschichte der "Zwölf Stämme": Vor Satan auf der Flucht

bkr/dpa, Ulf Vogler



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dröhnbüdel 16.11.2015
1. Prügel-Terror
Die Vorwürfe gegen den Lehrer werden nicht leicht zu beweisen sein, weil offenbar Aussage gegen Aussage steht. Wie auch immer: Die "Zwölf Stämme" reden von "Züchtigung" der Kinder, gemeint ist wohl Misshandlung. Wer den Prügel-Terror gegen wehrlose Kinder sogar offen propagiert und sich dafür auch noch ein relgiöses Mäntelchen umhängt, hat jede Legitimation zur Kindererziehung verloren.
pegasus2012 16.11.2015
2.
Die Sekte hat bereits angekündigt, nach Osteuropa ziehen zu wollen , da dort je nach Land die körperliche Misshandlung von Kindern nicht verboten ist. Ich hoffe die Behörden werden vorher erneut reagieren und die Kinder endgültig aus den Fängen dieser Gruppe von Kinderschändern befreien. Es ist erschreckend wie offen diese Sekte Misshandlungen von Kindern bereits wegen Kleinigkeiten propagiert.
Mieze Schindler 16.11.2015
3. Prügel waren leider noch vor kurzer Zeit ein fester
Teil der Erziehung von Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Die Ansicht, dass man Kinder prügeln müsse haben viel mehr Menschen vertreten, als diese Sekte. So musste auch der frühere katholische Bischof Mixa wegen Prügelvorwüfen zurücktreten. Meist findet man diese krude Ansicht im extrem konservativen Umfeld.
toledo 17.11.2015
4. @1
Sie irren. Die Zeit der 'in dubio pro reo' Freisprüche in Deutschland ist lange vorbei. Auch Taten unter 4 Augen werden heutzutage mittels sogenannter ' Glaubwürdigkeitsgutachen' abgeurteilt. In Deutschland muss es einfach ein Urteil geben; in der Regel aufgrund irgendwelcher Indizienketten zu Lasten des Angeklagten.
MrMetaphysic 17.11.2015
5. Glaube und Gewalt
Das Beispiel der "Zwölf Stämme" zeigt, dass religiös motivierte Gewalt kein Alleinstellungsmerkmal des Islamismus ist - unser Staat sollte den Mut zu einem konsequenten Laizismus finden, um jedwede religiös motivierte Gewalt konsequent zu unterbinden. Der Gottesbezug sollte aus den Landesverfassung verschwinden.
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